ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Applikation von Aktivkohle bei Vergiftungen

MEDIZIN: Übersichtsarbeit

Applikation von Aktivkohle bei Vergiftungen

The use of activated charcoal to treat intoxications

Dtsch Arztebl Int 2019; 116(18): 311-7; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0311

Zellner, Tobias; Prasa, Dagmar; Färber, Elke; Hoffmann-Walbeck, Petra; Genser, Dieter; Eyer, Florian

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Hintergrund: In Deutschland wurden im Jahr 2016 laut statistischem Bundesamt 178 425 Vergiftungsfälle im Krankenhaus behandelt. Die deutschsprachigen Giftinformationszentren berieten in diesem Zeitraum 268 787 Vergiftungsfälle, wobei in 4,37 % der Fälle die Gabe von Aktivkohle empfohlen wurde. Bei Vergiftungen spielt die Applikation von Aktivkohle als primäre und sekundäre Giftentfernung eine große Rolle. Dieser Beitrag gibt eine Übersicht über die Wirkungsweise, Indikation, Kontraindikationen, Arten der Applikation und Dosierungen der Aktivkohle.

Methode: Es erfolgte eine selektive Literaturrecherche in PubMed. Zudem wurde die Meinung von Experten der deutschsprachigen Giftinformationszentren in die Auswertung der Daten miteinbezogen.

Ergebnis: Die Indikation für eine Aktivkohlegabe ist eine vorliegende mittelschwere bis lebensbedrohliche Vergiftung. Die Applikation sollte frühestmöglich innerhalb einer Stunde, bei Retardpräparaten bis zu 6 Stunden nach Ingestion erfolgen. Zu den wichtigsten Kontraindikationen gehört eine Bewusstseinseintrübung mit Aspirationsgefahr ohne vorherige Sicherung der Atemwege. Bei einer Vergiftung mit Säuren/Laugen, Alkoholen, organischen Lösungsmitteln, anorganischen Salzen oder Metallen ist Aktivkohle nicht oder unzureichend wirksam. Als Dosierung sollte ein 10- bis 40-facher Überschuss zur Noxe oder 0,5–1 g/kg Körpergewicht bei Kindern oder 50 g bei Erwachsenen gewählt werden. Eine wiederholte Aktivkohlegabe ist bei Noxen mit langer Verweildauer im Magen, Retardpräparaten oder Noxen mit ausgeprägtem entero-hepatischen und/oder entero-enterischen Kreislauf indiziert. Eine routinemäßige Kombination mit einem Laxans ist nicht empfohlen.

Schlussfolgerung: Trotz einer hohen Prävalenz von Vergiftungen existiert keine international gültige Leitlinie zur Aktivkohlegabe. Die Applikation erfordert eine genaue Nutzen-Risiko-Analyse, dazu sollte ein Giftinformationszentrum kontaktiert werden.

LNSLNS

Vergiftungen sind ein häufiges Krankheitsbild mit unterschiedlichen Ätiologien und Noxen. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2016 in Deutschland 178 425 Vergiftungsfälle im Krankenhaus behandelt (1, 2). Häufig wird ein Giftinformationszentrum (GIZ) zur konsiliarisch-toxikologischen Beratung von medizinischem Fachpersonal (Rettungsdienst, niedergelassene Ärzte, Klinikärzte sowie Apotheker), aber auch von Bürgerinnen und Bürgern kontaktiert. Zur primären Giftentfernung einer potenziell schädigenden Substanz spielt die Indikationsstellung zur Gabe von Aktivkohle – auch als medizinische Kohle, Medizinalkohle oder Carbo medicinalis bekannt – eine große Rolle.

Aktivkohle wurde 2013 im US-amerikanischen Raum bei Vergiftungen im Kindesalter in 0,89 % der Vergiftungsfälle appliziert. Insgesamt wurde sie im gleichen Jahr bei circa 50 000 Patienten aller Altersgruppen empfohlen (3, 4). In allen deutschsprachigen GIZ wurde 2016 insgesamt bei 268 787 Vergiftungsfälle aller Altersgruppen beraten, dabei wurde in 4,37 % der Fälle die Gabe von Aktivkohle empfohlen. Aktivkohle wird von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel geführt (5). Die Mitführung im Rettungsdienst wird unter anderem in der „Antidota-Empfehlung für eine einheitliche Vorhaltung“ des Rettungsdienstausschusses Bayern angeraten (6). In der „Bremer Liste“ werden bei Vergiftungen für den Rettungsdienst fünf Substanzen zur Mitführung empfohlen, eine davon ist Aktivkohle (7). Aktivkohle kann von Laien ohne Verschreibung in Apotheken erworben und unter strenger Indikationsstellung nach Rücksprache mit einem GIZ appliziert werden (8).

