ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019Lebensqualität statt -quantität entscheidend
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Diese wichtige Arbeit wirft einige kritische Anmerkungen und Fragen auf (1).

Wir Onkologen haben in den letzten Jahren über die ethische Sinnhaftigkeit von Therapien oft diskutiert; besonders in Bezug auf Gewinn von Lebensqualität im Spannungsfeld von Therapien, deren oft nur minimaler Gewinn an Lebenszeit für den Patienten erkauft wird, mit immer schwerwiegenderen Nebenwirkungen.

Unsere ethische Verantwortung, Schaden vom Patienten abzuwenden, scheint einer Auffassung gewichen zu sein, bei der nur noch der minimale statistische Wert zählt.

Was heißt schon Ansprechen für wenige Wochen für den Patienten, wenn er die ihm noch kurze, verbleibende Lebenszeit mit schweren Nebenwirkungen verbringen muss?

Hierzu findet man in der Übersichtsarbeit kein kritisches Wort. Vieles, was die Autorin schreibt, klingt wie aus Produktinformationen der Pharmaindustrie. Bei ihrer Interessenkonfliktliste kann man dies auch nachvollziehen.

Selbstverständlich müssen unbedingt Studien zu den Nebenwirkungen der Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren erfolgen. Ein wichtiger Gesichtspunkt dieser Studien muss aber die Lebensqualität der Patienten sein.

Warum wird nicht untersucht, was passiert, wenn man die finanziellen Ressourcen, die diese Medikamente verbrauchen, in eine umfassende palliative Versorgung der Patienten mit fortgeschrittenem Tumorleiden investiert? Hier fehlt es oft an Ressourcen und Geld.

Ich bin überzeugt, dass eine so gut ausgestattete Palliativversorgung die gleichen Effekte auf das Überleben der Patienten hat, wie diese zweifelhaften Medikamente, aber ohne die gravierenden Nebenwirkungen.

Wir Onkologen sollten uns nicht von den pseudoreligiösen Heilsversprechen der Industrie blenden lassen und wieder den ganzen Menschen in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen. Nur noch schwerwiegende Nebenwirkungen dieser Medikamente zu behandeln, ist zwar wichtig, aber keine sinnstiftende Aufgabe für uns.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0363a

Dr. med. Martin Rotsch

Steinfeld

martin.rotsch@web.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Heinzerling L, De Toni E, Schett G, Hundorfean G, Zimmer L: Checkpoint inhibitors—the diagnosis and treatment of side effects. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 119–26 VOLLTEXT
1.Heinzerling L, De Toni E, Schett G, Hundorfean G, Zimmer L: Checkpoint inhibitors—the diagnosis and treatment of side effects. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 119–26 VOLLTEXT

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