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Das postoperative Delir ist eine der häufigsten und verheerendsten Komplikationen des älteren Patienten. Kratz und Diefenbacher betonen zu Recht, dass ein Delir durchaus auch präoperativ vorliegen kann. Patienten mit präoperativem Delir werden in der Kognitionstestung, die im Rahmen des präoperativen Assessments empfohlen wird, einen auffälligen Befund präsentieren. Es ist eine sinnvolle Ergänzung, in diesem Fall die Möglichkeit des präoperativen Delirs zu erwägen und ein Delirscreening durchzuführen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Aspekte „Fluktuation“ und „akuter Beginn“ nach ICD-10 hier gegebenenfalls schwierig zu beurteilen sein werden. Ebenso wie Kratz und Diefenbacher betont auch Thomas die hohe Relevanz der postoperativen kognitiven Dysfunktion (POCD), die sich aus einem Delir entwickeln kann. In unserem Artikel schreiben wir von den gravierenden Spätfolgen des Delirs, ohne die POCD beim Namen zu nennen. Dieses Krankheitsbild ist hier jedoch explizit mit eingeschlossen, zusätzlich jedoch auch alle kognitiven Veränderungen, die sich negativ auf die Lebensqualität und Alltagsfunktionalität des Patienten auswirken, ohne die Kriterien der POCD zu erfüllen. Die Feststellung einer POCD erfolgt in der Regel ausschließlich nach psychometrischen Testergebnissen, Patienten-relevante Faktoren wie Auswirkungen auf Selbstständigkeit und Aktivitäten des täglichen Lebens fließen oftmals nicht mit ein. Zudem wird außerhalb chirurgisch und anästhesiologischer Fachkreise immer wieder eine „Neudefinition“ des Begriffes der POCD gefordert (1).

Die vielversprechende PAWEL-Studie von Thomas et al. wird von den Autoren mit Spannung verfolgt. Delirprävention ist ein wesentliches Therapieziel der perioperativen Altersmedizin. Die Implementierung entsprechender Maßnahmen scheitert in der Praxis nicht selten an zeitlichen und personellen Ressourcen. Die gesundheitsökonomische Evaluation vor allem der – schwer monetär zu fassenden – Spätkosten des Delirs gibt dieser Studie eine herausragende Bedeutung. Es ist zu hoffen, dass dadurch gezeigt wird, dass der finanzielle Mehraufwand der Delirprävention höchstens kurzfristig besteht, langfristig jedoch Kosten für Gesundheitssystem und Gesellschaft gespart werden können.

Abschließend soll betont werden, dass unsere Forderung nach einer perioperativen Altersmedizin keineswegs eine Missachtung der geriatrischen Expertise darstellt, wie von Burkhard befürchtet. Auf die Expertise der geriatrischen Fachabteilungen kann in der perioperativen Versorgung älterer Patienten nicht verzichtet werden. Angesichts der Anzahl der betroffenen Patienten und der vielen Kliniken, in denen keine geriatrischen Fachabteilungen vorhanden sind, wird es nicht möglich sein, jeden älteren Risikopatienten geriatrisch vorzustellen und zu begleiten. Gerontologisches „Basiswissen“ fehlt allzu oft in unserem klinischen Regelbetrieb. Unsere Forderung zielte daher vor allem darauf ab, gerade nicht geriatrische Behandler für die Besonderheiten des älteren Patienten zu sensibilisieren – damit perioperative Altersmedizin auch dort gelebt werden kann, wo kein Geriater vor Ort ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0374b

Für die Autoren

Dr. med. Cynthia Olotu

Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie

c.olotu@uke.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Evered L, Silbert B, Knopman DS, et al.: Recommendations for the nomenclature of cognitive change associated with anaesthesia and surgery-2018. Br J Anaesth 2018; 121: 1005–12 CrossRef MEDLINE
2.
Olotu C, Weimann A, Bahrs C, Schwenk W, Scherer M, Kiefmann R: The perioperative care of older patients—time for a new, interdisciplinary approach. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 63–9 VOLLTEXT
1.Evered L, Silbert B, Knopman DS, et al.: Recommendations for the nomenclature of cognitive change associated with anaesthesia and surgery-2018. Br J Anaesth 2018; 121: 1005–12 CrossRef MEDLINE
2.Olotu C, Weimann A, Bahrs C, Schwenk W, Scherer M, Kiefmann R: The perioperative care of older patients—time for a new, interdisciplinary approach. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 63–9 VOLLTEXT

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