ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Organspende: Neue Entscheidungshilfe bei intensivmedizinischem Behandlungsbedarf

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Organspende: Neue Entscheidungshilfe bei intensivmedizinischem Behandlungsbedarf

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-912 / B-752 / C-740

Hillienhof, Arne

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Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat ein Positionspapier erarbeitet, um Ärztinnen und Ärzte beim Thema Organspende und erweitertem intensivmedizinischen Behandlungsbedarf zu unterstützen.

Die Handlungsempfehlungen widmen sich dem Umgang mit der Begleitung am Lebensende sowie der Behandlung zum Schutz der Organe. Foto: picture alliance
Die Handlungsempfehlungen widmen sich dem Umgang mit der Begleitung am Lebensende sowie der Behandlung zum Schutz der Organe. Foto: picture alliance

Konflikte treten der DIVI zufolge dann auf, wenn Organfunktionen eines verstorbenen Patienten intensivmedizinisch aufrechterhalten werden, dies dem Verstorbenen aber nicht mehr nützt. Anders formuliert geht es um die Entscheidung zwischen einer Therapiebegrenzung samt Zulassen des Sterbens auf der einen oder einer Therapieausweitung zur Erhaltung der Organe für die Organspende auf der anderen Seite.

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Für die Entscheidung sind laut den Intensivmedizinern fünf Fragestellungen entscheidend: Liegt ein nachgewiesener, vermuteter oder erwarteter irreversibler Hirnfunktionsausfall vor? Äußerte der Patient einen Organspendewunsch? Erklärte der Patient seinen Willen zur Therapiebegrenzung? Wie hoch ist die Eingriffsintensität der erweiterten Behandlungsmaßnahmen? Wie wahrscheinlich ist der Erfolg einer organprotektiven Therapie?

Auf Basis dieser Dimensionen können Ärzte beziehungsweise das Behandlungsteam laut der DIVI in der Gesamtbewertung eine reflektierte Entscheidung finden. „Befinden sich alle Ausprägungsgrade in den äußeren Segmenten des von uns entwickelten Netzdiagramms, erscheint eine Fortführung oder Erweiterung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Realisierung einer Organspende ethisch gerechtfertigt, wenn nicht sogar geboten“, erläutert DIVI-Präsident Prof. Dr. med. Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. Andersherum könne bei einem ausdrücklichen Patientenwillen zur Therapiebegrenzung im Zusammenspiel mit den anderen Dimensionen auch ein Sterben des Patienten leichter zugelassen werden, so Janssen. Für einen begründeten Konsens im Sinne aller Beteiligten empfiehlt die Fachgesellschaft darüber hinaus, juristische Stellvertreter und Angehörige einzubeziehen. hil

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