Eine international gültige Leitlinie zur Aktivkohlegabe bei Vergiftungen existiert nicht. Die umfassendsten Arbeiten sind die Positionspapiere der American Academy of Clinical Toxicology (AACT) und der European Association of Poisons Centres and Clinical Toxicologists (EAPCCT) zum Thema „Single-dose activated charcoal“ von 1997 und 2005 (9, 10) und „Multi-dose activated charcoal in the treatment of acute poisoning“ von 1999 (11). Randomisierte kontrollierte Studien können bei Vergiftungen aus ethischen Bedenken kaum durchgeführt werden, daher stammen die Daten meist aus In-vitro-Studien, Tierversuchen, Studien mit freiwilligen Probanden, Fallberichten, klinischen Fallserien oder Beobachtungsstudien. Die einzigen groß angelegten Humanstudien zur Aktivkohlegabe stammen aus Entwicklungsländern, teils mit widersprüchlichen Resultaten (1214).

In dieser Übersichtsarbeit werden die Wirkungsweise, Indikationen und Kontraindikationen, Zeitfenster, Applikationsart und Nebenwirkungen einer Aktivkohlegabe erörtert.

Methode

In der Datenbank PubMed wurde mit den Suchbegriffen „activated charcoal + poisoning“ selektiv nach Publikationen recherchiert, die bis Oktober 2018 erschienen waren. Darüber hinaus floss die Meinung von Experten der Gesellschaft für Klinische Toxikologie (GfKT e.V., Fachgesellschaft der deutschsprachigen GIZ und Klinischen Toxikologen, www.klinitox.de) in die Auswertung der Daten ein.

Wirkungsweise

Aktivkohle adsorbiert an seiner Oberfläche viele Noxen – sowohl Arzneistoffe als auch pflanzliche oder chemische Noxen – und verhindert deren Resorption aus dem Magen-Darm-Trakt. Außerdem unterbricht sie als sekundäre Giftentfernungsmaßnahme einen potenziellen entero-hepatischen und/oder entero-enterischen Kreislauf (8, 15, 16). Die Bindungskapazität an die Noxe hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von

  • der Partikelgröße der Noxe
  • der Löslichkeit der Noxe
  • der Ionisierung der Noxe
  • dem pH-Wert der Noxe
  • der Füllung des Magens (1719).

Substanzen, die aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften nicht oder nur unzureichend von Aktivkohle adsorbiert werden, sind in Kasten 1 aufgelistet (4).

Indikation

Die Applikation von Aktivkohle sollte nur nach oraler Ingestion von Noxen erfolgen, die ausreichend an Kohle gebunden werden.

Vor der Gabe muss eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen (Grafik). Diese richtet sich nach der zu erwartenden Schwere der Vergiftung. Die Schwere einer Vergiftung wird nach dem Poisoning Severity Score (20) abgeschätzt. Dabei werden die Symptome für jedes vergiftungsrelevante Organsystem sowie den Säure-Basen-Haushalt nach Schwere bewertet (keine = 0, leichte = 1, mittelschwere = 2, schwere = 3, tödliche = 4 Symptome). Das am schwersten betroffene Organsystem definiert den Schweregrad (04). Bei einer leichten Intoxikation wird Aktivkohle nur im Ausnahmefall gegeben, das heißt, wenn sie sofort verfügbar ist und das Auftreten von unangenehmen Vergiftungssymptomen verhindert werden kann. Ab einer mittelschweren Intoxikation wird die Aktivkohlegabe unter Beachtung der Wirksamkeit und Kontraindikationen innerhalb des unten angegebenen Zeitraums zumeist empfohlen. Bei einer unbekannten Noxe (zum Beispiel Pflanzen oder Pilze) wird auch dann dazu geraten, Aktivkohle zu verabreichen, wenn die Möglichkeit einer schweren Vergiftung nicht ausgeschlossen werden kann und gleichzeitig kein erhöhtes Aspirationsrisiko besteht.

