ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2019FDA: Trigeminus-Stimulation zur ADHS-Behandlung von Kindern in USA zugelassen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

FDA: Trigeminus-Stimulation zur ADHS-Behandlung von Kindern in USA zugelassen

Dtsch Arztebl 2019; 116(19): A-945 / B-778 / C-767

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: agsandrew/stock.adobe.com
Foto: agsandrew/stock.adobe.com

Die nächtliche Elektrostimulation des supraorbitalen Trigeminus-Astes kann einer randomisierten Studie zufolge eine ADHS-Symptomatik abschwächen (1). Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat jetzt dafür ein Gerät für Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren zugelassen, die keine verschreibungspflichtigen ADHS-Medikamente einnehmen.

Aufgrund der oft unbefriedigenden Therapieergebnisse mit Medikamenten werden zurzeit Nerven-stimulationsverfahren bei verschiedenen Hirnerkrankungen erkundet. Die transkranielle Magnet- oder Gleichstromstimulation über die Haut sind als nichtinvasive Verfahren besonders beliebt, da sie den Patienten einen Eingriff ersparen.

Ein US-Hersteller hat zur Behandlung der ADHS ein Gerät von der Größe eines Smartphones entwickelt. Eine auf der Haut befestigte Elektrode ermöglicht die externe transkutane Nervenstimulation (eTNS). Das Gerät wurde in einer doppelblinden Studie an 62 Kindern mit mittelschwerer bis schwerer ADHS über 4 Wochen getestet. Die Kinder trugen die Geräte, die von den Eltern angebracht wurden, jeweils nachts über 8 Stunden. Bei der einen Gruppe war es angeschaltet, bei der Kontrollgruppe nicht.

Primärer Endpunkt waren die Veränderungen in der „ADHD Rating Scale“ (ADHD-RS), in der die Ärzte den Eltern 18 Fragen zum Verhalten des Kindes stellen. Wie James McGough von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles und seine Mitarbeiter berichten, besserten sich die Symptome in beiden Gruppen in der ersten Woche. Unter der echten eTNS-Behandlung kam es in der Folge zu einem weiteren Symptomrückgang, unter der Scheinbehandlung blieb es bei der anfänglichen Placebowirkung (ADHS-RS-Score-Verbesserung von 34,1 auf 23,4 Punkte unter eTNS versus 33,7 auf 27,5 unter Scheintherapie).

Fazit: Die FDA hält eine gewisse Wirksamkeit der eTNS-Behandlung für gegeben. Ihr stehen zudem kaum Risiken gegenüber. Die häufigsten Nebenwirkungen sind laut FDA Schläfrigkeit, Appetitzunahme, Schlafstörungen, Zähneknirschen und Kopfschmerzen. Es handelt sich um die erste zugelassene apparative Behandlung des ADHS in den USA. Rüdiger Meyer

1. McGough JJ, et al.: Double-Blind, Sham-Controlled, Pilot Study of Trigeminal Nerve Stimulation for Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. 2019; 58 (4): 403–11.e3.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema