ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2019Humira: AbbVie sorgt für Irritationen

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Humira: AbbVie sorgt für Irritationen

Dtsch Arztebl 2019; 116(17): A-822 / B-678 / C-666

Maybaum, Thorsten

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Mit Humira hat AbbVie allein in Deutschland pro Jahr fast eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Foto: dpa
Mit Humira hat AbbVie allein in Deutschland pro Jahr fast eine Milliarde Euro Umsatz erzielt. Foto: dpa

Im Oktober hatte Adalimumab (Humira) von AbbVie in Europa seinen Patentschutz verloren. Seitdem sind Biosimilars auf dem Markt, die zu einem Preissturz und zur Umstellung von Patienten führten. Das Unternehmen geht nun zweifelhafte Wege, um weitere Einbußen zu verhindern.

AbbVie Deutschland, Hersteller des Biologikums Adalimumab (Humira), versucht Ärzte offenbar davon abzuhalten, auf Humira eingestellte Patienten auf Biosimilars umzustellen. Das lässt sich den Informationen aus zwei Newslettern entnehmen, die dem Deutschen Ärzteblatt (DÄ) vorliegen. Bereits in der Betreffzeile der E-Mails heißt es, ein Austausch von Humira durch Adalimumab-Biosimilars sei nicht erlaubt. Die Informationen wurden am 18. Februar 2019 und am 18. März 2019 als Newsletter des „Rp. Instituts zur Sicherung der Arzneimittelverordnung“ auch an Ärzte versendet. Um für eine rechtliche Absicherung zu sorgen, taucht im Newslettertext zwar das Wort „Anzeige“ auf. Unten auf der zweiten Seite des Informationsblattes findet sich zudem die Information, dass die Angaben „mit freundlicher Unterstützung der AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG“ zustande gekommen sind.

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Kritik von Pro Biosimilars

Dass es sich um eine „Anzeige“ handelt, ist allerdings nicht zu erkennen, wenn nur die Betreffzeile der E-Mail zu lesen ist. Und auch in dem zweiseitigen Informationsblatt steht der Hinweis auf AbbVie erst im Kleingedruckten auf der zweiten Seite. Dafür titelt das Informationsblatt vorne in Großbuchstaben: „Humira: Kein Austausch durch Adalimumab-Biosimilars erlaubt“. Darüber hinaus folgt nach einer Erklärung über Biosimilars wiederholt der Hinweis, dass Humira nicht gegen Adalimumab-Biosimilars ausgetauscht werden dürfe.

Die Vorgehensweise von AbbVie hat die AG Pro Biosimilars auf den Plan gerufen. Sie hatte sich bereits am 20. März in einem Brief an das Unternehmen gerichtet. „Die Absicht ist offenkundig: Hier soll suggeriert werden, es sei Ärzten verboten, Humira durch eines der Adalimumab-Biosimilars zu ersetzen“, schreiben Dr. Stephan Eder, Vorsitzender von Pro Biosimilars, und Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Biosimilars. AbbVie verweist in dem Antwortschreiben vom 25. März darauf, dass in dem Newsletter inhaltlich die konkrete Umsetzung der Verordnungsentscheidung des Arztes in der Apotheke beschrieben werde.

Arzt fühlte sich verunsichert

Auf -Nachfrage erklärte AbbVie ebenfalls, es sei das Ziel des Newsletters gewesen, Informationen zu den geltenden deutschen Regelungen zur Substitution von Biologika in der Apotheke zur Verfügung zu stellen. „Diese legen ausdrücklich fest, dass nicht identische Biologika in der Apotheke nicht automatisch substituiert werden dürfen“, sagte ein AbbVie-Sprecher. Darüber sollte der Newsletter Ärzten eine „faktenbasierte Anleitung geben“.

Ein Arzt, der die Newsletter erhalten hat, erklärte dem , er sei verunsichert gewesen, obwohl er eigentlich gewusst habe, dass es keine Einschränkungen bezüglich eines Biosimilaraustausches für Humira auf Arztseite gebe. „Teure Medikamente, mögliche Regresse und alles, was dazugehört, ist für Ärzte ja durchaus ein Angstthema“, sagte der Mediziner, der nicht namentlich genannt werden wollte. Der Arzt betonte darüber hinaus, ihm sei der Hinweis auf die „Anzeige“ in den Newslettern zunächst nicht aufgefallen. Grundsätzlich halte er die Vorgehensweise für „unfair“, weil schon durch den Betreff potenzielle Ausweichmöglichkeiten als „No-Go“ klassifiziert worden seien. Am 16. Oktober hatte Adalimumab (Humira) von AbbVie in Europa seinen Patentschutz verloren. Allein in Deutschland erzielte das Unternehmen mit dem Biologikum, das vor allem bei rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommt, pro Jahr fast eine Milliarde Euro Umsatz. Mit dem Auslaufen des Patentschutzes war ein Preiswettkampf in Gang gesetzt worden. Innerhalb kurzer Zeit pendelten sich die Preise bei bis etwa 40 Prozent geringeren Kosten ein. Bereits fünf Wochen nach Markteintritt – das war im November des vergangenen Jahres – lag der Versorgungsanteil der Biosimilars von Adalimumab bereits bei 19,5 Prozent.

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