ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2019Fehlerprävention: „Bottom up“-Reporting
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Auf dem Schlachtfeld der Interessen zwischen Assistenzärzten und Krankenhausträgern lichtet das Deutsche Ärzteblatt die Nebel des Pulverdampfes. Es geht nicht nur um Arbeitskosten und Life-Work-Balance. Das einige Jahrzehnte alte Sicherheitskonzept „Reporting“ von James Reason (CIRS) wird angeführt, um auf Patienteninteressen im Tarifkonflikt zu verweisen. Letztlich wird ein grundlegendes Problem unserer Zeit deutlich: Man kann noch so viel „reporten“, ändern tut sich nichts!

Wird dem Petitionsausschuss des Landtages NRW vorgetragen, ein Viertel der ärztlichen Arbeitszeit werde mit Bürokratie verbracht, diese Zeit fehle für die Patienten und gefährde deren Behandlungsqualität und Sicherheit und der Landtag solle sich damit befassen, wird diese Petition zügig für unzulässig erklärt.

Das Sicherheitskonzept Reporting ist mangelhaft, weil bei den Verantwortlichen die Bereitschaft bestehen muss, sich mit den Problemen zu befassen. Ein schlimmes Versagen von Reporting zeigte die Loveparade-Planung in Duisburg: Polizei und Feuerwehr Duisburg hatten heftigst vor der Loveparade gewarnt; doch selbst die damalige Ratsopposition hat diese Warnungen nicht in den Stadtrat zur demokratischen Beratung getragen. Später besetzte diese Partei den Posten des Innenministers NRW mit seiner Pflicht zur Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe.

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Der Sicherheitsexperte Patrick Hudson hat die Forschungen von James Reason fortgeführt und schlägt als Sicherheitskonzept „bottom-up ‚pull‘ rather than top-down ‚push‘“ vor („von unten hoch befördern statt von oben zu drücken“). Eine weise Empfehlung zur Sicherheit – aber auch für die administrativen Beziehungen der Kassenärztlichen Vereinigungen zu den Ärzten (Client-Relation-Management) und für die Erneuerung der Demokratie in Deutschland und Europa (Citizen-Relation-Management). Wer beginnt aufzuschreiben, wie das genau geht?

Dr. med. Ulrich Müller, 47198 Duisburg

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