Entscheidungsfindung zur Aktivkohlegabe
Entscheidungsfindung zur Aktivkohlegabe
Grafik
Entscheidungsfindung zur Aktivkohlegabe

Applikation

Aktivkohle gibt es in Form von Kohlekompretten oder Pulver beziehungsweise Granulat. Im klinischen Bereich erscheint die Verwendung von Kohlepulver oder -granulat deutlich sinnvoller, da es in Dosen von 10 g bis 100 g verfügbar ist. Demgegenüber beinhalten Kohlekompretten jeweils nur 250 mg, sodass für einen ausreichenden Kohleüberschuss sehr viele Kompretten eingesetzt werden müssen. Um eine möglichst große Adsorptionsfläche zu erreichen (die Oberflache moderner Kohle-Granulatpräparationen beträgt bis zu 2 500–3 000 qm/g), müssen Kohlekompretten in Wasser suspendiert werden.

Aktivkohle kann in einer beliebigen Flüssigkeit aufgeschlämmt werden, bevorzugt in stillem Wasser. Bei Kindern sind auch andere Flüssigkeiten denkbar, hier bieten sich gesüßter Tee oder Fruchtsaft an, es wurden aber auch Joghurt oder Milch angewandt (2124). Außerdem ist bei Kindern die Aktivkohlegabe aus einem undurchsichtigen beziehungsweise umwickelten Gefäß mit Strohhalm sinnvoll. Prinzipiell ist zu berücksichtigen, dass auch die Suspensionsflüssigkeit an die Oberfläche der Aktivkohle bindet, und damit die freie Bindekapazität reduziert sein kann. Falls ein Patient die Aktivkohle nicht schlucken kann, ist eine Applikation via Magensonde möglich.

Einmalgabe – Zeitfenster, Indikation und Dosierung

Damit Aktivkohle zur primären Giftelimination wirken kann, muss sie in Kontakt mit der Noxe kommen. Aus diesem Grund muss sie zeitnah appliziert werden. Bei einer Gabe innerhalb der ersten ein bis zwei Stunden nach Ingestion ist von einer noch klinisch relevanten Adsorption auszugehen. In insgesamt 115 Studien mit freiwilligen Probanden wurde für 43 Medikamente (unter anderem Paracetamol, Salicylate) gezeigt, dass bei einer Aktivkohlegabe innerhalb von 30 Minuten nach Einnahme der untersuchten Substanzen deren Bioverfügbarkeit um durchschnittlich 69, 1 % gesenkt werden konnte, nach einer Stunde um 34, 4 % (9, 10).

Es gibt Einzelfälle, bei denen auch eine spätere Aktivkohlegabe sinnvoll sein kann. Hier sind Retardpräparate oder die Magen-Darm-Motilität hemmende Substanzen wie zum Beispiel Opiate, Salicylate oder Anticholinergika zu nennen. Auch bei einigen weiteren Medikamenten – typischerweise nichtpolare, lipophile Substanzen mit spätem Plasmamaximum und geringer endogener Clearance (zum Beispiel Amlodipin) – kann eine späte Aktivkohlegabe vorteilhaft sein (19). Verglichen mit cholinergen Arzneistoffen konnte allerdings in einer Metaanalyse von Freiwilligenstudien gegenüber anticholinergen Arzneistoffen keine bessere Wirkung bei verzögerter Aktivkohlegabe festgestellt werden (19).

Bei folgenden Arzneistoffen wurde die klinische Wirksamkeit einer späteren Aktivkohlegabe (deutlich nach einer Stunde) festgestellt:

  • Quetiapin in schnellfreisetzender Formulierung: Resorptionsverminderung um 35 % bei Aktivkohlegabe 0,5–6 h (Median 3 h) nach Ingestion (25)
  • Citalopram: selteneres Auftreten von QTc-Verlängerungen (4,2 % versus 11,2 %, relatives Risiko: 0,28) bei Aktivkohlegabe 0,5–6,25 h (Median 2 h) nach Ingestion (26)
  • Paracetamol: signifikant geringere Leberschädigung bei Aktivkohlegabe 4–16 h nach Ingestion bei gleichzeitiger Therapie mit Acetylcystein (27)
  • Promethazin: Senkung der Wahrscheinlichkeit eines Delirs um 20 % (absolute Risikoreduktion) bei Aktivkohlegabe innerhalb von 2 h und um 9 % bei Gabe innerhalb von 4 h nach Ingestion (28)

Bei Pilzen und schwer verdaulichen Pflanzenteilen mit verlängerter Magen-Darm-Passage wie zum Beispiel Eibennadeln erscheint eine protrahierte Aktivkohlegabe ebenfalls sinnvoll zu sein (Kasten 1).

