Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ergänzend zu dieser wertvollen Darstellung des Bedarfs an perioperativer Altersmedizin weisen wir darauf hin, dass eine rechtzeitige Einleitung individueller Präventionsmaßnahmen durch eine Multikomponenten-Intervention Delirprävalenz und -ausmaß im Krankenhaus senken kann (1, 2). Bisher fanden entsprechend strukturierte Konzepte im deutschen Raum selten Anwendung. Mit PAWEL startete 2017 eine durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses geförderte multizentrische Studie zur Prävention von Delirien und postoperativer kognitiver Dysfunktion (POCD) (3, 4). Hierfür wurden in sieben Krankenhäusern bereits über 1 200 Patienten rekrutiert, prä- und poststationär gescreent und randomisiert einer täglichen multimodalen Intervention zugeführt.

Im Fokus des Projekts stehen neben der Evaluation der perioperativen Delirprävalenz die Entwicklung eines Risikoscores zur präoperativen Delirrisikoerkennung und die Umsetzung eines dreistufigen, multiprofessionellen Schulungskonzeptes für die Behandelnden. Erstmals in Europa wird eine Delirstudie multizentrisch an einer großen deutschen Kohorte durchgeführt, die POCD-Prävalenz nach 2, 6 und 12 Monaten postoperativ erhoben und deren Beeinflussbarkeit durch nicht pharmakologische Maßnahmen geprüft.

Besonderes Augenmerk gilt der gesundheitsökonomischen Evaluation (Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen und der AOK Baden-Württemberg), in der die Kosten potenzieller Delirfolgen erfasst werden. Die Versorgungsstrukturanalyse soll zeigen, dass eine transsektorale Intervention mit multiprofessionellen Schulungen und täglicher Prävention anhand des Delirrisikoscores für Leistungserbringer kosteneffektiv ist, bei gesteigerter Ergebnisqualität keine zusätzlichen Kosten entstehen und Pflegebedarf sowie Pflegeanforderungen geringer sind als bei der Standardbehandlung. Die Ende 2020 erwarteten Ergebnisse sollen die Basis für deutsche Leitlinien zu Prävention und Management des Delirs und der häufig unzureichend definierten POCD bilden, in die Qualitätsverträge des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesens (IQTIG) mit den Kassen eingehen und so die Behandlungsqualität für Risikopatienten verbessern sowie die Abwägung der Indikation und Lebensqualitätsverbesserung einer Elektivoperation erleichtern.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0373a

PD Dr. med. Christine Thomas
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere
Krankenhaus Bad Cannstatt, Klinikum Stuttgart
c.thomas@klinikum-stuttgart.de

Patricia Sabbah, MA; MSc.
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie für Ältere
Krankenhaus Bad Cannstatt, Klinikum Stuttgart

Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Rapp
Professur Sozial- und Präventivmedizin, Universität Postdam

Prof. Dr. med. Gerhard Eschweiler
Geriatrisches Zentrum Universitästklinikum Tübingen

Interessenkonflikt

Prof. Rapp erhielt Honorare für Beratertätigkeiten von Lilly, Malteser Deutschland GmbH und Project GmbH. Für eine Autorenschaft und Vorträge wurde er honoriert von der Dr. Willmar Schwabe GmbH. Für Vorträge erhielt er Gelder vom Forum für medizinische Fortbildung FormF GmbH, der Akademie Heiligenfeld gGmbH, der Labor 28 GmbH, der Alzheimer Gesellschaft Brandenburg, der Wichern Krankenhaus GmbH, der DKH Henriettenstiftung gGmbH, dem Gemeindepsychiatrischen Verbund, der Altenhilfe gGmbH – Friederich von Bodelschwingh Klinik, der Ruppiner Kliniken GmbH und dem Klinikum Quakenbrück.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Olotu C, Weimann A, Bahrs C, Schwenk W, Scherer M, Kiefmann R: The perioperative care of older patients—time for a new, interdisciplinary approach. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 63–9 VOLLTEXT
2.
Siddiqi N, Harrison JK, Clegg A, et al.: Interventions for preventing delirium in hospitalised non-ICU patients. Cochrane Database Syst Rev 2016; 3: CD005563 CrossRef
4.
Sánchez A, Thomas C, Deeken F, et al.: Patient safety, cost-effectiveness, and quality of life: reduction of delirium risk and postoperative cognitive dysfunction after elective procedures in older adults—study protocol for a stepped-wedge cluster randomized trial (PAWEL Study). Trials 2019; 20: 71 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Olotu C, Weimann A, Bahrs C, Schwenk W, Scherer M, Kiefmann R: The perioperative care of older patients—time for a new, interdisciplinary approach. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 63–9 VOLLTEXT
2.Siddiqi N, Harrison JK, Clegg A, et al.: Interventions for preventing delirium in hospitalised non-ICU patients. Cochrane Database Syst Rev 2016; 3: CD005563 CrossRef
3.Gemeinsamer Bundes­aus­schuss – Innovationsausschuss: PAWEL-Studie https://innovations-fonds.g-ba.de/projekte/versorgungsforschung/pawel-patientensicherheit-wirtschaftlichkeit-und-lebensqualitaet-reduktion-von-delirrisiko-und-postoperativer-kognitiver-dysfunktion-pocd-nach-elektivoperationen-im-alter.16 (last accessed on 26 February 2019).
4.Sánchez A, Thomas C, Deeken F, et al.: Patient safety, cost-effectiveness, and quality of life: reduction of delirium risk and postoperative cognitive dysfunction after elective procedures in older adults—study protocol for a stepped-wedge cluster randomized trial (PAWEL Study). Trials 2019; 20: 71 CrossRef MEDLINE PubMed Central

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige