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Dtsch Arztebl 2019; 116(17): A-850

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Strategiewechsel beim Management des Typ-2-Diabetes – Bisher hat nur ein orales Antidiabetikum zeigen können, dass es das Leben von Patienten mit Typ-2-Diabetes verlängert: der SGLT-2-Inhibitor Empagliflozin (Jardiance®, Boehringer Ingelheim). Eine Analyse auf Basis der Studie EMPA-REG OUTCOME liefert genauere Zahlen: Ein 45-Jähriger mit Typ-2-Diabetes und assoziierter Gefäßerkrankung gewinnt demnach im Mittel 4,5 Jahre, ein 60-Jähriger 2,5 Jahre, wenn er mit Empagliflozin behandelt wird (Circulation 2018; 138: 1599–1601).

Ein europäisch-amerikanischer Konsens der EASD und der ADA zum Prozedere beim Typ-2-Diabetes leite in mehrfacher Hinsicht einen Paradigmenwechsel ein, so Prof. Dr. med. Helmut Schühlen, Berlin. Zum einen soll der HbA1c-Zielwert nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Zum anderen wird eine stärkere Personalisierung der Therapie angestrebt. Konkret bedeutet das, zunächst zu prüfen, ob eine atherosklerotisch bedingte kardiovaskuläre Grunderkrankung oder eine chronische Nierenerkrankung vorliegt. Bei einer kardiovaskulären Grunderkrankung soll nach Metformin ein Antidiabetikum gewählt werden, dass einen nachgewiesenen kardiovaskulären Benefit bringt, also Empagliflozin oder das GLP-1-Analogon Liraglutid. Bei Herz- beziehungsweise Niereninsuffizienz erhält der SGLT-2-Hemmer den Vorzug, da er Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz verhindert und die Nierenfunktion langfristig stabilisiert. ara

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Quelle: „Innovation in der Diabetestherapie – Jardiance® richtungsweisend in seiner Diszi-plin“, Berlin, 2. April 2019;
Veranstalter: Boehringer Ingelheim

Cariprazin beeinflusst Positiv- und Negativsymptomatik – Während die Positivsymptomatik der Schizophrenie (Wahn, Halluzination, Denkstörung, Motorik) mit Antipsychotika gut zu beeinflussen ist, stellt die Negativsymptomatik eine therapeutische Herausforderung dar. Doch gerade diese Symptome tragen entscheidend zu Prognose und Verlauf der Erkrankung bei und beeinflussen die Lebensqualität der Patienten erheblich. Das atypische Antipsychotikum Cariprazin (Reagila®, Recordati Pharma) zeigte sich in einer Head-to-Head-Studie mit Risperidon signifikant überlegen bei der Verbesserung der Negativsymptomatik.

Beim psychosozialen Funktionsniveau schnitten mit Cariprazin behandelte Patienten ebenfalls deutlich besser ab. Wie Prof. Dr. med. Klaus-Christian Steinwachs, Nürnberg, berichtete, verbessere Cariprazin bei vielen Patienten die Stimmung, den Antrieb und die Motivation bis hin zur erneuten Arbeitsfähigkeit. Positiv wirkt sich auch das günstige Nebenwirkungsprofil aus. Verglichen mit anderen Antipsychotika treten unter Cariprazin weniger Gewichtszunahme, Sedation, kardiovaskuläre Nebenwirkungen und Hyperprolaktin-ämien auf. mha

Quelle: Pressekonferenz „Vom Hoffnungs- zum Leistungsträger – 1 Jahr Reagila® in der Schizophrenie-Therapie“, München, 4. April 2019; Veranstalter: Recordati Pharma

Transition bei ADHS – Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) ist eine der häufigsten psychischen Störungen. Kinder mit ADHS sind hyperaktiv, impulsiv, leicht ablenkbar und können sich schlecht konzentrieren, was wiederum für die weitere kognitive und emotionale Entwicklung ungünstig ist. Komorbide Symptome wie Depressivität, Angst oder mangelndes Selbstwertgefühl sind häufig und das Risiko für Störungen des Sozialverhaltens und Substanzmissbrauch sowie schulische Probleme ist erhöht. Im Laufe der Entwicklung kann sich die Symptomatik verändern.

Bis zu 80 % der Kinder mit ADHS zeigen auch als Erwachsene noch Symptome, ein Drittel sogar das Vollbild der Störung. Mit der Adoleszenz steigen neben den gesellschaftlichen Anforderungen auch die eigenen Erwartungen. Ungünstig, wenn in dieser vulnerablen Phase die Medikamente abgesetzt werden. Die Gründe für die niedrige Medikationsquote am Übergang ins Erwachsenenalter sind vielfältig – von der sinkenden Adhärenz in der Pubertät bis hin zu Lücken in der Versorgung.

An Konzepten für eine erfolgreiche Transition (geplant, geordnet, zielgerichtet) mangelt es nicht, wie Experten bei der 13th International Conference on ADHS in Berlin darlegten. Aber die Versorgungsstrukturen für Patienten im Übergang zum Erwachsenenalter müssten dringend weiter ausgebaut werden. rz

Quelle: 13th International Conference on ADHD „Translation, Transition & Transformation in ADHD“, Berlin, 23. März 2018; Veranstalter: Medice

HIV: Senkung der Viruslast mit 2-Drug-Regime möglich – Die beiden identischen Phase-III-Studien GEMINI-1 und GEMINI-2 verglichen die Wirksamkeit und Sicherheit von Dolutegravir (DTG,Tivicay®, ViiV) und Lamivudin (3TC, Epivir®, ViiV) mit der Dreifachkombination aus DTG + TDF/FTC (Tenofovir-Disoproxil-Fumarat/Emtricitabin) bei nicht vorbehandelten Patienten. Primärer Endpunkt war der Anteil an Patienten mit einer Viruslast < 50 Kopien/ml in Woche 48. Wie eine gepoolte Analyse ergab, erreichten diesen Endpunkt 91 % der Patienten unter DTG + 3TC verglichen mit 93 % unter DTG + TDF/FTC. Somit war das 2-Drug-Regime nicht unterlegen.

Subgruppenanalysen belegen für beide Regime einen gleichermaßen raschen Viruslastabfall und ein gutes virologisches Ansprechen. Unter den Patienten mit anfänglich hoher Viruslast (> 100 000 Kopien/ml) fand sich im 2-Drug-Regime ein numerisch höherer Anteil mit nicht detektierbarem Virus in Woche 48 (64 vs. 52 %). In beiden Behandlungsarmen entwickelte keiner der Patienten mit virologischem Versagen eine Behandlungsresistenz. Bislang unbekannte Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. mha

Quelle: 2-Drug Regimens: ART 2.0 – Up2date Tivicay + Lamivudin, 8. Münchner AIDS und Hepatitis Werkstatt; München, 30. März 2019; Veranstalter: ViiV Healthcare

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