Arzneistoffe/Noxen mit nachgewiesener beziehungsweise fehlender Adsorption an Aktivkohle
Arzneistoffe/Noxen mit nachgewiesener beziehungsweise fehlender Adsorption an Aktivkohle
Kasten 1
Arzneistoffe/Noxen mit nachgewiesener beziehungsweise fehlender Adsorption an Aktivkohle

Die Dosierung richtet sich entweder nach der Menge der eingenommenen Noxe – falls diese bekannt ist – oder orientiert sich am Körpergewicht (KG). Bei bekannter Noxenmenge sollte mindestens ein zehnfacher Überschluss an Aktivkohle zu der zu bindenden Noxe gegeben werden (29). Nach Jürgens et al. ist ein 40-facher Überschuss optimal (19). Dies ist nur bei Einnahme von Noxen im Milligramm-Bereich praktikabel, andernfalls beträgt die Dosis 0,5–1 g/kg KG, maximal 30–50 g. Üblicherweise werden bei Erwachsenen unabhängig vom Körpergewicht 50 g Aktivkohle als Einmaldosis empfohlen, in Ausnahmesituationen bis 100 g (Tabelle).

Repetitive Gabe – Zeitfenster, Indikation, Dosierung und Applikation

Eine repetitive Aktivkohlegabe hat zwei Effekte: Erstens werden Noxen primär auch in distalen Abschnitten des Gastrointestinaltrakts entfernt. Die wiederholte Gabe ist zudem bei Noxen wirksam, die länger im Magen verbleiben. Daher kann eine repetitive Aktivkohlegabe noch später als eine Stunde nach Ingestion begonnen werden. Genaue Empfehlungen zur protrahierten repetitiven Aktivkohlegabe existieren nicht, bei Dapson beispielsweise wurde sogar nach einer erst am fünften Tag begonnenen repetitiven Aktivkohlegabe eine beschleunigte Elimination beobachtet (11). Länger im Magen verweilende Noxen sind zum Beispiel bezoarbildende Medikamente wie Quetiapin in Retardformulierung oder Carbamazepin. Bei diesen Substanzen bildet sich eine dicht gepackte Masse aus unvollständig verdautem oder unverdautem Material (Bezoar). Auch Acetylsalicylsäure hat durch eine Ausfällung im sauren Mageninhalt unter Klumpenbildung und möglichem Pylorospasmus eine verlängerte Verweildauer. Im Einzelfall trifft das auch auf große Mengen anderer Retardpräparate zu.

Der zweite Effekt ist eine sekundäre Giftentfernung bei Wirkstoffen, die einen entero-hepatischen und/oder entero-enterischen Kreislauf durchlaufen, welche beide von Aktivkohle unterbrochen werden. Der Effekt im entero-enterischen Kreislauf wird „gastrointestinale Dialyse“ genannt. Hierbei fungiert die Darmwand als semipermeable Membran: Noxen können aus dem Blut von serosal nach mukosal an die Kohle im Darmlumen diffundieren. Diese Wirkstoffe haben in der Regel lange Halbwertszeiten, ein geringes Verteilungsvolumen und eine geringe Plasmaproteinbindung (11, 15, 16).

