ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019Historische Verantwortung: Charité gibt Gebeine an Maori und Moriori zurück

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Historische Verantwortung: Charité gibt Gebeine an Maori und Moriori zurück

Dtsch Arztebl 2019; 116(20): A-1024 / B-840 / C-828

Maybaum, Thorsten; EB

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„Angemessen und im Sinne der Versöhnung“: Die Repatriierung der Gebeine wertet der neuseeländische Botschafter Rupert Holborow (vorne links) positiv. Foto: Peitz/Charité
„Angemessen und im Sinne der Versöhnung“: Die Repatriierung der Gebeine wertet der neuseeländische Botschafter Rupert Holborow (vorne links) positiv. Foto: Peitz/Charité

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat Gebeine von 109 Vorfahren der Māori und Moriori aus ihren vormaligen anthropologischen Sammlungen an das Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa übergeben. Die Gebeine seien in vermeintlich wissenschaftlicher Absicht vor dem Hintergrund rassisch-wertender Weltanschauung gesammelt worden, erklärte Prof. Dr. med. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité.

Dies sei ethisch nicht tragbar und missachte die Menschenwürde der indigenen Ahnen entschieden. „Dafür möchte sich die Charité als wissenschaftliche Institution bei den Nachfahren in aller Form entschuldigen“, so Pries. Mit der Rückgabe bekenne sich die Charité ausdrücklich zu ethisch verantworteten Grundsätzen einer medizinischen Wissenschaft, erklärte Prof. Dr. med. Thomas Schnalke, Direktor des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité.

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„Die Verbindung zu den tūpuna, unseren Vorfahren, ist dauerhaft und bleibt über Zeit und Ort hinweg erhalten. Es ist unsere Pflicht, sie zurück in ihre Heimat zu holen“, betonte der Māori Co-Direktor des Te-Papa-Museums Arapata Hakiwai im Rahmen der Zeremonie. Unter überseeischen Institutionen wachse das Bewusstsein für die Bedeutung, die der Rückführung sterblicher Überreste der Ahnen zukomme.

Bei den übergebenen menschlichen Überresten handelt es sich um Schädel und Skelettteile von Personen jeden Alters und beider Geschlechter. Wahrscheinlich wurden die Gebeine größtenteils gegen den Willen der indigenen Gemeinschaften aus seinerzeit existierenden Gräbern der Māori und Moriori entnommen. Sie gelangten der Charité zufolge im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert nach Berlin. may/EB

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