ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019Multiples Myelom: Ixazomib ist eine neue Option zur Erhaltungstherapie nach Stammzelltransplantation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiples Myelom: Ixazomib ist eine neue Option zur Erhaltungstherapie nach Stammzelltransplantation

Dtsch Arztebl 2019; 116(20): A-1015 / B-836 / C-824

Eckert, Nadine

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Foto: Science Photo Library7CNRI
Foto: Science Photo Library7CNRI

Die Erhaltungstherapie ist bei Patienten mit Multiplem Myelom nach einer autologen Stammzelltransplantation mittlerweile etabliert. Sie beruht vor allem auf Daten zweier Studien zum Immunmodulator Lenalidomid, die im Jahr 2012 veröffentlicht wurden. Die Studien ergaben eine signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS) unter Lenalidomid, aber auch mehr sekundäre Neoplasien als bei Placebo. Die doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie TOURMALINE-MM3 zeigt eine mögliche Alternative zu Lenalidomid auf: den oralen Proteasom-inhibitor Ixazomib.

Untersucht wurde die Erhaltungstherapie mit Ixazomib bei 656 Patienten mit Multiplem Myelom, die nach einer Standard-Induktionstherapie gefolgt von einer Konditionierung mit hochdosiertem Melphalan (200 mg/m²) und einer autologen Stammzelltransplantation zumindest ein partielles Ansprechen zeigten. Sie erhielten nach der Transplantation an den Tagen 1, 8 und 15 in 28-Tages-Zyklen über 2 Jahre entweder oral Ixazomib oder ein Placebo. Die Anfangsdosis betrug 3 mg Ixazomib und wurde bei Verträglichkeit von Zyklus 5 an auf 4 mg erhöht. Nach median 31 Monaten war in der Ixazomib-Gruppe im Vergleich zu Placebo eine Reduktion des Progressions- oder Sterberisikos um 28 % zu beobachten (median 26,5 [23,7; 33,8] vs. 21,3 Monate [18,0; 24,7]; Hazard Ratio [HR]: 0,72 [0,58; 0,89]; p = 0,0023). In der Ixazomib-Gruppe waren zum Analysezeitpunkt nicht mehr sekundäre Neoplasien aufgetreten als in der Placebogruppe (12 [3 %]) vs. 8 Patienten [3 %]). Schwere Nebenwirkungen traten bei 108 (27 %) der 394 mit Ixazomib behandelten Patienten und 51 (20 %) der 259 Placebopatienten auf. Im Ixazomib-Arm starb ein Patient während der Therapie, in der Placebogruppe keiner.

Fazit: „Als die TOURMALINE-MM3-Studie aufgelegt wurde, war die Erhaltungstherapie mit Lenalidomid keine zugelassene Behandlung, weshalb der Vergleichsarm mit Placebo passend war“, kommentiert Prof. Dr. med. Florian Weißinger, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Hämatologie/Onkologie und Palliativmedizin Johannesstift, Evangelisches Klinikum Bethel, Bielefeld.

„Die Phase-3-Studie zeigt eine Verbesserung des PFS auf 26,5 Monate – im Vergleich zu 21,3 Monaten unter Placebo. Diese Ergebnisse sind nicht ganz vergleichbar mit den Daten für Lenalidomid.“ In einer Metaanalyse von 3 randomisiert-kontrollierten Studien habe das PFS mit Lenalidomid bei > 52 Monaten gelegen (HR: 0,48). „Doch im Beobachtungszeitraum von circa 31 Monaten fanden sich unter Ixazomib keine sekundären Neoplasien. Die Therapie war insgesamt gut verträglich mit einer geringen Neuropathierate und einer Therapieabbruchrate von nur 7 % im Ixazomib-Arm.“

So könnte die Erhaltungstherapie mit Ixazomib eine Alternative zu Lenalidomid sein, vor allem für Patienten, die für eine Lenalidomid-Therapie nicht geeignet sind. Insgesamt sei die Nachbeobachtungszeit allerdings noch zu kurz, um den Stellenwert sicher einschätzen zu können. Nadine Eckert

Dimopoulos MA, Gay F, Schjesvold F, Beksac M, et al. Oral ixazomib maintenance following autologous stem cell transplantation (TOURMALINE-MM3): a double-blind, randomised, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet 2019; 393: 253–64.

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