ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2019Psy­cho­thera­peuten­aus­bildungsreform: Die Sicht der Bundesländer

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Psy­cho­thera­peuten­aus­bildungsreform: Die Sicht der Bundesländer

Bühring, Petra

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Der Bundesrat hält die Einführung neuer Studiengänge Psychotherapie ab dem 1. September 2020 für deutlich zu früh und plädiert für eine Verschiebung um ein Jahr. Die Vertreter der Bundesländer machten auf ihrer Sitzung am 12. April deutlich, dass die Universitäten ein flächendeckendes Angebot bereits im kommenden Jahr keinesfalls gewährleisten könnten. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn überraschte bei der Vorstellung des Entwurfs eines Gesetzes zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung mit dem sportlichen Termin 2020. Zudem fordert das föderative Bundesorgan, dass der Bund die Kosten für den neuen Studiengang vollständig übernehmen soll. Angesichts der begrenzten Mittel im Hochschulbereich könnten die Länder die erforderlichen Kapazitäten nicht selbst zahlen. Darüber hinaus solle die Möglichkeit geschaffen werden, das Studium auch an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften durchführen zu können und nicht nur – wie im Gesetzentwurf vorgesehen – an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen. Für die ehemaligen Fachhochschulen hatten sich vor allem die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten stark gemacht, weil dort die meisten von ihnen ausgebildet werden und entsprechende Kompetenz vorhanden ist.

Der Gesetzentwurf sieht ein dreijähriges Bachelor- und ein zweijähriges Masterstudium der Psychotherapie vor, das mit einer bundeseinheitlichen staatlichen Prüfung endet und die Approbation ermöglicht. Daran anschließen soll sich eine nach jeweiligem Landesrecht organisierte vergütete Weiterbildung, wonach die Niederlassung in der vertragsärztlichen Versorgung möglich ist.

Für nicht ausreichend hält der Bundesrat die im neuen Studium vorgesehenen Praxisanteile, um eine hochwertige Versorgung sicherzustellen. Geprüft werden solle daher, ob der Praxisanteil – in Anlehnung an die ärztliche Approbation – durch ein Praktisches Jahr oder Semester gestärkt werden kann. Mit dieser Forderung unterstützen die Länder die Positionen von Bundes­psycho­therapeuten­kammer und Berufsverbänden, die ebenfalls mehr Praxisanteile wichtig finden, als im Gesetzentwurf vorgesehen.

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Weiter fordert der Bundesrat eine Übergangsregelung für diejenigen Psychotherapeuten, die ihre Ausbildung noch nach den alten Regelungen aufgenommen haben und deshalb, im Gegensatz zu den „neuen“ Psychotherapeuten, weder eine Vergütung erhalten noch sozialrechtlich versichert sind. Der Gesetzentwurf sieht zwar eine lange Übergangszeit von zwölf Jahren vor, aber keine weitere Regelung. Um für diesen Zeitraum keine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ in der psychotherapeutischen Ausbildung entstehen zu lassen, bitten die Länder die Bundesregierung, Regelungen zur Vergütung für alle zu treffen.

Schließlich wendet sich der Bundesrat ausdrücklich gegen die mit dem Gesetzentwurf geplante Ermächtigung des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses, den Zugang zur Psychotherapie neu zu steuern. Die Wartezeiten hätten sich seit der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie 2017 erheblich verkürzt. Bevor weitere Anpassungen vorgenommen würden, solle die Evaluation der neuen Regelungen abgewartet werden. Auch damit unterstützt der Bundesrat die Forderungen aus der Psychotherapeutenschaft.

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