ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2019Gliomtherapie: Therapie von Hirntumoren mittels automatisierter Bildanalyse verbessern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gliomtherapie: Therapie von Hirntumoren mittels automatisierter Bildanalyse verbessern

Dtsch Arztebl 2019; 116(19): A-945 / B-778 / C-767

Hillienhof, Arne

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Foto:Science RF/stock.adobe.com
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Ein neuartiges Magnetresonanz-Diagnosesystem zur automatisierten Bildanalyse von Hirntumoren kann offenbar verlässlicher und präziser das Ansprechen auf eine Therapie wiedergeben als etablierte radiologische Verfahren. Das geht aus einer Publikation von Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hervor (1).

Das Team um Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, konzentrierten sich auf Gliome, die häufigsten und bösartigsten Hirntumoren bei Erwachsenen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 4 500 Menschen an diesen Tumoren. Sie lassen sich operativ meist nicht vollständig entfernen. Chemo- oder Strahlentherapie sind nur begrenzt wirksam, da der Tumor eine hohe Widerstandskraft besitzt.

Kriterium für die Wirksamkeit einer neuen Therapie ist die Wachstumsdynamik eines Glioms. Diese wird über die Magnetresonanztomografie (MRT) ermittelt. Laut den Forschern sind die gängigen MRT-Verfahren jedoch fehleranfällig und führen leicht zu abweichenden Ergebnissen. „Das kann die Beurteilung des Therapieansprechens und in der Folge die Reproduzierbarkeit und Präzision von wissenschaftlichen Aussagen, die auf Bildgebung beruhen, negativ beeinflussen“, erklärte Bendszus.

Das Team aus Heidelberg hat daher neuronale Netzwerke entwickelt, um computerbasiert das Therapieansprechen von Hirntumoren in der MRT standardisiert und vollautomatisch zu beurteilen und klinisch zu validieren. Anhand einer Referenzdatenbank mit MRT-Bildern von gut 500 Patienten wurden die Algorithmen darauf trainiert, die Hirntumoren zu erkennen, zu lokalisieren, einzelne Bereiche volumetrisch zu vermessen und das Therapieansprechen präzise zu beurteilen.

Fazit: „Die Auswertung von über 2 000 MRT-Untersuchungen von 534 Glioblastompatienten aus ganz Europa zeigt, dass unser computerbasierter Ansatz eine zuverlässigere Beurteilung des Therapieansprechens ermöglicht, als es mit der herkömmlichen Methode der manuellen Messung möglich wäre“, erklärte Philipp Kickingereder aus der Abteilung Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. Man habe die Verlässlichkeit der Beurteilung um 36 % verbessern können. Das könne für die MRT-gestützte Bewertung der Therapieeffektivität in klinischen Studien von entscheidender Bedeutung sein, so Kickingereder. Auch die Vorhersage des Gesamtüberlebens war mit unserem neuen Verfahren exakter möglich. Arne Hillienhof

1. Kickingereder P, et al.: Automated quantitative tumour response assessment of MRI in neuro-oncology with artificial neural networks: a multicentre, retrospective study. Lancet Onc 2. April 2019. http://daebl.de/DL35.

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