ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2000Politik: Lösungsalternativen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Politik: Lösungsalternativen

Dtsch Arztebl 2000; 97(1-2): A-5 / B-5 / C-5

Josenhans, W. T.

Zur Gesundheitsreform:
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LNSLNS Kanada versucht, Theoretische und Klinische Medizin zusammenzuführen und mittels moderner Medizinpädagogik den Studenten zu vermitteln. Als ich mal dem Dekan unserer Fakultät ein mir dringend erscheinendes Problem vorstellen wollte, schickte er mich weg mit der Auflage, erst dann zurückzu-kommen, wenn ich zu dem Problem wohl durchdachte Lösungsalternativen aufzeigen könne. Nun bin ich seit über zehn Jahren wieder zurück und leide unter den verfehlten Gesundheitsreformen, aber fast noch mehr unter dem Stil der Führungsspitzen von ÄK und KV. Oder ist es die Presse, die alle Reformen pauschal ablehnt, ohne glaubhafte und für den niedergelassenen Arzt nachvollziehbare Lösungsalternativen vorzustellen . . .
Das größte Problem in Deutschland sind Überkapazitäten an Ärzten, Krankenhausbetten und zugelassenen Medikamenten. Deutschland hat gegenüber Kanada in den letzten 25 Jahren etwa dreimal so viele Ärzte ausgebildet. In Kanada herrscht nun Ärztemangel, in Deutschland eine Ärzteschwemme, vor allem an hochspezialisierten Fachärzten. Sowohl für die Gesundheit der Bevölkerung wie auch für Kollegialität
und Berufszufriedenheit der Ärzte ist ein Mangel der Schwemme vorzuziehen. Wir haben in Deutschland mehr Fachärzte als Allgemeinärzte, mit steigender Tendenz (60 zu 40 Prozent). Die "freie Arztwahl" ist ein geschickt gewähltes pseudodemokratisches Aushängeschild, mit dem sich nötige Korrekturen verhindern lassen, sehr zum Nachteil einer übersichtlichen Patientenbetreuung und mit großen Extrakosten für das System. . . . Typische Probleme sind durch einen Chipkartentourismus verursachte Doppel-, ja Dreifachuntersuchungen und Doppelverschreibungen. Unkoordinierte Mehrfachverschreibungen von gleichen Substanzen, die unter verschiedenen Handelsnamen vermarktet werden, können zu gefährlichen Hypotonien führen, wenn Antihypertensiva von verschiedenen Ärzten unter verschiedenem Namen verschrieben werden, ohne dass ein Hausarzt informiert wird. Alle Gesundheitsreformen der letzten zehn Jahre sind schon im Grundansatz verfehlt, weil sie die Überkapazitäten nicht beseitigen und eine Steuerung durch Vorschriften anstelle von marktwirtschaftlichen Prinzipien versuchen. Bessere Lösungsalternativen hat der Ökonom Professor Wilhelm Hankel vorgestellt . . . :
« Die Pflicht zur Kran­ken­ver­siche­rung muss auf alle Bürger ausgedehnt werden mit Wahlfreiheit wie bei der Autoversicherung.
Der Wettbewerb der Versicherungen erfolgt über eine transparente Tarifgestaltung.
­ Die Versicherung ist für den Versicherten, der Arzt für die Patienten da.
Prof. Dr. med. W. T. Josenhans, Kernerstraße 115, 75323 Bad Wildbad
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