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Vielen Dank für diese wichtige Diskussionsbemerkung. Auch wir haben uns gefragt, wie bedeutend der marginale Benefit für Patienten angesichts der Nebenwirkungen ist.

Unsere Studie zeigte, dass Ärzte und Gesunde Nebenwirkungen viel kritischer einschätzen als Melanompatienten (1). Wir fragten, ob Patienten lieber acht Wochen symptomfrei (mit bestmöglicher Palliativversorgung) oder 16 Wochen mit mittelschweren bis schweren Nebenwirkungen leben wollten (der durchschnittlichen Lebensverlängerung des Ipilimumab entsprechend) und der Großteil entschied sich für letzteres. Angesichts einer tödlichen Erkrankung ändert sich die Perspektive und Lebenszeit wird wertvoller. Die Erfassung der Lebensqualität im Rahmen klinischer Studien zeigte ebenfalls eine Überlegenheit der Checkpoint-Therapie gegenüber dem Kontrollarm (2), was sich mit unseren klinischen Erfahrungen deckt. Inzwischen zeigen Daten, dass die Checkpoint-Inhibitortherapie bei metastasiertem Melanom zu einem Langzeitüberleben für einen Teil der Patienten ohne weitere Therapie und ohne Nebenwirkungen führt (3).

Weiterhin senkt gutes Nebenwirkungsmanagement die Morbidität und Mortalität. Meine Ko-Autoren und ich nahmen daher regional, national und international jede Möglichkeit wahr, hierzu zu referieren, auch wenn Veranstaltungen durch die pharmazeutische Industrie organisiert wurden. Die zunehmenden Kosten moderner Onkologika sind problematisch. Angesichts deutlich steigender Umsätze ist es unverständlich, dass die Kosten für Checkpoint-Inhibitoren nicht drastisch sinken, denn die Herstellungskosten dürften im Vergleich zu den Preisen vernachlässigbar sein. Dies ist ein politisches Problem, das unser Gesundheitssystem dringend in den Griff bekommen muss. Hinsichtlich der Kosteneffizienz ist sicherlich die Primärprävention von Hautkrebs, bei der in Deutschland zu wenig passiert, die beste Maßnahme. Kranke nicht zu behandeln, stellt keine Option dar. Das metastasierte Melanom mit vergleichsweise jungen Patienten und seiner oft raschen Dynamik erfordert eine intensive Betreuung und Begleitung der Patienten, insbesondere nach Diagnosestellung und bei Versagen der Therapie. Gerade in dieser Phase, denken wir, stehen zu wenig Ressourcen zur Verfügung.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0363b

Für die Autoren

Prof. Dr. med. Lucie Heinzerling, MPH

Hautklinik

Universitätsklinikum Erlangen

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)

Lucie.Heinzerling@uk-erlangen.de

Interessenkonflikt

Prof. Heinzerling bekam Honorare für Beratertätigkeiten von BMS, MSD, Roche, Novartis, Amgen, Curevac, Pierre Fabre und Sanofi. Kongressgebühren und Reisekosten wurden für sie übernommen von BMS, Novartis, Roche und Amgen. Für Vorträge wurde sie honoriert von BMS, Amgen, MSD, Roche und Novartis. Sie erhielt Studienunterstützung (Drittmittel) von Novartis, Curevac, BMS, MSD, Amgen und Roche.

1.
Krammer R, Heinzerling L: Therapy preferences in melanoma treatment—willingness to pay and preference of quality versus length of life of patients, physicians and healthy controls. PLOS ONE 2014; 9: e115317 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Schadendorf D, Dummer R, Hauschild A, et al.: Health-related quality of life in the randomised KEYNOTE-002 study of pembrolizumab versus chemotherapy in patients with ipilimumab-refractory melanoma. Eur J Cancer 2016; 67: 46–5 CrossRefMEDLINE
3.
Schadendorf D, Hodi FS, Robert C, et al.: Pooled analysis of long-term survival data from phase II and phase III trials of ipilimumab in unresectable or metastatic melanoma. J Clin Oncol 2015; 33: 1889–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Heinzerling L, De Toni E, Schett G, Hundorfean G, Zimmer L: Checkpoint inhibitors—the diagnosis and treatment of side effects. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 119–26. VOLLTEXT
1.Krammer R, Heinzerling L: Therapy preferences in melanoma treatment—willingness to pay and preference of quality versus length of life of patients, physicians and healthy controls. PLOS ONE 2014; 9: e115317 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Schadendorf D, Dummer R, Hauschild A, et al.: Health-related quality of life in the randomised KEYNOTE-002 study of pembrolizumab versus chemotherapy in patients with ipilimumab-refractory melanoma. Eur J Cancer 2016; 67: 46–5 CrossRefMEDLINE
3.Schadendorf D, Hodi FS, Robert C, et al.: Pooled analysis of long-term survival data from phase II and phase III trials of ipilimumab in unresectable or metastatic melanoma. J Clin Oncol 2015; 33: 1889–9 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Heinzerling L, De Toni E, Schett G, Hundorfean G, Zimmer L: Checkpoint inhibitors—the diagnosis and treatment of side effects. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 119–26. VOLLTEXT

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