ArchivDeutsches Ärzteblatt PP5/2019Persönlichkeitsstörungen: Grundlegender Wandel des Verständnisses

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Persönlichkeitsstörungen: Grundlegender Wandel des Verständnisses

PP 18, Ausgabe Mai 2019, Seite 235

Koch, Joachim

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Persönlichkeitsstörungen sind schon lange ein besonderes Thema, es gibt umkämpfte Positionen wie die Frage, ob Persönlichkeitseigenschaften veränderbar oder fest sind. Ärzte und Psychotherapeuten sehen Persönlichkeitsstörungen als schwieriger therapierbar als andere Störungen. Für Patientinnen und Patienten kann die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung besonders stigmatisierend sein. In diesem Buch geht es um einen grundlegenden Wandel des Verständnisses: Persönlichkeitsstörungen werden als dimensionale Konstrukte betrachtet und die bisherige kategoriale Sichtweise, bei der es zentral um die Einordnung in eine Persönlichkeitsstörung (eine von zehn) geht, wird zurückgestellt. Dimensionale Ansätze zur Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen erlauben es, Menschen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften wesentlich breiter zu beschreiben.

Nach Jahren der Diskussion wird es jetzt praktisch und es kommt Bewegung in die Mainstream-Diagnostik: Für das DSM-5 wurde ein alternatives Modell konzipiert, das als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem dimensionalen Ansatz in der Diagnostik von Persönlichkeitsstörungen gesehen werden kann. Bei diesem Modell werden zuerst die Beeinträchtigungen in den vier Fähigkeitsbereichen der Persönlichkeit: Identität, Selbststeuerung, Empathie und Nähe eingeschätzt. Im zweiten Schritt steht die Erfassung der Persönlichkeitsprobleme im Mittelpunkt. Es geht um die fünf Merkmalsdomänen: negative Affektivität, Verschlossenheit, Antagonismus, Enthemmtheit und Psychotizismus. Im dritten Schritt werden die bisherigen diagnostischen Resultate auf sechs spezifische Persönlichkeitsstörungen angewandt.

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Mehr als 40 Autoren beleuchten das Thema in fünf Abschnitten mit 33 Kapiteln und lassen viele Neuerungen auf dem Gebiet einfließen. Im ersten Abschnitt geht es um die Ideengeschichte und um Konzepte von Persönlichkeitsstörungen. Im Abschnitt über Diagnostik geht es auch um Verfahren im Kinder- und Jugendbereich sowie um diagnostische Besonderheiten im Alter. Im dritten Abschnitt werden ätiologische Modelle zum Thema aus der Sicht verschiedener Schulen und wissenschaftlicher Fachgebiete vorgestellt. Dann befassen sich elf Kapitel mit therapeutischen Ansätzen. Ein Schwerpunkt liegt auf der dimensionalen Sichtweise. Auch bei der Therapie der Persönlichkeitsstörungen werden Therapien im Kindes- und Jugendalter behandelt sowie Psychotherapie bei älteren Patienten. Der fünfte und letzte Abschnitt befasst sich mit forensischen Aspekten von Persönlichkeitsstörungen. Joachim Koch

Götz Berberich, Michael Zaudig, Cord Benecke, Hennig Saß, Johannes Zimmermann (Hrsg.): Persönlichkeitsstörungen – Update zu Theorie und Therapie. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, 503 Seiten, gebunden, 69,99 Euro

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