ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2000Antibiotika-assoziierte Kolitis Entwicklung in den 90er Jahren: Haptentherapie möglich

MEDIZIN: Diskussion

Antibiotika-assoziierte Kolitis Entwicklung in den 90er Jahren: Haptentherapie möglich

Dtsch Arztebl 2000; 97(1-2): A-44 / B-39 / C-37

Cornelius, Peter

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Klaus Loeschke in Heft 39/1999
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LNSLNS Der Autor erwähnt, dass bei einigen Patienten eine ungenügende Antikörperantwort beobachtet wurde, welche für Rezidive verantwortlich gemacht wird. Nach meinen Erfahrungen mit der Haptentherapie glaube ich, dass diese mangelhafte Antikörperbildung unter anderem auch auf dem Fehlen von spezifischen Haptenen beruhen kann. Nach Klein (2) verfügen Haptene, die isoliert keine antigenen Eigenschaften besitzen, über zwei Bindungsvalenzen, von denen im konjugierten Antigen die eine mit dem Carrier (dem Träger der antigenen Eigenschaften) verbunden ist. Im Körper kann die andere Valenz ausschließlich an die Rezeptoren der B-Zellen (= BCR) angelagert werden, während der Carrieranteil von den Rezeptoren der T-Zellen (= TCR) gebunden wird. Nur wenn ein konjugiertes Antigen gleichzeitig mit seinem Carrieranteil an einen TCR und seinem Haptenanteil an einen BCR angebunden ist, kann die B-Zelle die spezifischen Antikörper bilden und abgeben. Daraus folgt, dass, wenn die Haptene fehlen, zwar auch die freien Carrier von den TCR gebunden werden, was in der Regel Entzündungsreaktionen induziert, die Bindung an BCR aber so nicht möglich ist, weshalb die Bildung und Ausschüttung von Antikörpern nicht stattfinden kann. In diesem Fall bleibt die zweite Hälfte der Immunantwort aus. Wenn dann die Carrier-TCR-Komplexe nicht von Enzymen aufgelöst werden können, bleibt die Entzündung in dieser ersten Phase stehen und wird primär chronisch. Als Haptene können zum Beispiel Lipide, Lipoproteide, Nukleinsäuren oder Polysaccharide fungieren. Bei den Haptenen der pathogenen Keime handelt es sich um Polysaccharide, die für die jeweiligen Erreger oder Erregergruppen weitgehend spezifisch sind. Nachdem ich mindestens 3 000 Ampullen von Haptenpräparaten eingesetzt und hundertfach prompte Wirkungen einer solchen Behandlung beobachtet habe, dürfte ein Haptenmangel keine Seltenheit sein. Die Vermutung liegt nahe, dass die polysaccharidartigen Haptene im Körper, ähnlich wie Stärke im Verdauungstrakt, zerstört werden können. Eine eventuelle Substitution von IgG-Antikörpern gegen persistierende Antigene ohne die Zugabe der entsprechenden Haptene hätte dann auch keine Wirkungsmöglichkeit. Aufgrund dieser Gegebenheiten scheint die zunächst rein empirische Haptentherapie auf einer evidenten Basis zu stehen. Ich glaube, dass die Haptentherapie eine Lücke der therapeutischen Möglichkeiten zu schließen vermag. Durch meine Veröffentlichung (1) konnte ich erreichen, dass jetzt Haptene aus 13 verschiedenen Erregern in Europa verfügbar sind. Tropflösungen sind in Deutschland im Handel, Ampullenpräparate müssen aus der Schweiz oder aus den Niederlanden bezogen werden.


Literatur
1. Cornelius P: Nosoden und Begleittherapie. München, Bad Kissingen, Berlin, Düsseldorf, Heidelberg: Pflaum Verlag 1999; 3. Auflage: 23-31.
2. Klein J: Immunologie. Weinheim, New York, Basel, Cambridge: VCH 1991; 182 ff und 371.
3. Kunze Dr. R, Hartmann J: Das immunmodulatorische Profil von Sanukehl Pseu
(= Hapten aus Pseudomonas aeruginosa). Hoya: Semmelweis-Verlag 1996; Sanum Post Nr. 37: 11 f.
Peter Cornelius
Arzt für Allgemeinmedizin
Wiesenstraße 4 · 82269 Geltendorf


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