ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019Sekundärprävention des akuten Koronarsyndroms: Seriell bestimmtes CRP könnte das kardiovaskuläre Risiko einschätzen helfen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sekundärprävention des akuten Koronarsyndroms: Seriell bestimmtes CRP könnte das kardiovaskuläre Risiko einschätzen helfen

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-897 / B-740 / C-728

Heinzl, Susanne

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Foto: mario beauregard/stock.adobe.com
Foto: mario beauregard/stock.adobe.com

Erhöhte Werte von hoch-sensitivem C-reaktivem Protein (hsCRP) nach einem akuten Koronarsyndrom (ACS) sind mit einer schlechteren Prognose assoziiert. Unklar ist bislang der Nutzen serieller hsCRP-Bestimmungen. Diese Frage sollte eine sekundäre Analyse der VISTA-16-Studie klären (1).

In der VISTA-16-Studie (Vascular Inflammation Suppression to Treat Acute Coronary Syndrome for 16 Weeks) ist der Effekt des Phospholipase-A2-Hemmers Varespladib auf das kardiovaskuläre Risiko bei Patienten mit ACS im Vergleich zu Placebo über 16 Wochen untersucht worden. Es wurden die hsCRP-Werte bei 4 257 von 5 145 Patienten bei der Randomisierung und nach 1, 2, 4, 8 und 16 Wochen gemessen. Wegen einer Erhöhung des Herzinfarktrisikos durch Varespladib wurde die Studie jedoch vorzeitig abgebrochen (2).

In der Sekundäranalyse wurde nun die Assoziation steigender hsCRP-Werte mit den kardiovaskuären Endpunkten nach 16 Wochen geprüft.

Von den 4 257 Patienten waren 73,8 % Männer, das Durchschnittsalter lag bei 60,3 Jahren. Die mediane LDL-Cholesterin-Konzentration lag bei 64,9 mg/dl, der mediane hsCRP-Wert bei 2,4 mg/l. Eine multivariable Analyse ergab, dass höhere Ausgangs-hsCRP-Werte (Hazard-Ratio [HR]: 1,36) und höhere longitudinale hsCRP-Werte (HR: 1,15) unabhängig mit dem Auftreten von schweren kardiovaskulären Ereignissen assoziiert waren, und zwar kardiovaskulärem Tod, Myokardinfarkt, nicht tödlichem Schlaganfall oder instabiler Angina mit Hospitalisierung. Diese Assoziation konnte jeweils auch für Myokardinfarkt (HR: 1,16), kardiovaskulären Tod (HR: 1,26) und die Gesamtsterblichkeit (HR: 1,25) allein über die 16-wöchige Beobachtungszeit gesehen werden.

Trotz der vergleichsweise kurzen Beobachtungszeit von 16 Wochen ergab diese Studie, dass initial und nachfolgend nach einem ACS gemessene hsCRP-Spiegel mit dem Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse und Tod assoziiert sind, obwohl die Patienten unter einer optimalen Therapie standen.

Fazit: „Diese Post-hoc-Analyse der VISTA-16-Studie ist für die Sekundärprävention nach akutem Koronarsyndrom durchaus bedeutsam“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. David Manuel Leistner, Geschäftsführender Oberarzt und Leiter des klinischen Studienzentrums der Medizinischen Klinik für Kardiologie an der Charité Berlin. „Einerseits bestätigt sie erneut, dass hsCRP als Biomarker wesentlich zur Risikostratifizierung nach ACS beitragen kann. Noch wesentlicher aber ist: Die Analyse verdeutlicht, dass eine persistierend nach ACS bestehende subklinische oder symptomatische Inflammationsreaktion der stärkste Prädiktor für ein erneutes koronares Ereignis oder den Tod ist“, so Leistner. Zu einem ähnlichen Ergebnis sei die CANTOS-Studie gekommen. Eine zusätzliche anti-inflammatorische Therapie war vor allem bei Patienten mit anhaltend erhöhten hsCRP-Werten hoch effektiv und sogar mortalitätssenkend (3).

„Ich denke, dass die Analyse aus der VISTA-16-Studie ein weiterer Hinweis ist, dass die Zukunft der sekundärpräventiven Therapie nach ACS deutlich personalisierter werden muss, um effektiver zu sein. Wir werden bei unseren ACS-Patienten unterscheiden müssen zwischen denjenigen, die nach optimaler Standardtherapie ein persistierendes inflammatorisches Risiko haben, und denen, die wegen einer unzureichenden Einstellung des Lipidmetabolismus ein anhaltendes Risiko haben. Danach müssen wir individualisiert die Therapie modifizieren.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Mani P, Puri R, et al.: Association of initial and serial C-reactive protein levels with adverse cardiovascular events and death after acute coronary syndrome. A secondary analysis of the VISTA-16 trial. JAMA Cardiol 2019. http://daebl.de/LD63.
  2. Nicholis S, et al.: Varespladib and cardiovascular events in patients with an acute coronary syndrome. The VISTA-16 randomized clinical trial. JAMA 2014; 311: 252–62.
  3. Ridker PM, MacFayden JG, Everett BM, et al.: Relationship of C-reactive protein reduc-tion to cardiovascular event reduction following treatment with canakinumab: a secondary analysis from the CANTOS randomised controlled trial. Lancet 2018; 391: 319–28.

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