ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2019Postoperative kognitive Dysfunktion beachten

MEDIZIN: Diskussion

Postoperative kognitive Dysfunktion beachten

Dtsch Arztebl Int 2019; 116(21): 376; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0376a

Kratz, Torsten; Diefenbacher, Albert

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Artikel verknüpft in gelungener Weise das Thema Krankenhausbehandlung mit dem Risiko, ein postoperatives Delir (POD) zu entwickeln. Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich nicht um ein „Durchgangssyndrom“ als passagere Erkrankung handelt, sondern dass POD mit erhöhter Letalität, längerem Kranken­haus­auf­enthalt und schlechterem Behandlungsergebnis einhergeht. Die Arbeit propagiert strukturierte und konsequente Durchführung validierender Testverfahren sowie präventive und therapeutische Ansätze mit nichtmedikamentösen Verfahren. Die Autoren schlussfolgern, dass ausreichende Delirprävention, zeitnahe Diagnostik, Identifikation auslösender Faktoren und rascher Beginn kausaler Therapien entscheidend für den Behandlungserfolg sind (1).

Unsere Arbeitsgruppe zur Prävention des POD möchte ergänzen, dass anhaltende kognitive Funktionsstörungen nach einem Delir auch durch eine postoperative kognitive Dysfunktion (POCD) ausgelöst werden können (2). POCD kann postoperativ bis zu zwei Jahre anhalten. POD ist dabei ein wichtiger Risikofaktor für POCD. Das Vorhandensein somatischer Erkrankungen und subklinisch deliranter Symptomatik präoperativ sind wichtige Risikofaktoren für POD und POCD. Dessen Prävention erfordert die Identifikation subklinisch deliranter Symptomatik und somatischer Erkrankungen bereits präoperativ, die dann kompensiert werden müssen. Eigene Untersuchungen (3) konnten dies zeigen. Wichtige somatische Erkrankung war beispielsweise ein präoperativ bestehender Harnwegsinfekt. Delirprävention im Allgemeinkrankenhaus ist aber nur ein Aspekt der adäquaten Versorgung kognitiv eingeschränkter Menschen im Allgemeinkrankenhaus. Durch die konsequente gerontopsychiatrische Versorgung von Heimbewohnern mit Demenz kann das Risiko für erneute Krankenhauseinweisung und Delir verringert werden (4). Neben Delirprävention im Krankenhaus muss also auch die ambulante Versorgung Demenzerkrankter als Schnittstelle zum Krankenhaus gestärkt werden. Die vorliegende Arbeit ermutigt hierzu.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0376a

Prof. Dr. med. Torsten Kratz

Prof. Dr. med. Albert Diefenbacher, MBA

Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH,

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Berlin

T.Kratz@keh-berlin.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Zoremba N, Coburn M: Acute confusional states in hospital. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 101–6 VOLLTEXT
2.
Kratz T, Diefenbacher A: Kognitive Akut- und Langzeitfolgen intensivmedizinischer Behandlung. Nervenarzt 2016; 87: 246–52 CrossRef MEDLINE
3.
Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbachern A: The prevention of postoperative confusion—a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96 VOLLTEXT
4.
Kirchen-Peters S, Diefenbacher A: Gerontopsychiatrische Konsiliar- und Liaisondienste – eine Antwort auf die Herausforderung Demenz? Z Gerontol Geriatr 2014; 47: 595–604 CrossRef MEDLINE
1.Zoremba N, Coburn M: Acute confusional states in hospital. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 101–6 VOLLTEXT
2.Kratz T, Diefenbacher A: Kognitive Akut- und Langzeitfolgen intensivmedizinischer Behandlung. Nervenarzt 2016; 87: 246–52 CrossRef MEDLINE
3.Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbachern A: The prevention of postoperative confusion—a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96 VOLLTEXT
4.Kirchen-Peters S, Diefenbacher A: Gerontopsychiatrische Konsiliar- und Liaisondienste – eine Antwort auf die Herausforderung Demenz? Z Gerontol Geriatr 2014; 47: 595–604 CrossRef MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige