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Rehabilitationssport (RS) ist eine von den Kostenträgern finanzierte Maßnahme zur Unterstützung der Wiedereingliederung und Selbsthilfe. Vorrangiges Ziel des Rehabilitationssport ist es, die eigene Verantwortlichkeit des Menschen für seine Gesundheit zu stärken und ihn zu einem langfristigen, selbstständigen Bewegungstraining durch weiteres Sporttreiben, beispielsweise in der bisherigen Gruppe oder im Rahmen eines anderen Angebots auf eigene Kosten, zu motivieren (1).

Wir sehen RS als Ergänzung und nicht als Alternative zu Rehabilitationsmaßnahmen und zur physiotherapeutischen Krankengymnastik. Alle Patienten haben daher, wie im Studienprotokoll beschrieben, eine ambulante beziehungsweise stationäre Rehabilitationsmaßnahme im Vorfeld absolviert. Auf die Wirksamkeit und die Inhalte der Rehabilitation sind wir, wie von Herrn Dr. Brons kritisiert, nicht eingegangen, weil dies nicht Inhalt unserer Fragestellung war.

Genau wie Kollege Krakor (2, 3) haben wir die Erfahrung im Arbeitsalltag gemacht, dass Patienten nach Hüft-Totalendoprothesen-Operation vom Reha-Sport durch eine verbesserte Motorik, einen aktiveren Lebensstil aber auch durch die soziale Einbindung in die Gruppe profitieren. Unsere Motivation zur Durchführung der Studie bestand darin, jene beobachteten Effekte auch in einer langfristigen, kontrollierten, prospektiven und randomisierten Studie nachzuweisen, da sich hier in der Literatur keine vergleichbaren Studien finden.

Auch wenn es uns nicht gelungen ist, zu zeigen, dass sich der primäre Endpunkt „Kraftfähigkeit der hüftumgreifenden Muskulatur“ ein Jahr nach dem Eingriff signifikant verbessert, stellten sich durchaus positive Trends in den sekundären Endpunkten der Studie dar. Beispielsweise verbesserte sich die gesundheitsbezogene Lebensqualität sechs Monate postoperativ signifikant und der WOMAC-Schmerz-Score sank ein Jahr nach der Operation. Die methodischen Limitierungen sind uns bewusst und sie wurden ausführlich in der Arbeit erläutert. Die Protokollverletzungen wurden, wie vom Kollegen Krakor kritisiert, nicht berücksichtigt, da die Auswertung nach ITT-Herangehensweise (ITT, Intention-to-treat-Analyse) erfolgte und die Behandlungsrealität widergespiegelt werden sollte.

Zusammenfassend sehen wir zum einen den Bedarf an weiteren prospektiven kontrollierten Studien, um unser Ergebnis belastbar zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen. Zum anderen scheint es aber, auch im Hinblick auf die derzeitigen gültigen Empfehlungen zur notwendigen körperlichen Bewegung (4), Optimierungsbedarf hinsichtlich der Trainingshäufigkeit zu geben. In weiteren Studien könnte beispielsweise untersucht werden, ob eine zweite wöchentliche Trainingseinheit, alternativ ein zusätzliches Heimübungsprogramm, die Effekte verstärken oder auch, wie sich Rehasport auf die langfristige Alltagsaktivität der Patienten über das erste postoperative Jahr hinaus auswirkt.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0298c

Für die Autoren

Dr. med. Heidrun Beck
OUC Uniklinikum Dresden, Sportmedizin
Heidrun.Beck@uniklinikum-dresden.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

1.
Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation: Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining vom 01. Januar 2011: www.bar-frankfurt.de/fileadmin/dateiliste/publikationen/empfehlungen/downloads/Rahmenvereinbarung_Rehasport_2011.pdf (last accessed on 6 February 2019).
2.
Krakor S, Steinacker T, Höltke V, Jakob E: Gelenksport-Sportgruppen – Auswirkungen sporttherapeutischer Maßnahmen bei Arthrose auf motorische Parameter und subjektives Gesundheitsempfinden In: Ferrauti A, Remmert H, eds.: Trainingswissenschaft im Freizeitsport. dvs-Band 157. Ed. Czwalina, Hamburg. 2006: 179–182.
3.
Krakor S, Höltke V, Steinacker T, Steuer M, Jakob E: Wer nimmt am Gesundheitssport teil? Zur subjektiven Gesundheitswahrnehmung von Teilnehmern an Gelenk-Sportkursen, Dtsch Z Sportmed 2005: 56: 298.
4.
ACSM: Quantity and quality of exercise for developing and maintaining cardiorespiratory, musculoskeletal, and neuromotor fitness in apparently healthy adults: guidance for prescribing exercise. Med Sci Sports Exerc 2011; 43: 1334–59 CrossRef MEDLINE
5.
Beck H, Beyer F, Gering F, et al.: Sports therapy interventions following total hip replacement—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 1–8 VOLLTEXT
1.Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation: Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining vom 01. Januar 2011: www.bar-frankfurt.de/fileadmin/dateiliste/publikationen/empfehlungen/downloads/Rahmenvereinbarung_Rehasport_2011.pdf (last accessed on 6 February 2019).
2.Krakor S, Steinacker T, Höltke V, Jakob E: Gelenksport-Sportgruppen – Auswirkungen sporttherapeutischer Maßnahmen bei Arthrose auf motorische Parameter und subjektives Gesundheitsempfinden In: Ferrauti A, Remmert H, eds.: Trainingswissenschaft im Freizeitsport. dvs-Band 157. Ed. Czwalina, Hamburg. 2006: 179–182.
3.Krakor S, Höltke V, Steinacker T, Steuer M, Jakob E: Wer nimmt am Gesundheitssport teil? Zur subjektiven Gesundheitswahrnehmung von Teilnehmern an Gelenk-Sportkursen, Dtsch Z Sportmed 2005: 56: 298.
4. ACSM: Quantity and quality of exercise for developing and maintaining cardiorespiratory, musculoskeletal, and neuromotor fitness in apparently healthy adults: guidance for prescribing exercise. Med Sci Sports Exerc 2011; 43: 1334–59 CrossRef MEDLINE
5.Beck H, Beyer F, Gering F, et al.: Sports therapy interventions following total hip replacement—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 1–8 VOLLTEXT

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