ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2019Postpartale Depression: Risiko für Wochenbettdepressionen ist bei Frauen mit Gestationsdiabetes erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Postpartale Depression: Risiko für Wochenbettdepressionen ist bei Frauen mit Gestationsdiabetes erhöht

Dtsch Arztebl 2019; 116(19): A-944 / B-777 / C-766

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Daisy-Daisy/iStock
Foto: Daisy-Daisy/iStock

Die Postpartale Depression (PPD) wird oft erst spät oder gar nicht erkannt und teilweise mit dem häufigeren „Baby Blues“ verwechselt. Dies ist eine eher leichte depressive Verstimmung oder Labilität, die sich meist innerhalb weniger Tage zurückbildet. Die PPD dagegen beginnt meist 1–4 Wochen nach Entbindung und dauert länger an.

Es wird ein Zusammenhang zum Gestationsdiabetes (GDM) vermutet. In einem systematischen Review mit Metaanalyse sind 18 Studien ausgewertet worden, in denen die Assoziation zwischen PPD und GDM untersucht worden war oder die Häufigkeit der PPD bei Müttern ohne GDM. Ermittelt wurde das relative Risiko (RR) für Wochenbettdepressionen bei Frauen mit Gestationsdiabetes im Vergleich zu Frauen ohne GDM. Die Studien umfassten Daten von insgesamt 2 370 958 Müttern.

Bei Frauen mit GDM war das Relative Risiko (RR) für Postpartale Depression um 59 % erhöht (RR: 1,59; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [1,22; 2,07]; p = 0,001), ermittelt aus allen Studien. In den 15 Kohortenstudien lag das RR bei insgesamt 1,67 (1,22; 2,28), in den beiden Querschnittsstudien bei 1,37 (0,91; 2,05) und in einer Fall­kontroll­studie bei 1,29 (0,98; 1,68).

Fazit: „Dies ist die erste systematische Übersichtsstudie über den Zusammenhang zwischen beiden Krankheitsbildern“, erklärt Prof. Dr. med. Monika Kellerer, Ärztliche Direktorin der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am Marienhospital Stuttgart und Vizepräsidentin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Bislang gab es nur einzelne Studien mit oft widersprüchlichen Aussagen.“ Als mögliche Ursachen für die Assoziation würden Störungen der Hypothalamus-Hypophysenachse genannt, fehlregulierte serotonerge Prozesse und Effekte der Hyperinsulinämie auf die Schilddrüse. „Es ist wichtig, Wöchnerinnen mit Schwangerschaftsdiabetes zeitnah nach der Entbindung auch auf eine postpartale Depression zu untersuchen“, so Kellerer. Fragebogen bei der Nachuntersuchung seien dazu hilfreich.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Azami M, Badfar G, et al.: The association be-tween gestational diabetes and postpartum depression: a systematic review and meta-analysis. Diabetes Res Clin Pract 2019; 149: 147–55.

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