ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Sektorenübergreifende Versorgung: Arztbriefe aus dem Krankenhaus häufig unverständlich

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Sektorenübergreifende Versorgung: Arztbriefe aus dem Krankenhaus häufig unverständlich

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-872 / B-720 / C-708

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Ärztliche Entlassbriefe dürfen nach Ansicht der Forscher keinen Spielraum für Interpretationen geben. Foto: dpa
Ärztliche Entlassbriefe dürfen nach Ansicht der Forscher keinen Spielraum für Interpretationen geben. Foto: dpa

Arztbriefe aus dem Krankenhaus über Zustand und Therapie von Patienten bereiten vielen Hausärzten Kopfzerbrechen. Die Entlassungsbriefe sind häufig unstrukturiert, fehlerhaft, vage oder missverständlich formuliert und enthalten unbekannte oder doppeldeutige Abkürzungen. Das ist das Ergebnis einer Befragung von bundesweit 197 Ärzten durch Sprachwissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Die Untersuchung entstand in Zusammenarbeit mit Hausärzteverbänden. Demnach gaben fast alle befragten Hausärzte (98,5 Prozent) an, Arztbriefe manchmal nicht auf Anhieb zu verstehen. Und fast alle Befragten hatten auch schon mal Papiere mit falschen Informationen erhalten. 88 Prozent waren der Meinung, dass unverständliche oder fehlerhafte Arztbriefe zu Behandlungsfehlern führen können. Häufig müssten die Ärzte beim Verfasser dann noch einmal nachhaken. „Hausärzte haben nicht die Zeit, stundenlang Arztbriefe zu lesen. Sie brauchen präzise und klare Informationen“, sagte der Linguist und Projektleiter Sascha Bechmann. „Dass solche Dokumente keinen Spielraum für Interpretationen geben dürfen, liegt auf der Hand.“ Bechmann vermutet, dass oft mit Textbausteinen gearbeitet wird, die von einem Brief in den anderen kopiert würden. Rechtschreib- und Grammatikfehler sind weitere Kritikpunkte. Die Hausärzte monierten aber auch inhaltliche und fachliche Fehler, Widersprüche, Floskeln und fehlende Informationen. „Dass man Arztbriefe nicht immer auf Anhieb versteht, zeigt die Komplexität der Materie“, sagte Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes. Ein großes Problem sei aber, wenn drei Viertel der Hausärzte Therapieempfehlungen und Einnahmeanweisungen aus dem Krankenhaus häufig als fehlerhaft bewerteten. Es müsse dringend mehr direkte Kommunikation zwischen Haus- und Klinikärzten organisiert werden. dpa

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