ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Herzgesundheit von Sportlern: Auch bei leicht verkalkten Koronararterien sollten Maximalsportler weiter trainieren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzgesundheit von Sportlern: Auch bei leicht verkalkten Koronararterien sollten Maximalsportler weiter trainieren

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-897 / B-740 / C-728

Gerste, Ronald D.

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Foto: mauritius Images
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Wenig körperliche Aktivität, meist kombiniert mit falscher und zu energiereicher Ernährung, ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für erhöhte kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität. Aber auch exzessiver Sport kann nachteilige Folgen für die Herzgesundheit haben: Es werden immer wieder subklinisch verlaufende koronare Arterienverkalkungen (Coronary Artery Calcification; CAC) bei Extremsportlern dokumentiert, unter anderem durch Mechanismen wie die Freisetzung von kardialem Troponin und natriuretischen Peptiden aus dem Gehirn.

Für diesen Befund bei Menschen, die maximalen Ausdauersport – etwa auf dem Level von Marathonläufern – betreiben, ist der Begriff „Hearts of Stone“ geprägt worden. In der über lange Zeiträume konzipierten prospektiven Cooper Center Longitudinal Study (CCLS) ist evaluiert worden, ob die erhöhte Prävalenz von CAC bei den Extremsportlern mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Das Ergebnis kommt einer Art „Freispruch“ der massiven physischen Aktivität aus kardiologischer Sicht gleich.

Das Studienkollektiv bestand aus 21 759 im Großen und Ganzen gesunden Männern (Durchschnittsalter: 51 Jahre), die durchschnittlich 10,8 Jahre beobachtet wurden. Bei der Auswertung wurde zwischen unterschiedlicher körperlicher Aktivität differenziert mit der Einheit „Metabolic Equivalents of Task“ (MET-)Minuten pro Woche.

Circa 500 MET-Minuten pro Woche entsprechen den Empfehlungen für sportliche Betätigung zur Gesundheitsvorsorge. Die Gruppe mit der höchsten Aktivität in der Studie hatte > 3 000 MET-Minuten pro Woche, entsprechend einer täglichen Laufleistung von 6,5 km bei anspruchsvoller Geschwindigkeit. Zu diesen exzessiv Sporttreibenden gehörten mit 1 129 nur 5,1 % der Studienteilnehmer.

Eine CAC von ≥ 100 AU (Agatston Units) hatten 8,5 %, und zwar sowohl in der Gruppe mit > 3 000 MET-Minuten pro Woche, als auch in jener mit < 1 500 MET-Minuten pro Woche. Das Mortalitätsrisiko der Spitzensportler mit einer CAC von ≥ 100 AU war gegenüber den weniger aktiven mit vergleichbarem Koronarbefund nicht erhöht (Hazard Ratio [HR]: 0,77; 95-%-Konfidenzinterval [95-%-KI] [0,52; 1,15]). Beim Vergleich der Teilnehmer mit geringerer Koronarkalzifizierung (< 100 AU) hatten die massiv Sporttreibenden gegenüber jenen mit < 1 500 MET-Minuten pro Woche sogar ein um circa 50 % geringeres Mortalitätsrisiko (HR: 0,52; [0,29; 0,91]).

Fazit: „Die Studie bestätigt an einem großen Probandenkollektiv, dass auch ausgeprägte sportliche Aktivität nicht zur Häufung einer subklinisch verlaufenden Arterienverkalkung führt und auch nicht zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II am Marien Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Ist die koronare Arterienverkalkung mit < 100 AU gering ausgeprägt, senkt maximale sportliche Betätigung sogar das Mortalitätsrisiko deutlich.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

DeFina LF, Radford NB, Barlow CE, et al.: Association of all-cause and cardiovascular mortality with high levels of physical activity and concurrent coronary artery calcification. JAMA Cardiol 2019; 4: 174–81.

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