ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2019Intensivtherapie in Kindergruppen: Ein wichtiger Sammelband

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Intensivtherapie in Kindergruppen: Ein wichtiger Sammelband

PP 18, Ausgabe Mai 2019, Seite 233

Moser, Tilmann

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Der Großmeister in der Organisation von themenzentrierten Kongressen zu zentralen Themen von Psychotherapie und Psychoanalyse, Karl Heinz Brill, hat 2017 wieder einmal „zugeschlagen“. Das wuchtige Buch der Vorträge liegt jetzt vor und erfreut das Herz viele neugieriger und kundiger Heiler auf dem Feld und Angehöriger aller sozialen Berufe und Zuwendungsformen. Die Gruppen von behinderten oder traumatisierten Patienten umfassen bindungsgeschädigte und bindungsunfähige Kinder und Jugendliche in entsprechenden ambulanten Einrichtungen und Kliniken. Diese präsentieren sich mit ihren Konzepten und vielfältigen Therapieformen. Der Leser wird einbezogen in zum Teil ergreifenden und Mut machenden Fallbeispielen. Es ist erstaunlich, wie sich die kurativen Möglichkeiten vervielfältigt haben in den letzten Jahrzehnten, wie viele Ausbildungsformen es gibt und wie selbstverständlich Intervision und Supervision geworden sind. Dies ist dringend notwendig bei den enormen seelischen Belastungen, denen die Mitarbeiter ausgesetzt sind, die sich engagiert einsetzen, bei Kurzkonsultationen, aber auch in oft jahrelangen regelmäßigen oder intervallartigen Formen der Therapie.

Denn schwer traumatisierte Kinder aus den verschiedensten Milieus und Familienkonstellation haben zum Teil „ansteckende“ Störungen, bei denen sie plötzlich dekompensieren, in Wut- und Verzweiflungsstürme geraten, wegrennen, sich prügeln wollen oder sich in Panik aneinanderklammern. Dafür haben die Therapeuten vielfältige haltgebende Methoden der Beruhigung, der „Ichreparatur“ sowie der Wiederfindung von Grenzen entwickelt, sei es in Milieu-, Musik-, Kunst-, Sport- und Bewegungstherapie. Es geht um das Finden von stabilen und hilfreichen Introjekten, wozu auch bei der oft vorsprachlichen Zuwendung auf Tischen ausgebreitete Tierbilder gehören, aus denen die Kinder tröstende Lieblinge auswählen dürfen, bevor überhaupt wieder Bilder von nahen oder ferneren Menschen infrage kommen. In der Einrichtung von Andrea Plank-Matias und Marina Müller, um nur eine Institution unter vielen zu nennen, gibt es den immer bereit stehenden „Schutzplatz“ als sicheren Zufluchtsort, wenn affektives Unheil droht. Tilmann Moser

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Karl Heinz Brisch (Hrsg.): Die Macht von Gruppenbindungen. Ressourcen und Sicherheit, Gefahren und Fanatismus – Möglichkeiten der Therapie und Prävention. Klett-Cotta Verlag, 2018 Stuttgart, 273 Seiten, gebunden, 40,00 Euro

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