ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019GOÄ-Ratgeber: Labordiagnostik und medizinische Notwendigkeit

MANAGEMENT

GOÄ-Ratgeber: Labordiagnostik und medizinische Notwendigkeit

Dtsch Arztebl 2019; 116(20): A-1028 / B-846 / C-834

Gorlas, Stefan

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Gebührenrechtliche Auseinandersetzungen zur Frage einer medizinisch notwendigen ärztlichen Versorgung gemäß § 1 Abs. 2 GOÄ, die im Rahmen von Schlichtungsverfahren in den Lan­des­ärz­te­kam­mern bearbeitet werden, betreffen nicht selten die Abrechnung klinisch-chemischer Leistungen. Dass eine vermeintlich teure Labordiagnostik vollständig indiziert sein kann, zeigt das nachfolgende Beispiel.

Ein Patient wendet sich an die zuständige Lan­des­ärz­te­kam­mer, nachdem seine private Kran­ken­ver­siche­rung die Rechnung eines medizinischen Laboratoriums für eine Stuhluntersuchung (drei Proben) über circa 840 Euro überwiegend nicht erstattet hat. Die Kran­ken­ver­siche­rung vertritt die Auffassung, dass die etwa 600 Euro teure Clostridien-Diagnostik im vorliegenden Falle nicht erforderlich gewesen sei.

Anamnestisch war bei dem Patienten während einer stationären Krankenhausbehandlung eine Infektion aufgetreten mit nachfolgender mehrwöchiger Antibiotikabehandlung. Die Indikation zur Stuhldiagnostik erfolgte bei abdominalen Beschwerden, Durchfall und erheblichem Schwächegefühl.

Anzeige

Eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) korreliert in hohem Maße mit einer vorherigen Antibiotikaeinnahme und ist die am häufigsten diagnostizierte bakterielle Ursache für im Krankenhaus erworbene Durchfälle. Bei Nachweis einer solchen Infektion ist vor dem Hintergrund der Tendenz zu fulminant verlaufenden Krankheitsbildern mit einer Letalität bis zu 14 Prozent eine zügige, risikoadaptierte Therapie mittlerweile Standard.

Der Goldstandard der klinisch-chemischen Diagnostik auf Clostridum difficile ist die Stuhlkultur, die jedoch aufgrund ihrer langen Nachweiszeit für die Akutdiagnostik als wenig geeignet angesehen wird. Daher wird in der Fachliteratur eine dreistufige serologische Diagnostik empfohlen.

Zunächst erfolgt ein Suchtest mittels Enzymimmunoassay (EIA) auf das Clostridium-difficile-Antigen, der bei negativem Ergebnis eine Infektion ausschließt. Bei positivem Test, wie bei diesem Patienten, erfolgt im nächsten Schritt der Versuch des Nachweises des Clostridium-difficile-Toxins (Toxin A oder B) mittels EIA. Bei positivem Ergebnis ist die Diagnostik damit abgeschlossen, bei negativem Test, wie im vorliegenden Fall, wird dann der relativ teure PCR-(polymerase chain reaction-)-Test auf toxinproduzierendes Clostridium difficile im Stuhl durch Gennachweis der Toxine durchgeführt.

Die europäische S2K-Leitlinie aus dem Jahr 2015 empfiehlt nach dem positiven Suchtest entweder den Toxinnachweis mittels EIA oder den PCR-Test auf toxinproduzierendes Clostridium difficile.

Bei dem Patienten musste aufgrund seiner Anamnese und Symptome eine potenziell lebensbedrohliche CDI umgehend ausgeschlossen werden. Die vorgenannte dreistufige Diagnostik wurde korrekt durchgeführt und konnte insofern als vollumfänglich indiziert und berechnungsfähig beurteilt werden. Dr. med. Stefan Gorlas

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema