ArchivDeutsches Ärzteblatt18/2019GOÄ-Ratgeber: Zur Abrechnung einer isolierten Extremitätenperfusion

MANAGEMENT

GOÄ-Ratgeber: Zur Abrechnung einer isolierten Extremitätenperfusion

Dtsch Arztebl 2019; 116(18): A-910 / B-750 / C-738

Gorlas, Stefan

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In einer Abrechnungsstreitigkeit, die an eine Lan­des­ärz­te­kam­mer herangetragen wurde, waren der Ansatz der Nrn. 2801, 2802, 2805, 3055 und 5854 GOÄ im Rahmen einer isolierten Extremitätenperfusion streitig.

Das Verfahren, bei dem die betroffene Extremität temporär vom Körperkreislauf abgekoppelt wird und mittels einer Herz-Lungen-Maschine unter Applikation von Zytostatika in milder Hyperthermie perfundiert wird, findet bei der Behandlung von lokal fortgeschrittenen Weichgewebssarkomen und Melanomen der Extremitäten Anwendung.

Neben dem Anschluss der Herz-Lungen-Maschine an die Arteria und Vena iliaca externa der betroffenen Extremität, der mit der Nr. 3054 GOÄ („Operative extrathorakale Anlage einer assistierenden Zirkulation“) berechnungsfähig ist, können die zudem angesetzten Nrn. 2801 („Freilegung und/oder Unterbindung eines Blutgefäßes an den Gliedmaßen, als selbstständige Leistung“) und 2802 GOÄ („Freilegung und/oder Unterbindung eines Blutgefäßes in der Brust- oder Bauchhöhle, als selbstständige Leistung“) nicht in Rechnung gestellt werden, da Nr. 2801 und 2802 GOÄ gemäß Ihrer Leistungslegenden nur als selbstständige Leistungen berechnungsfähig sind, im vorliegenden Fall jedoch unselbstständige Teilleistungen der Anlage der assistierenden Zirkulation sind.

Anzeige

Ein Ansatz der Nr. 2805 GOÄ („Flussmessung[en] am freigelegten Blutgefäß“) für das „Flushen“ der Gefäße vor der Komplettierung der Gefäßnähte ist nicht möglich, da dieser operative Teilschritt ebenfalls unselbstständige Teilleistung des in der Nr. 3054 GOÄ enthaltenen Verschlusses der Arteriotomie und der Venotomie ist.

Die Nr. 3055 GOÄ („Überwachung einer assistierenden Zirkulation, je angefangene Stunde“) ist entsprechend berechnungsfähig, wobei die Gesamtdauer der Perfusion mit dem Zytostatikum in milder Hyperthermie in der Regel 90 Minuten beträgt. Hinzu kommt die Aufwärm- und Auswaschzeit.

Die Herstellung der milden Hyperthermie der Extremität erfolgte im vorliegenden Fall durch die Herz-Lungen-Maschine und deren Wärmeaustauscher. Methodisch handelt es sich hierbei nicht um die im Abschnitt O. IV. (Strahlentherapie) der GOÄ enthaltene Leistung nach Nr. 5854 GOÄ („Tiefen-Hyperthermie, je Fraktion“), da bei letzterer die Überwärmung der Extremität durch äußere Erwärmung mit elektromagnetischen Wellen eines Ringapplikators erfolgt.

Insofern ist die Herstellung der milden Hyperthermie durch die Herz-Lungen-Maschine im Ansatz der Nr. 3054 GOÄ enthalten, wobei eine erhöhte Schwierigkeit oder ein zusätzlicher Zeitaufwand bei der Erzeugung der Hyperthermie über den Gebührenrahmen berücksichtigt werden kann. Dr. med. Stefan Gorlas

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema