ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019Prävention: TU Dresden will psychischen Erkrankungen vorbeugen

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Prävention: TU Dresden will psychischen Erkrankungen vorbeugen

Dtsch Arztebl 2019; 116(20): A-1024 / B-840 / C-828

dpa; Kahl, Kristin

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Überforderung und Leistungsdruck: Das sind laut Expertenaussage zwei der Risikofaktoren für psychische Belastungen an den Unis. Foto: fizkes/stock.adobe.com
Überforderung und Leistungsdruck: Das sind laut Expertenaussage zwei der Risikofaktoren für psychische Belastungen an den Unis. Foto: fizkes/stock.adobe.com

Die Technische Universität (TU) Dresden will wachsendem Stress bei Studierenden und Beschäftigten vorbeugen und arbeitet deshalb mit der AOK Plus an einem Maßnahmenpaket. Das Studium und die Arbeit an der Hochschule sollen so gestaltet werden, dass die Gesundheit nicht leide, teilten TU und AOK Plus mit. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung haben TU Dresden und AOK Plus nun unterzeichnet.

Ziel sei es auch, Universitätsmitarbeitende und Studierende in die Lage zu versetzen, erste Symptome für eine psychische Erkrankung selbst zu erkennen und damit eine frühzeitige Behandlung zu ermöglichen. TU-Kanzler Dr. jur. Andreas Handschuh verweist auf eine Zunahme psychischer und psychosomatischer Erkrankungen in der Gesellschaft. Als Grund sieht er Faktoren wie Schnelllebigkeit und Leistungsdruck.

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Handschuh glaubt, dass man an Hochschulen durch die geistige Arbeit besonders gefährdet sei. Manche Studierende seien mit der Organisation ihres Studiums überfordert. „Bei den Mitarbeitern ist es eher das Phänomen, dass sie durch die Digitalisierung ständig erreichbar sind. Sie geraten in ein Hamsterrad und können gar nicht mehr abschalten“, sagt der Kanzler.

Genaue Zahlen zum Ausmaß des Problems gibt es an der TU Dresden nicht. „Das ist mehr eine gefühlte Lage“, sagt Handschuh. Die drei für die psychosoziale Beratung Studierender zuständigen Mitarbeiter seien vollkommen ausgelastet: „Die Nachfrage wächst ständig.“

Nach Ansicht von Prof. Dr. med. Andreas Seidler, Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin an der TU Dresden, ist eine starke Zunahme psychischer Erkrankungen wissenschaftlich nicht belegt. „Wissenschaftlich belegbar ist aber der Zusammenhang zwischen psychischen Belastungen bei der Arbeit und psychischen Erkrankungen“, sagt Seidler und verweist auf Depressionen oder Burn-Out-Symptome. Auslöser dafür seien bekannt, zum Beispiel Zeitdruck oder enge Handlungsspielräume. Psychischer Stress könne auch entstehen, wenn hoher Aufwand bei der Arbeit nicht entsprechend gewürdigt werde.

Er betont, dass es darüber hinaus eine Vielzahl an prekären Arbeitsverhältnissen gebe. „All das, was sich in einer immer flexibleren Arbeitswelt zeigt, gibt es an der Uni schon lange“, sagt Seidler. Die damit verbundene Unsicherheit stelle eine große psychische Beanspruchung dar. Das bedeute ein psychisches Erkrankungsrisiko. Möglichkeiten der eigenen Lebensplanung würden in der Folge eingeschränkt. dpa/kk

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