ArchivDeutsches Ärzteblatt16/2019Multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche: Volkskrankheit „trockenes Auge“

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Multifaktorielle Erkrankung der Augenoberfläche: Volkskrankheit „trockenes Auge“

Dtsch Arztebl 2019; 116(16): A-801

Hanke, Stefanie

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Rötungen, Schmerzen und das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben: Trockene Augen sind weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind allein in Deutschland bis zu 15 Millionen Menschen betroffen. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein.

Die Prävalenz für trockene Augen (Keratoconjunctivitis sicca) ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen: Ein Risikofaktor für trockene Augen ist vermindertes Blinzeln, zum Beispiel durch Bildschirmarbeit. Das führt dazu, dass fast 80 % derjenigen, die täglich mehr als 3 Stunden am PC sitzen, Symptome von trockenen Augen zeigen. Doch es gibt auch noch viele weitere Risikofaktoren: Dazu gehört unter anderem der Ausfall der Meibom-Drüsen bei zunehmendem Alter, hormonelle Veränderungen (einschließlich Menopause), Autoimmunkrankheiten wie Sjögren-Syndrom, Diabetes oder Schilddrüsenerkrankungen, aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente.

Starke Beeinträchtigung der Lebensqualität

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Dabei sind trockene Augen eine Erkrankung, die häufig unterschätzt wird. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen werde die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt, erklärte Dr. med. Stefan Pfennigsdorf, Polch, am Rande des Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Bonn: „Ein schweres trockenes Auge ist diesbezüglich vergleichbar mit einer moderaten bis schweren Angina Pectoris (1). Besonders erschwert werden Aktivitäten wie Lesen, Fernsehen oder Autofahren im Dunkeln.“ Auch die wirtschaftliche Belastung sei beträchtlich, erläuterte Pfennigsdorf weiter: Allein in den USA liegen die Kosten für die medizinische Versorgung, Produktivitätsverlusten und Auswirkungen auf die Lebensqualität bei insgesamt mehr als 3,8 Milliarden US-Dollar jährlich (2).

Nach dem 2017 veröffentlichten Report des Dry Eye Workshops (DEWS) II (3) kann das trockene Auge mit einer Veränderung des Tränenfilm-Lipids in Verbindung gebracht werden. Danach besteht der Tränenfilm aus 2 Phasen – einer muko-wässrigen Phase und einer Lipidschicht, die verhindert, dass die Tränenflüssigkeit zu rasch verdunstet. Direkt auf der Augenoberfläche gleicht außerdem eine mucöse Schicht feine Unebenheiten auf der Zell-oberfläche der Hornhaut aus und sorgt dafür, dass die wässrige Schicht besser auf der Hornhaut haften kann. Ändert sich diese natürliche Struktur des Tränenfilms, kann es zu einer unzureichenden Benetzung, Befeuchtung und Ernährung von Horn- und Bindehaut kommen – daraus resultiert eine mechanische Reibung beim Blinzeln, die Entzündungen und Beschädigungen der Augenoberfläche nach sich ziehen kann.

Das Krankheitsbild wird in die hypovolämische Form, die häufigere evaporative Form sowie in Mischformen unterteilt (3). Bei der hypovolämischen Form wird zu wenig Tränenflüssigkeit produziert; bei der evaporativen Form verdunstet der wässrige Anteil zu schnell, weil der Lipidanteil zu gering ist. Als Haupttherapie zur Behandlung des trockenen Auges werden von DEWS II künstliche Tränen empfohlen (4) – dadurch soll der Tränenfilm stabilisiert und der Mangel an Feuchtigkeit beziehungsweise Lipiden ausgeglichen werden. Je nach Krankheitsbild stehen dafür wässrige oder lipidhaltige Präparate zur Verfügung.

Mit Systane® COMPLETE ist ein Tränenersatzpräparat auf dem deutschen Markt, das erstmals die HP-Guar-Technologie und die Nano-Lipid-Technologie kombiniert. HP-Guar dient als Gelbildner und hält aufgrund der Gitternetzstruktur der Moleküle die körpereigene Tränenflüssigkeit sowie weitere Tränenersatzstoffe auf der Oberfläche des Auges fest. Gleichzeitig steigen Lipidtropfen in Nanogröße an die Oberfläche des Tränenfilms auf und stabilisieren so Lücken im Tränenfilm.

Linderung für alle Formen des trockenen Auges

Präklinische In-vitro-Studien zeigen eine bis zu 3-fach höhere Feuchtigkeitsspeicherung im Vergleich zu 2 anderen Tränenersatzmitteln. Außerdem wurde auch die Gleitfähigkeit beim Blinzeln signifikant verbessert. So soll das freiverkäufliche Tränenersatzmittel Patienten mit allen Formen des trockenen Auges – vor allem auch Mischformen – Linderung zu verschaffen. Stefanie Hanke

Quelle: Pressegespräch „Volkskrankheit Trockenes Auge: Tränenfilmstabilisierung individuell und innovativ mit Systane® COMPLETE“ am 27. September und Frühstücks-Symposium „Das Trockene Auge – der Patient im Fokus“ am 28. September in Bonn im Rahmen des DOG-Kongresses. Veranstalter: Novartis.

1.
Schiffman RM, Walt JG, Jacobsen G, Doyle JJ, Lebovics G, Sumner W: Utility assessment among patients with dry eye disease. Ophthalmology. 2003; 110: 1412–9 CrossRef
2.
Stapleton F, Alves M, BunyaVY, et al.: TFOS DEWS II Epidemiology Report. OculSurf 2017; 15 (3): 334–65 CrossRef
3.
Craig JP, Nichols KK, Akpek EK, et al.: TFOS DEWS II Definition and Classification Report. Ocul Surf 2017; 15 (3): 276–83 CrossRef MEDLINE
4.
Willcox MDP, Argüeso P, Georgiev GA, et al.: TFOS DEWS II Tear Film Report. Ocul Surf 2017; 15 (3): 366–403 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Schiffman RM, Walt JG, Jacobsen G, Doyle JJ, Lebovics G, Sumner W: Utility assessment among patients with dry eye disease. Ophthalmology. 2003; 110: 1412–9 CrossRef
2.Stapleton F, Alves M, BunyaVY, et al.: TFOS DEWS II Epidemiology Report. OculSurf 2017; 15 (3): 334–65 CrossRef
3.Craig JP, Nichols KK, Akpek EK, et al.: TFOS DEWS II Definition and Classification Report. Ocul Surf 2017; 15 (3): 276–83 CrossRef MEDLINE
4. Willcox MDP, Argüeso P, Georgiev GA, et al.: TFOS DEWS II Tear Film Report. Ocul Surf 2017; 15 (3): 366–403 CrossRef MEDLINE PubMed Central

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Avatar #539999
klausenwächter
am Dienstag, 23. April 2019, 23:13

Sjögren-Syndrom mit schwieriger Orth%C3%B6grafie

https://flexikon.doccheck.com/de/Sj%C3%B6gren-Syndrom

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