ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2000Psoriasis - ein vielgestaltiges Krankheitsbild: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Psoriasis - ein vielgestaltiges Krankheitsbild: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(1-2): A-46 / B-42 / C-42

Christophers, Enno; Mrowietz, Ulrich

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Enno Christophers Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz in Heft 36/1999
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LNSLNS Wir sind dem Hinweis von Herrn Kollegen Schilling auf die Osteomalazie in Folge einer Fumaderm-
Langzeittherapie dankbar. Über renale Tubulusschädigung mit Entwicklung einer osteomalazischen Osteodystrophie wurde bislang, wie von Schilling dargelegt, anhand von zwei Patienten berichtet. Wie der Hersteller mitteilt, sind inzwischen zwei weitere Meldungen eingegangen, die mit Erhöhung der alkalischen Phosphatase und unklaren Knochenschmerzen die Diagnose Osteomalazie nach Fumaderm nahelegen.
Insgesamt handelt es sich wohl um eine sehr seltene unerwünschte Nebenwirkung (nach Angaben der Hersteller bislang somit fünf Fälle bei etwa sechs Millionen Tagesdosen). Dennoch verdienen die Hinweise Beachtung vor allem auch im Hinblick auf fragliche Langzeitwirkung nach Absetzen des Präparates.
Auf einem anderen Blatt stehen die wohl anekdotisch zu betrachtenden Anmerkungen von Herrn Kollegen Wagner. Hier wird (wie vor hundert Jahren) vermutet, das Hautorgan widerspiegele anderswo zu ortende Pathomechanismen (am liebsten in der Leber). Leider tut die Haut uns nur in wenigen Fällen diesen Gefallen, betrachtet man einmal die übergroße Zahl von Erkrankungen und pathologischen Veränderungen des menschlichen Integumentes (nach ICD fast 2 000 gelistete Diagnosen), die ohne erkennbare "Verbindung" zu anderen Organen sind. Krankheitsassoziationen sind bei polygenetischen Erkrankungen nicht selten, wie anhand vieler Beispiele (so auch Psoriasis) gezeigt werden kann. Komorbidität bedeutet jedoch nicht Kausalität. Die Ergründung der Ursache einer Hautkrankheit muss sich deshalb auf Struktur und Funktion, Dysfunktion und Dysregulation des erkrankten Organs konzentrieren, bevor man zu phantasieren anfängt.
Die von Herrn Kollegen Wagner genannten Therapieansätze gehören mitsamt den Vorstellungen über den Wert von Darmentleerung, Meditation und Diäten unserer empirisch geprägten medizinischen Vergangenheit an. Sicherlich zählt die Psoriasis zu den Erkrankungen, an denen so ziemlich alles, was es auf dieser Erde gibt, therapeutisch versucht wurde. Was übrig geblieben ist, nutzen wir heute und unterziehen es Prüfungen, um mit Beweisbarkeit unser Handeln zu rechtfertigen, vor allem vor unseren Patienten.
Beim unkritischen Lesen von Elaboraten wie dem von Dr. Pagano erliegt der Unwissende leicht der Verführung zum Absurden und verschließt sich einer sinnvollen, nachvollziehbaren Therapie. Wir sehen in der Psoriasis auch heute noch so viele interessante Aspekte, dass es mehr Spaß macht, sich darin zu vertiefen, als selbstgestrickten Dogmen anzuhängen.


Prof. Dr. med. Dr. h. c.
Enno Christophers
Prof. Dr. med. Ulrich Mrowietz
Abteilung Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Klinikum der Christian-Albrechts-Universität Kiel
Schittenhelmstraße 7
24105 Kiel

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