ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Abschätzung des kardiovaskulären Risikos: Der amerikanische ASCVD-Score ist auch für die deutsche Bevölkerung gut geeignet

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Abschätzung des kardiovaskulären Risikos: Der amerikanische ASCVD-Score ist auch für die deutsche Bevölkerung gut geeignet

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-898 / B-741 / C-729

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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Für die Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse gibt es Scoring-Systeme. Sie berechnen zum Beispiel das individuelle Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erleiden. In Deutschland werden vor allem ARRIBA, PROCAM und der ESC-Heart-Score (ESC-HS) verwendet.

In den USA wurde vor einigen Jahren ein neuer Risikoscore für die US-Bevölkerung entwickelt, der ASCVD-(Atherosclerotic Cardiovascular Disease)Risikoscore (1). Die Entwicklung basierte auf Daten von fast 25 000 Personen aus verschiedenen US-amerikanischen Kohorten mit einem Follow-up von mindestens 10 Jahren.

Wissenschaftler des Mannheimer Instituts für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin und der Universitätsmedizin Mannheim haben den ASCVD-Risikoscore und 9 der in Deutschland und Europa häufig verwendeten Risikorechner miteinander verglichen.

Um Spezifitäten und Sensitivitäten der Scores für eine deutsche Kohorte zu evaluieren, wurden Daten von 4 044 Teilnehmern der DETECT-Studie ohne Diabetes zu Studienbeginn verwendet. Von dieser deutschen Vergleichskohorte wurden die Raten tödlicher und nicht tödlicher kardio- und zerebrovaskulärer Ereignisse nach 10 Jahren berechnet und mit den Ereignisraten verglichen. Die Aussagekraft der Risikoscores für Deutschland wurde auf Basis der Daten aus der DETECT-Kohorte bewertet.

Der ASCVD, der Framingham-Risk-Score-CVD, der ARRIBA und der ESC-HS hatten im Durchschnitt die höchsten Sensitivitäten (74–84 %) und die höchsten Spezifitäten (64–69 %), was stark von den gesetzten Risikoschwellen abhängig ist.

Der ASCVD berücksichtigt sowohl schwere nicht tödliche Ereignisse, als auch Tod. Die Vorhersage ist beim ASCVD im Unterschied zu anderen Scores für Menschen mit sehr unterschiedlichen Risiken stabil. So liegt zum Beispiel beim Risiko für ein schwerwiegendes Ereignis oder Tod von 10 % in 10 Jahren die Sensitivität des ASCVD bei 80 % und die Spezifität bei 70 %.

Der ARRIBA-Score überschätzt deutlich die tatsächlichen Risiken im mittleren und hohen Risikobereich, und der ESC-HS bestimmt im Gegensatz zu allen anderen Scores nur die kardiovaskuläre Mortalität.

Fazit: Der ASCVD-Score ist zur Berechnung des Risikos tödlicher und nicht tödlicher kardio- und zerebrovaskulärer Ereignisse auch für die deutsche Bevölkerung sehr gut kalibriert und liefert zuverlässige Ergebnisse, folgern die Autoren. Sie empfehlen, den ASCVD auch in Deutschland anzuwenden.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. http://daebl.de/PZ45.
  2. Grammer TB, Dressel A, Gergei I, et al.: Cardiovascular risk algorithms in primary care: Results from the DETECT study. Nature Scientific Reports 2019.
    http://daebl.de/AQ29.

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