ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2019Multiple Sklerose: Leichte Kette des Neurofilaments zeigt als Blutmarker die Krankheitsaktivität an

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiple Sklerose: Leichte Kette des Neurofilaments zeigt als Blutmarker die Krankheitsaktivität an

Dtsch Arztebl 2019; 116(19): A-944 / B-777 / C-766

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: blueringmedia/stock.adobe
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Bei Multipler Sklerose (MS) ermöglichen klinische Kriterien und MR-Befunde oft keine zuverlässige Abschätzung der Prognose. Das erschwert die Therapieentscheidung. Die leichte Kette des Neurofilaments (NfL), ein Protein des Zyto-skeletts von Neuronen, das bei der Ausbildung von Axonen mitwirkt, wird seit Längerem als Biomarker im Blut untersucht. Die NfL-Konzentrationen steigen bei neurodegenerativen Erkrankungen an.

Wie aussagekräftig NfL für die Krankheitsaktivität bei MS ist, wurde an Blutproben von 589 Patienten mit schubförmig remittierender MS (rrMS) aus 2 klinischen Studien evaluiert. Die NfL-Werte von 35 Gesunden dienten als Kontrolle. In der Phase-3-Studie FREEDOMS war Fingolimod bei rrMS mit Placebo verglichen worden und in der Phase-3-Studie TRANSFORMS Fingolimod mit Interferon-ß-1a. Die Forscher bestimmten das NfL quantitativ mit einem Single Molecule Array (SIMOA) Immunoassay.

Die durchschnittlichen NfL-Ausgangswerte waren mit 30,5 pg/ml (FREEDOMS) und 27,0 pg/ml (TRANSFORMS) bei MS-Kranken höher als bei Gesunden (16,9 pg/ml) und korrelierten mit Läsionen im T2-gewichteten und im Gadolinium-verstärkten T1-gewichteten MR. Hohe NfL-Werte bei Patienten waren im Vergleich mit niedrigeren mit einer größeren Zahl neuer oder sich vergrößender T2-Läsionen assoziiert (Ø Rate: 2,64; p = 0,0006), mit einer erhöhten Rückfallrate (Rate Ratio: 2,53; p < 0,0001), einer Abnahme des Hirnvolumens (Ø -0,78 %) und einer Zunahme der Behinderung (Hazard Ratio: 1,94; p = 0,0605).

Unter Fingolimod reduzierten sich die NfL-Werte in FREEDOMS um 35,4 % nach 6 Monaten und um 43 % nach 24 Monaten. und in TRANSFORMS um 36 % nach 6, und um 39 % nach 12 Monaten. Die Reduktionen der NfL-Werte waren mit Reduktionen der Rückfallwahrscheinlichkeit und einer Verminderung der Hirnatrophie assoziiert.

Fazit: Blutkonzentrationen von NfL zeigen neuroaxonale Schäden an und sind bei MS-Patienten mit Befunden zur Krankheitsaktivität aus klinischen Untersuchungen und aus der Bildgebung assoziiert. NfL sollte als Biomarker in weiteren Studien und mithilfe von Datenbanken zu Referenzwerten zeitnah für die Abschätzung der Prognose und für das Monitoring unter Therapie weiterentwickelt werden, so die Autoren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Kuhle J, Kropshofer H, Haering DA, et al.: Blood neurofilament light chain as a biomarker of MS disease activity and treatment response. Neurology 2019; 92: e1007–15.

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