ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2019Assistenzärzte sind unzufrieden

ÄRZTESTELLEN: Nachgefragt

Assistenzärzte sind unzufrieden

Dtsch Arztebl 2019; 116(17): [4]

Glöser, Sabine

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Foto: VadimGuzhva/stock.adobe.com
Foto: VadimGuzhva/stock.adobe.com

Die Assistenzärzte sind mit ihren Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern mehr als unzufrieden. Große Defizite sehen sie vor allem bei der Erfassung und Dokumentation ihrer Arbeitszeiten. So gibt etwa die Hälfte an, Arbeitszeiten würden nicht konsequent erfasst und Überstunden nicht entsprechend dokumentiert. Das jedenfalls ergab eine Umfrage des Hartmannbundes (HB) unter 1 437 Assistenzärztinnen und Assistenzärzten.

Weitere Ergebnisse: 75 Prozent der Befragten sind regelmäßig mit Situationen konfrontiert, auf die sie sich „nicht vorbereitet“ sehen. Viele haben dadurch bereits „patientengefährdende Fehler“ wahrgenommen. Nur jeder Vierte meint, genügend Zeit für seine Patienten zu haben. Zudem kritisieren 60 Prozent „ineffiziente Formen“ der Digitalisierung an ihrer Klinik. Vier von fünf Befragten beziffern den Anteil von Bürokratie an ihrer Arbeitszeit mit mehr als 50 Prozent.

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Darüber hinaus sehen die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte nach wie vor Defizite bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Rund 40 Prozent haben Schwierigkeiten, ihren Wunsch nach Teilzeit umzusetzen. Mangelnde Angebote an flexiblen Arbeitszeitmodellen oder fehlende Betreuungsangebote sind aus ihrer Sicht noch immer die größten Hindernisse für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Zwei Drittel der Befragten geben zudem an, ihre Arbeit wirke sich negativ auf ihr Privatleben und ihre Sozialkontakte aus. Jeder Fünfte befürchtet gesundheitliche Probleme.

„Wir sehen uns in erster Linie nicht in der Rolle des Anklägers, sondern wollen soweit es geht konstruktiv daran mitwirken, notwendige Veränderungen zu gestalten“, sagte Dr. Wenke Wichmann, Mitglied des Leitungsgremiums des Ausschusses der Assistenzärzte im HB. Allerdings sei es grundsätzlich inakzeptabel, wenn Arbeitgeber gesetzlich klar definierte Regelungen nicht einhielten. „In dieser Grauzone sind die Weiterbildungsassistenten meistens das schwächste Glied in der Kette und gezwungen, Regelverstöße mehr oder weniger hinzunehmen.“

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