ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Magnetresonanztomografie: Herzfehler pränatal mithilfe hochauflösender Bildgebung erkennen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Magnetresonanztomografie: Herzfehler pränatal mithilfe hochauflösender Bildgebung erkennen

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-899 / B-742 / C-730

Meyer, Rüdiger

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Foto: Kings Collage London
Foto: Kings Collage London

Eine neuartige 3-D-Darstellung des fetalen Herzens und der angrenzenden Gefäße in der Magnetresonanztomografie (MRT), die von Bewegungsartefakten befreit wurde, kann offenbar die Diagnostik von Herzfehlern verbessern (1).

Die Ultraschalldiagnostik fetaler Herzfehler hat durch eine rechtzeitige Therapieplanung schon vielen Kindern das Leben gerettet. Die pränatale Echokardiografie stößt jedoch an Grenzen, etwa bei einem Fruchtwassermangel, fortgeschrittenem Gestationsalter, ungünstiger Lage des Feten oder bei Adipositas der Mutter. Das MRT war jedoch bislang wegen des sich kontrahierenden Herzmuskels limitiert in seiner Aussagekraft. Dank moderner Software lassen sich Bewegungsartefakte heute weitgehend eliminieren. Daher haben Forscher vom King’s College London die neue Technik mit einem 1,5-Tesla-MRT an 85 Schwangeren erprobt (24.–36. Schwangerschaftswoche). Zuvor war im Ultraschall ein fetaler Herzfehler gefunden worden.

Fazit: Die Software generierte jeweils 3-D-Thoraxbilder (Auflösung von 0,50–0,75 mm). Damit ließen sich auch Herz und angrenzende Gefäßstrukturen darstellen. Die Untersucher, denen die Ergebnisse beider Untersuchungen vorlagen, stuften die diagnostische Qualität des 3-D-MRT in 90 % der Fälle als im Vergleich zu Sonografie besser ein.

In 10 Fällen ließ das MRT anatomische Strukturen erkennen, die im Ultraschall nicht gesehen wurden, darunter 4 Anomalien am Abgang der linken Subclavia vom Aortenbogen. Bei 3 Kindern verlief die Vena brachiocephalica (V. innominata) hinter der Aorta, 2 hatten einen doppelten Aortenbogen und bei einem Kind war die Vena cava superior 2-fach vorhanden. Die Pränatalmediziner am King’s College, die jährlich etwa 400 Kinder mit Herzfehlern untersuchen, wollen die neue Technik jetzt schon in die Regelversorgung integrieren. Rüdiger Meyer

Lloyd D, et al.: Three-dimensional visualisation of the fetal heart using prenatal MRI with motion-corrected slice-volume registration: a prospective, single-centre cohort study. The Lancet 22. März 2019 http://daebl.de/UM55.

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