ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2019Kataraktchirurgie: Höhere Rate von Endophthalmitis bei Kombinationsoperationen des Grauen Stars

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kataraktchirurgie: Höhere Rate von Endophthalmitis bei Kombinationsoperationen des Grauen Stars

Dtsch Arztebl 2019; 116(17): A-848 / B-698 / C-686

Gerste, Ronald D.

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Die Kataraktchirurgie, die operative Entfernung der meist altersbedingt getrübten Augenlinse („Grauer Star“) ist die häufigste chirurgische Intervention in Deutschland; Schätzungen gehen von circa 900 000 dieser Eingriffe pro Jahr aus. Da bei älteren Patienten häufiger okuläre Komorbiditäten wie Glaukom, Hornhauterkrankungen oder pathologische Veränderungen am Augenhintergrund, zum Beispiel eine proliferative diabetische Retinopathie, vorliegen, wird eine anstehende Kataraktoperation teilweise zum Anlass genommen, im gleichen Eingriff auch das andere Problem anzugehen, also eine Kombinationsoperation durchzuführen. Die gefürchtetste Komplikation in der Kataraktchirurgie ist die postoperative Endophthalmitis, eine schwere, akut visusbedrohende Entzündung des Augeninneren.

Forscher in Frankreich haben mit- hilfe von „Big Data“, nämlich einer nationalen Datenbank medizinischer Diagnose-Codes, die Frage untersucht, ob die Häufigkeit dieser schweren Komplikation bei mit der Kataraktchirurgie kombinierten Eingriffen höher ist, als wenn der Graue Star in einer Stand-Alone-Operation behandelt wird. Die Endophthalmitisrate nach Kataraktchirurgie ist durch Verbesserungen wie Kleinschnitttechnik und oft auch einer intrakameralen Antibiose in den letzten Jahren weiter zurückgedrängt worden, in einer schwedischen Erhebung beispielsweise lag sie nur noch bei 0,029 %.

Die französische Analyse erfasste > 6,2 Millionen Augen mit Stand-Alone-Eingriffen zwischen 2005 und 2014 und circa 115 000 Kombinationsoperationen. Bei diesen war zusammen mit der Linse entweder die Hornhaut operiert, ein vitreoretinaler Eingriff oder eine augendrucksenkende OP zur Therapie eines Glaukoms vorgenommen worden.

Die Inzidenz der Endophthalmitis insgesamt lag bei 0,102 % bei der ausschließlichen Kataraktchirurgie und bei 0,149 % bei Kombinationsoperationen. Für die Kombinationsbehandlungen wurde ein um den Faktor 1,38 erhöhtes Endophthalmitisrisiko ermittelt (95-%- Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,11; 1,70]; p = 0,0054).

Es gab aber erhebliche Unterschiede je nach Art der zusätzlichen Intervention. Eine glaukomchirurgische Komponente ging nämlich mit einer geringeren Infektionsgefahr einher (Risikofaktor: 0,63 [0,47; 0,85]; p < 0,001). Dies war ein Unterschied zur Kombination mit einer Netzhaut-/Glaskörperoperation, die vergleichsweise häufiger mit einer Endophthalmitis assoziiert war (Risikofaktor: 1,78 [1,58; 2,01]; p < 0,001).

Fazit: „Die insgesamt vergleichsweise geringe Inzidenz eines kombinierten Eingriffs, egal ob antiglaukomatös oder vitreoretinal, spricht dafür, bei Bedarf die Therapie beider Erkrankungen in einer einzigen Sitzung vorzunehmen,“ meint Prof. Dr. med. Burkhard Dick, Direktor der Universitätsaugenklinik Bochum. „Der kombinierte Eingriff sollte nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt erwogen werden, Belastungen und gegebenenfalls Hospitalisierungen der mitunter älteren Patienten zu verringern.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Creuzot-Garcher CP, Mariet AS, Benzenine E, et al.: Is combined cataract surgery associated with acute postoperative endophthalmitis? A nationwide study from 2005 to 2014. Br J Ophthalmol 2019: 103:534–8.

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