Die Effektivität der repetitiven Aktivkohlegabe ist bei schweren Vergiftungen mit Carbamazepin, Chinin, Dapson, Phenobarbital und Theophyllin zum Teil klinisch und/oder tierexperimentell nachgewiesen (11). Eine Besonderheit bei Theophyllin ist, dass Aktivkohle auch nach einer intravenösen Intoxikation mit Theophyllin wirksam ist (11). Ebenso besteht eine Wirkung bei Digitoxin und Digoxin, allerdings ist bei schweren Vergiftungen das Digitalis-Antitoxin die Therapie der ersten Wahl. Einen effektiven entero-hepatischen Kreislauf durchlaufen zum Beispiel Amatoxin und Colchicin. Bei Freiwilligenstudien wurde bei Amitriptylin, Dextropropoxyphen, Disopyramid, Nadolol, Phenylbutazon, Phenytoin, Piroxicam, Sotalol und Salicylaten eine Eliminationsbeschleunigung gezeigt. Dies galt auch für Oxcarbazepin und Lamotrigin (11, 30). Bei einigen Wirkstoffen könnte die Clearance der Noxe mit nachfolgender Ausscheidung über den Darm beschleunigt werden. Dies wurde in Studien für Citalopram (31) und Venlafaxin (32) beobachtet (Kasten 2).

Noxen mit Indikation zur repetitiven Aktivkohlegabe
Noxen mit Indikation zur repetitiven Aktivkohlegabe
Kasten 2
Noxen mit Indikation zur repetitiven Aktivkohlegabe

Bei repetitiver Aktivkohlegabe entspricht die Initialdosis der Menge der Einmaldosis. Dieser folgt eine wiederholte Gabe im Intervall von 1 – 2 – 4 Stunden in einer Dosis von 12,5 g/h bei Erwachsenen und 0,125 – 0,25 g/kg KG/h bei Kindern (11) (Tabelle). Auf eine Regurgitation ist zu achten; gegebenenfalls muss die Dosis reduziert oder das Dosisintervall verlängert werden. Eine Kombination mit Prokinetika, zum Beispiel Metoclopramid intravenös, ist unter Beachtung der Kontraindikationen möglich, ebenso ist das Legen einer Magensonde zu erwägen.

Dosierung und Applikation von Aktivkohle
Dosierung und Applikation von Aktivkohle
Tabelle
Dosierung und Applikation von Aktivkohle

Die Dauer der Aktivkohlegabe richtet sich nach dem Plasmaspiegel der Noxe und/oder der klinischen Besserung. Bei einer Orientierung am Plasmaspiegel sollte dieser vor Beenden der Aktivkohlegabe nahe dem therapeutischen Bereich liegen. Üblicherweise ist eine Gabe nicht länger als 24 h, in Ausnahmefällen bis zu 48 h notwendig.

Bei der repetitiven Aktivkohlegabe muss auf die Darmmotilität geachtet werden. Ebenfalls muss der Elektrolyt- und Wasserhaushalt kontrolliert werden. Eine wiederholte Messung des Plasmaspiegels der Noxe ist – falls möglich – sinnvoll. Vor der nächsten Aktivkohlegabe muss die Magenentleerung kontrolliert werden: Falls eine Magensonde gelegt wurde, wird der Rücklauf in einen geschlossenen Beutel überprüft oder die Sonde mit einer Spritze abgesaugt. Bei einer großen Restkohlemenge oder einem Reflux > 80–100 mL wird die Restkohle entfernt, eine weitere Aktivkohlegabe sollte vorsichtig oder später durchgeführt werden.

Kontraindikationen

Voraussetzungen für die Gabe von Aktivkohle ist ein kooperativer Patient. Kontraindiziert ist die Gabe bei bewusstseinsgetrübten Patienten ohne ausreichende Schluckreflexe und hoher Aspirationsgefahr. Dies gilt auch bei einer drohenden schweren Intoxikation, bei der eine rasche Bewusstseinseintrübung zu erwarten ist und bei Noxen mit hohem Aspirationsrisiko wie zum Beispiel Benzin oder Lampenöl. Jeweils müssen zuerst die Atemwege via Intubation gesichert werden, danach kann Aktivkohle über eine Magensonde appliziert werden. Weitere Kontraindikationen sind

  • unmittelbar drohende zerebrale Krampfanfälle
  • Schluckstörungen
  • eine (auch anamnestisch) bekannte gestörte Magen-Darm-Passage
  • Verletzungen, Blutungen, Verätzungen und/oder eine (auch vermutete) Perforation im Gastrointestinaltrakt (9).

Bei rezidivierendem Erbrechen wird von einer Aktivkohlegabe abgeraten. Nach nur einmaligem und ohne medikamentöse Intervention sistierendem Erbrechen kann Aktivkohle in der Regel appliziert werden (Kasten 3).

