ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019Verdacht auf Präeklampsie: Bedeutung des PlGF-Tests zur schnelleren und zuverlässigen Erkennung bestätigt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Verdacht auf Präeklampsie: Bedeutung des PlGF-Tests zur schnelleren und zuverlässigen Erkennung bestätigt

Dtsch Arztebl 2019; 116(20): A-1016 / B-837 / C-825

Meyer, Rüdiger

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Foto: didesign/stock.adobe.com
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Präeklampsie ist eine Gestationshypertonie mit Proteinurie nach der 20. Schwangerschaftswoche. Die Erkrankung erhöht das Sterblichkeitsrisiko für die Mutter und betrifft circa 2 % aller Schwangerschaften in Europa. Die Aussagekraft von Blutdruckmessungen und dem Nachweis der Proteinurie ist begrenzt und häufig vergehen Tage, bis eine effektive Therapie erfolgt. Dopplersonografie und biochemische Marker wie der Placental Growth Factor (PlGF) und das Protein Soluble fms-like Tyrosine Kinase-1 (sFlt1) können die Erkennungsrate verbessern. Ein Abfall von PlGF zeigt eine Störung der Plazentafunktion an, die für die Präeklampsie verantwortlich gemacht wird. In Deutschland wird meist der Quotient sFlt1/PlGF bestimmt, in England nur das PlGF.

Vor Einführung des PlGF-Tests in Großbritannien hat das National Institute for Health Research dessen Aussagekraft in einer Studie mit Stepped-Wedge-Design an 11 Entbindungsstationen prüfen lassen. Dabei wechselten die Kliniken sukzessive von der früheren Diagnostik auf den PlGF-Test. Der Test erfolgte an allen Kliniken, um bei einem Abfall des PlGF, der eine sofortige Intervention erfordert, die Ärzte warnen zu können. Die Testergebnisse wurden in der Kontrollgruppe, soweit vertretbar, zunächst zurückgehalten. Zwischen 2016 und 2017 nahmen insgesamt 1 035 Frauen mit klinischem Verdacht auf Präeklampsie an der Studie teil.

Die Bestimmung des PlGF-Werts hat die mediane Zeit bis zur Diagnose der Präeklampsie von 4,1 Tagen in der Kontrollgruppe auf 1,9 Tage verkürzt. Das Zeitverhältnis von 0,63 war hoch signifikant (p = 0,027; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,15; 0,87]). Der Zeitvorteil von > 2 Tagen wirkte sich für die Schwangeren positiv aus: Während es in der Kontrollgruppe bei 24 von 447 Frauen (5 %) zu Komplikationen kam, war dies in der Testgruppe nur bei 22 von 573 Frauen (4 %) der Fall. Die adjustierte Odds Ratio (aOR) von 0,32 war mit einem p von 0,043 ebenfalls signifikant ([0,11; 0,96]).

Der klinische Nutzen des PlGF-Tests war deutlich. In der Kontrollgruppe kam es zu 5 schweren Komplikationen: 2 Frauen entwickelten eine Eklampsie mit Krampfanfällen, bei 2 Frauen kam es zu Schlaganfällen und bei einer Frau zum Herzstillstand, sie wurde erfolgreich reanimiert. In der Testgruppe gab es keine so schwere Komplikation.

Für die Kinder hatte die Verzögerung der Diagnose dagegen keine negativen Auswirkungen. Der Anteil der Kinder mit perinatalen Problemen lag in der Kontrollgruppe bei 15 % und in der Testgruppe bei 14 % (OR: 1,45 [0,73; 2,90]). Auch der Unterschied im Geburtstermin (36,6 vs. 36,8 Wochen) war unbedeutend (Ø Differenz: –0,52 Tage [–0,63; 0,73]). Der National Health Service will aufgrund der Ergebnisse der Studie den Test einführen.

Fazit: Der Test auf Serum-PlGF hat in einer großen, multizentrischen randomisierten Studie die Diagnose einer Präeklampsie beschleunigt und einige Mütter vor lebensgefährlichen Komplikationen geschützt. Das Ergebnis wird als Bestätigung für den Nutzen des PlGF-Tests bei Verdacht auf Präeklampsie gewertet.

Rüdiger Meyer

Duhig KE, et al.: Placental growth factor testing to assess women with suspected pre-eclampsia: a multicentre, pragmatic, stepped-wedge cluster-randomised controlled trial Lancet 2019; http://daebl.de/RP14.

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