ArchivDeutsches Ärzteblatt17/2019Whistleblower: Hohe Regeln und Standards
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Aktuell wird von einer Million Toter jährlich durch inhaltlich fehlerhafte Arzneimittel weltweit berichtet. Es fehlt an ausreichend „Enthüllern“ bei diesen Pharma-Herstellern. Wie in der Autoindustrie, mit zu spät aufgedeckten Diesel-Manipulationen, braucht auch die Medizin ein geregeltes Meldesystem für Missstände und Fehlverhalten. Anlaufstellen mit klaren Regeln sind vor Ort einzurichten. Alle Beschäftigten sind darüber zu informieren. Aber warum Warten auf Entscheidungen des EU-Parlamentes?

Der Deutsche Hochschul-Verband (DHV) hat 2018 bei seiner Jahrestagung dazu eine Resolution für seine 30 000 Mitglieder – mehrheitlich Universitätsprofessoren – verabschiedet. „Unverzichtbarkeit von Whistleblowern“ zur Funktion der Selbstkontrolle in wissenschaftlichen Einrichtungen wird betont. Dortiges Fehlverhalten schadet der ganzen Wissenschaft. Dieser vertraut derzeit nur die Hälfte der Deutschen. Whistleblower haben hohe Standards und Regeln einzuhalten. Missstände und Fehlverhalten sind zuerst einer vertrauensvollen Anlaufstellung zu melden, die Anonymität garantiert. Das können Ombudsstellen oder weisungsunabhängige, fächerübergreifende Kommissionen an den jeweiligen Universitäten sein.

Ist das in „Profitcenter“-Zeiten auf klinische Einrichtungen ab einer gewissen Größe übertragbar? „Meldenswerte“ Beispiele wären regelmäßig durchgeführte diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die nicht im Patienteninteresse sind.

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Vertrauen in die Medizin determiniert wesentlich den Heilungserfolg ärztlicher Tätigkeit. Whisteblower-Missbrauch ist kaum zu erwarten. Denn regelmäßig ist betrieblich auf Risiken hinzuweisen. Falsche Anschuldigungen haben disziplinarrechtliche, arbeitsrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen. Damit wird Whistleblower-Funktion kaum leichtfertig und vorschnell bei Verdacht zum Einsatz kommen.

Zugleich sollte allen Mitarbeitern bewusst sein, dass zu spät aufgedeckte Missstände von größerem Ausmaß viele Arbeitsplätze gefährden. Selbstverschuldete Unterbelegung einer klinischen Einrichtung ist im Interesse aller zu vermeiden.

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