ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2019Sexueller Kindesmissbrauch: Betroffene werden unzureichend betreut

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Sexueller Kindesmissbrauch: Betroffene werden unzureichend betreut

PP 18, Ausgabe Mai 2019, Seite 198

Hillienhof, Arne

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Die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission, Sabine Andresen, stellt Erfahrungsberichte von Betroffenen sexuellen Missbrauchs vor. Foto: dpa
Die Vorsitzende der Aufarbeitungskommission, Sabine Andresen, stellt Erfahrungsberichte von Betroffenen sexuellen Missbrauchs vor. Foto: dpa

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs kommt in ihrem ersten Bilanzbericht zu dem Fazit, dass die Betreuung von Betroffenen sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland unzureichend ist. Auch im Gesundheitswesen seien Verbesserungen nötig.

Die Kommission untersucht alle Formen sexuellen Kindesmissbrauchs in der Bundesrepublik und in der ehemaligen DDR. Sie soll Strukturen und Bedingungen aufdecken, die Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht und begünstigt haben, um daraus Lehren für die Gegenwart zu ziehen. Der Bilanzbericht besteht aus zwei Bänden. Band eins beinhaltet neben der Dokumentation der Arbeit der Kommission auch Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Empfehlungen. In Band zwei erzählen Betroffene in eigenen Worten von ihrer Vergangenheit, ihren Wünschen und Hoffnungen. Bei der Kommission haben sich seit Mai 2016 rund 1 800 Betroffene gemeldet. Sie führte 900 vertrauliche Anhörungen durch. Zusätzlich gingen 320 schriftliche Berichte bei ihr ein.

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„Aus den Berichten der Betroffenen geht vor allem hervor, wie häufig das nahe Umfeld und die gesamte Gesellschaft versagt haben und Kinder nicht geschützt wurden. Dafür muss Verantwortung übernommen werden“, fordert die Vorsitzende der Kommission, Dr. phil. Sabine Andresen. Die Kommission betont, dass Betroffene bis heute bei der Bewältigung ihrer Erfahrungen an strukturellen und finanziellen Hürden scheitern. Auch im Gesundheitswesen erhielten sie oft keine passenden Hilfen. In Pädagogik, Medizin, Psychologie und Rechtswissenschaften müsse deshalb ein Grundlagenwissen über sexuelle Gewalt und deren Folgen vermittelt werden. Zudem sollte das Angebot an Fachberatungsstellen flächendeckend ausgebaut werden, finanziell abgesichert und bekannter gemacht werden, fordert die Kommission weiter. Mitarbeiter in Versorgungsämtern, Jobcentern, bei Krankenkassen oder in der Justiz müssten zudem auf den Umgang mit traumatisierten Menschen vorbereitet und entsprechend fortgebildet werden. hil

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