ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2019Psychotherapeuten fiktional: Krimicocktail vom Feinsten

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Psychotherapeuten fiktional: Krimicocktail vom Feinsten

PP 18, Ausgabe Mai 2019, Seite 233

Walker, Eva-Maria

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Mit ihrem dritten Ostwestfalenkrimi „Flucht in Gefahr“ ist dem Autorenduo Neumann und Sandrock ihr bislang eindrucksvollster kriminalpsychologischer Coup geglückt, so feinsinnig wird hier die Kriminalgeschichte um eine Flucht aus Nigeria mit den psychologischen Forschungs- und Lebensthemen des Autors miteinander verwoben.

In der Kriminalgeschichte ermitteln – mittlerweile wie gewohnt – die Bielefelder Kommissare Sasse und Johanningmeier zusammen mit ihrem befreundeten Psychotherapeuten Dr. Sauer in einem brisanten Fall: brennende Unterkünfte für Geflüchtete, kleine und große Gauner, die das Leid der Geflüchteten für sich als Geschäftsmodell entdeckt haben und eine mutige junge Frau, die sich von Nigeria nach Europa – genauer: nach Bielefeld – auf den Weg macht, um ihrem lebensbedrohlich erkrankten Bruder helfen zu können. Erst zum Ende erschließt sich dem Leser, wie die einzelnen Fäden der unterschiedlichen Fluchtgeschichten zusammenhängen, was den Krimi bis zum Schluss spannend hält. Außergewöhnlich ist diese Kriminalgeschichte aber nicht nur wegen ihres tiefen gesellschaftspolitischen Gespürs für die zeitpolitische Debatte um Geflüchtete, sondern vor allem auch, weil ein zentrales Forschungsthema des Autors auf so inspirierende Art und Weise in die Kriminalgeschichte eingewoben ist. Immer wieder geht es um die Frage, unter welchen Bedingungen Angstgefühle lebensfeindlich und lähmend für die eigene Zukunftsgestaltung werden können und unter welchen Bedingungen sie durchaus lebensförderliche Schutzfunktionen haben und vor allem um die Frage, worin die sozialpsychologischen und soziologischen Momente von Angstgefühlen bestehen und sie – zumindest in der Ex-Post-Reflexion oder aber auch in der therapeutischen Arbeit – durch das gemeinsame Erleben menschliche Verbindungen ermöglichen und Versöhnungen anbahnen können, nicht nur zwischen Tätern und Opfern, sondern eben auch – wie in dieser Kriminalgeschichte – zwischen Geflüchteten und Natives. Ganz leicht und charmant werden hier sowohl literarische Bezüge zum Thema Angst und Einsamkeit hergestellt, wenn Kommissar Johanningmeier in einer melancholischen Phase des Ermittelns mit dem Linienbus die „Endstation [Sehnsucht]“ erreicht als auch zur Forschungsliteratur, wenn die Reisebegleitung von Dr. Sauer auf der Flugreise nach Israel von Hannah Arendts „Banalität des Bösen“ träumt.

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Das Autorenduo aus Ostwestfalen hat mal wieder einen Krimicocktail vom Feinsten gemixt. Eva-Maria Walker

Wolfgang Neumann, Annette Sandrock: Flucht in Gefahr. Der dritte Psychokrimi aus Ostwestfalen-Lippe. dgvt-Verlag, Tübingen 2018, 160 Seiten, kartoniert, 13,00 Euro

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