Kontraindikationen für eine Aktivkohlegabe
Kontraindikationen für eine Aktivkohlegabe
Kasten 3
Kontraindikationen für eine Aktivkohlegabe

Bei einer geplanten Magenspiegelung, beispielsweise zur Bergung von Noxen, sollte Aktivkohle erst nach der Spiegelung über den Arbeitskanal des Gastroskops oder via Magensonde appliziert werden.

Aktivkohle kann von medizinischen Laien nach Rücksprache mit einem GIZ gegeben werden. Dadurch dürfen sich allerdings ein notwendiger Transport ins Krankenhaus oder andere Elementarmaßnahmen zur Stabilisierung der Vitalfunktionen nicht verzögern (8). Eine Aktivkohlegabe gegen den ausdrücklichen Patienten- oder Kinderwillen ist nicht gerechtfertigt, außer es handelt sich um eine lebensbedrohliche Vergiftung. Im Falle eines lebensbedrohlichen Suizidversuchs wäre eine forcierte Aktivkohlegabe via Magensonde auch gegen den Willen des Patienten denkbar.

Kombination mit einem Laxans

Die routinemäßige und simultane Verabreichung eines Laxans (zum Beispiel Glaubersalz) war lange Zeit üblich, wird aber inzwischen nicht mehr empfohlen (33). Im Einzelfall kann nach Ingestion einer die Magen-Darm-Motorik verlangsamenden Substanz ein Laxans gegeben werden. Bei Obstipation ist dies ebenfalls möglich, eventuell nach vorheriger medikamentöser Darmstimulation. Eine Polyethylenglykol-Elektrolytlösung sollte nicht simultan, sondern zeitversetzt (üblicherweise mit 2 h Abstand) zur Aktivkohle verabreicht werden, da diese sonst an die Aktivkohle bindet und deren Adsorptionsfähigkeit herabsetzt.

Bei wiederholter Aktivkohlegabe besteht ebenfalls keine routinemäßige Empfehlung zur Verabreichung von Laxantien (33). Bei Retard-Präparaten oder reduzierter Magen-Darm-Motilität kann eine Laxans-Gabe erwogen werden. Dies sollte aber nach Rücksprache mit einem GIZ erfolgen.

Nebenwirkungen und Komplikationen

Nebenwirkungen der Aktivkohlegabe bei Vergiftung sind wegen der höher als üblichen Dosierung kaum zu ermitteln. Bei regulärer Anwendung sind häufige Nebenwirkungen Erbrechen, Obstipation, Diarrhö, Übelkeit, Stuhldrang und Analreizung. Es gibt einzelne Berichte – alle in Verbindung mit der repetitiven Gabe hoher Aktivkohle-Dosen – über Dünndarm-(Pseudo)-Verschlüsse, die eine chirurgische Intervention erforderten, und Kohle-Sterkolithen mit Perforation einer Sigmaschlinge (34).

Eine seltene, aber schwere Komplikation ist die Kohleaspiration mit einem folgenden Lungenversagen, das tödlich enden kann. Allerdings existieren hierzu nur vereinzelte Fallberichte (9, 35, 36).

Weiteres Procedere

Nach Applikation von Aktivkohle sollte der Patient je nach Schweregrad der Vergiftung zu Hause oder in der Klinik weiter beobachtet werden. Nach dem ersten Abführen von Kohle kann man in der Regel damit rechnen, dass keine neuen Symptome auftreten werden – außer bei Bezoar-bildenden Wirkstoffen; hier ist eine längere Überwachungszeit notwendig. Nach Abklingen aller zu diesem Zeitpunkt noch existierenden Symptome kann von einer erfolgreichen Behandlung der Vergiftung ausgegangen werden. In jedem Fall müssen Patienten nach suizidal-intendierter Giftaufnahme psychiatrisch evaluiert werden.

Resümee

Aktivkohle ist bei mittelschweren bis schweren Vergiftungen zur primären Giftentfernung indiziert. Die Gabe sollte möglichst schnell (in der Regel innerhalb der ersten 30–60 min) erfolgen, der Patient muss hierzu wach und kooperativ sein. Die wichtigste Kontraindikation ist ein bewusstseinsgetrübter Patient mit fehlendem Schluckreflex. Zudem muss die Noxe ausreichend an Aktivkohle binden. Dies trifft bei Säuren/Laugen, Alkoholen, Glykolen, organischen Lösungsmitteln oder Metallen nicht zu. Üblicherweise liegt die Dosis beim Erwachsenen bei 50 g, bei Kindern wird sie an das Körpergewicht angepasst (0,5–1 g/kg KG). Bei einigen Noxen ist eine wiederholte Aktivkohlegabe sinnvoll. In der Regel sollte kein zusätzliches Laxans verabreicht werden.

