ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2019Präoperatives Screening nötig
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Der Artikel (1) verknüpft in gelungener Weise das Thema zunehmender Alterung unserer Gesellschaft, wachsender Patientengruppe Älterer im Allgemeinkrankenhaus und erhöhtes postoperatives Risiko (1). Die Autoren weisen darauf hin, dass bedarfsgerechte Versorgung Älterer neben interdisziplinärer Zusammenarbeit auch Anpassung und Optimierung von Krankenhausabläufen benötigt. Die bestehenden perioperativen Behandlungspfade werden im Alltag noch nicht ausreichend umgesetzt. Dankbar sind wir, dass das postoperative Delir (POD) in diesem Zusammenhang aufgegriffen wird. POD ist relevanter Risikofaktor für das Outcome, Pflegebedürftigkeit und Heimeinweisung Demenzerkrankter.

Die Arbeit propagiert POD-Screening bis zum fünften postoperativen Tag. Unsere Arbeitsgruppe zur Prävention des POD möchte ergänzen, dass das Delir-Screening bereits intensiv präoperativ erfolgen sollte. Eigene Untersuchungen (2) konnten zeigen, dass in Abhängigkeit vom körperlichen und kognitiven Status Älterer ein bereits bei Aufnahme bestehendes subklinisches Delir wichtiger Risikofaktor für POD und dessen Folgen ist. Bei den über 70-Jährigen sind 10–20 % bei Krankenhausaufnahme bereits delirant (3). Wir schlagen vor, das Delir-Screening bereits ins präoperative Assessment (neben Gebrechlichkeit, Kognition, Osteoporose, Sturzgefahr, Mangelernährung, Multimedikation) aufzunehmen.

Zusätzlich möchten wir darauf hinweisen, dass neben dem POD auch die Postoperative kognitive Dysfunktion (POCD) auftreten kann. POCD kann postoperativ bis zu zwei Jahre anhalten. Dabei ist POD ein wichtiger Risikofaktor für POCD und damit das Vorhandensein von somatischen Erkrankungen und eben auch subklinisch deliranter Symptomatik präoperativ (4).

Die Wahrnehmung des POD als hochrelevanten Risikofaktor für die spätere Lebensqualität Älterer sollte denselben Stellenwert wie andere präoperative Diagnostik und Therapie bekommen und in präoperativer Aufklärung Älterer inkludiert sein. Die vorliegende Arbeit ermutigt hierzu.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0374a

Prof. Dr. med. Torsten Kratz

Prof. Dr. med. Albert Diefenbacher, MBA
Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH
Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Berlin

T.Kratz@keh-berlin.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Olotu C, Weimann A, Bahrs C, Schwenk W, Scherer M, Kiefmann R: The perioperative care of older patients—time for a new, interdisciplinary approach. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 63–9 VOLLTEXT
2.
Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbacher A: Preventing postoperative delirium: a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96 VOLLTEXT
3.
Levkoff S, Cleary P, Liptzin B: Epidemiology of delirium: an overview of research issues and findings. International Psychogeriatrics 1991; 3: 149–67 CrossRef
4.
Kratz T, Diefenbacher A: Kognitive Akut- und Langzeitfolgen intensivmedizinischer Behandlung. Nervenarzt 2016; 87: 246–52 CrossRef MEDLINE
1.Olotu C, Weimann A, Bahrs C, Schwenk W, Scherer M, Kiefmann R: The perioperative care of older patients—time for a new, interdisciplinary approach. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 63–9 VOLLTEXT
2.Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbacher A: Preventing postoperative delirium: a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96 VOLLTEXT
3.Levkoff S, Cleary P, Liptzin B: Epidemiology of delirium: an overview of research issues and findings. International Psychogeriatrics 1991; 3: 149–67 CrossRef
4.Kratz T, Diefenbacher A: Kognitive Akut- und Langzeitfolgen intensivmedizinischer Behandlung. Nervenarzt 2016; 87: 246–52 CrossRef MEDLINE

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