ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019CME und Sponsoring: Natur der Sache
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... Sicherlich sind viele der vorgetragenen Bedenken und Argumente berechtigt, meines Erachtens liegen diese Probleme aber grundsätzlich in der „Natur der Sache“ und treffen letztlich für viele andere Konstellationen in gleicher Weise zu. Wie verhält es sich mit der Unabhängigkeit der Referenten z. B. aus einem überregionalen Herzzentrum, wenn sie (unabhängig von Industriesponsoring) über neue Therapieverfahren an ihrer Klinik referieren? Ist ein niedergelassener Facharzt für Kardiologie unabhängig von Interessen, wenn er die Vorteile der Spiroergometrie in der kardiologischen Leistungsbeurteilung erläutert und er selbst vielleicht der einzige Facharzt in der Region mit diesem Angebot ist? Internationale Leitlinien werden zunehmend kritisiert, weil die beteiligten Autoren mit der Industrie in Verbindung gebracht werden und ihnen damit fast schon automatisch unterstellt wird, die vorhandenen Daten einseitig zugunsten des Sponsors „umzuinterpretieren“. Demgegenüber stehen oftmals konträre Empfehlungen von vermeintlich industrieunabhängigen Vertretern, die über viele Jahre noch vermeintlich kostengünstigere Therapien mit „bewährten“ Präparaten verteidigen, deren Zulassung vor Jahrzehnten ohne jegliche randomisierte Studie erfolgt ist, welche den heutigen Anforderungen in keiner Weise mehr genügen würden. Auch hier werden Interessen verteidigt (manchmal die Interessen der Kostenträger), und auch hier sind nicht alle Meinungen „objektiv“. ...

Seit meinem zweiten Assistenzarztjahr hatte ich das Glück, die Entwicklung der kardialen Resynchronisationstherapie für ausgewählte Patienten mit Herzinsuffizienz von Beginn an aktiv mitverfolgen zu können. Von Beginn an war dies ein Projekt der Schrittmacherfirmen und wäre ohne eine Gewinnerwartung dieser Firmen nie etabliert worden. Auch hier gab es in den ersten Jahren eine erhebliche Skepsis gegenüber der beteiligten Industrie und gegenüber den beteiligten Wissenschaftlern, interessanterweise insbesondere auch aus dem Lager der „pharmazeutisch“ geprägten Kollegen. Wir haben an industriegesponserten Studien teilgenommen, sind auf Kosten der Industrie zu Kongressen gefahren, um unsere Ergebnisse zu präsentieren, und ich habe auch zahlreiche honorierte Vorträge zu dem Thema „CRT“ gehalten. Viele davon bei Trainingsworkshops direkt bei den Medizintechnikfirmen. Ja, auch hier gab es eine Zeit, in welcher versucht wurde, die Indikation unangemessen auszuweiten, sicherlich auch um die Umsätze zu steigern. Die wissenschaftliche Seite hat diesen Bestrebungen jedoch erfolgreich widerstanden und die Indikationsstellung wieder auf ein vernünftiges und wissenschaftlich gut belegtes Maß reduziert. Ohne die starke finanzielle Unterstützung der Industrie wären wir sicher nicht so weit und unseren Patienten wäre eine (im geeigneten Idealfall) extrem effektive Therapie vorenthalten worden. Ich persönlich durfte mit zahlreichen Vorträgen zur kardiologischen Bildgebung dazu beitragen, dass zahlreiche Kardiologen darin geschult wurden, die geeigneten Patienten überhaupt erst zu identifizieren und nach der Implantation die Therapie zu steuern und zu kontrollieren. Es wäre sehr schade und nach meinem persönlichen Empfinden unangemessen gewesen, wenn es für meine Vorträge keine Fortbildungspunkte gegeben hätte – wer hätte diese Information sonst weitergegeben? Vermutlich niemand!

PD Dr. med. Ole-A. Breithardt, 34130 Kassel

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