Durch die breite Anwendung und dem potenziell schmalen Zeitfenster der wirksamen Applikation sollten sich Ärztinnen und Ärzte mit den Grundprinzipien der Aktivkohlegabe auseinandersetzen und diese, falls sinnvoll, bevorraten. Dies gilt insbesondere für Hausärztinnen und -ärzte, Kinderärztinnen und -ärzte sowie das Personal von Rettungs- beziehungsweise Notarztwagen. Eine Empfehlung zur Bevorratung für Haushalte mit Kindern, Einrichtungen mit Kinderbetreuung (zum Beispiel Kindertagesstätte, Hort, Schule) und Behinderten- und Seniorenheime sollte diskutiert werden und wird von den Autoren dieser Übersichtsarbeit und den Experten der GIZ als sinnvoll erachtet (8).

Vor einer Aktivkohlegabe durch medizinische Laien sollte immer eine Ärztin/ein Arzt vor Ort oder ein GIZ kontaktiert werden, um die Indikation und genaue Vorgehensweise zu klären.

Danksagung
Wir bedanken uns bei der Arbeitsgruppe I der Gesellschaft für Klinische Toxikologie für die Erarbeitung des Konsensuspapiers „Gabe von Aktivkohle bei Vergiftungen – Konsensuspapier der deutschsprachigen Giftinformationszentren“, welches die Grundlage für diese Arbeit ist.

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 18. 12. 2018, revidierte Fassung angenommen: 26. 03. 2019

Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Tobias Zellner
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Abteilung für Klinische Toxikologie & Giftnotruf München
Klinikum rechts der Isar
Fakultät für Medizin
Technische Universität München
Ismaningerstraße 22
81675 München
tobias.zellner@tum.de

Zitierweise
Zellner T, Prasa D, Färber E, Hoffmann-Walbeck P, Genser D, Eyer F: The use of activated charcoal to treat intoxications. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 311–7. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0311

►Die englische Version des Artikels ist online abrufbar unter:
www.aerzteblatt-international.de

Zusatzmaterial
Mit „e“ gekennzeichnete Literatur:
www.aerzteblatt.de/lit1819 oder über QR-Code

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Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Klinische Toxikologie & Giftnotruf München, Klinikum rechts der Isar, Fakultät für Medizin, Technische Universität München: Dr. med. Tobias Zellner, Prof. Dr. med. Florian Eyer
Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Erfurt: Dr. rer. nat. Dagmar Prasa
Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und
Schleswig-Holstein (GIZ-Nord), Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität Göttingen: Dr. med. Elke Färber
Giftnotruf Berlin, Charité, Universitätsmedizin Berlin: Dr. med. Petra Hoffmann-Walbeck
Vergiftungsinformationszentrale Wien, Gesundheit Österreich GmbH:
Dr. med. Dr. rer. nat. Dieter Genser
Entscheidungsfindung zur Aktivkohlegabe
Entscheidungsfindung zur Aktivkohlegabe
Grafik
Entscheidungsfindung zur Aktivkohlegabe
Arzneistoffe/Noxen mit nachgewiesener beziehungsweise fehlender Adsorption an Aktivkohle
Arzneistoffe/Noxen mit nachgewiesener beziehungsweise fehlender Adsorption an Aktivkohle
Kasten 1
Arzneistoffe/Noxen mit nachgewiesener beziehungsweise fehlender Adsorption an Aktivkohle
Noxen mit Indikation zur repetitiven Aktivkohlegabe
Noxen mit Indikation zur repetitiven Aktivkohlegabe
Kasten 2
Noxen mit Indikation zur repetitiven Aktivkohlegabe
Kontraindikationen für eine Aktivkohlegabe
Kontraindikationen für eine Aktivkohlegabe
Kasten 3
Kontraindikationen für eine Aktivkohlegabe
Dosierung und Applikation von Aktivkohle
Dosierung und Applikation von Aktivkohle
Tabelle
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