ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2000Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie: Minderheitenvotum

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie: Minderheitenvotum

Dtsch Arztebl 2000; 97(1-2): A-63 / B-48 / C-48

Richter, Rainer

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1. Formal


Der Wissenschaftliche Beirat war nach Meinung der Minderheit in seiner Sitzung am 29./30. September 1999 aus folgendem Grund nicht in der Lage, die Anfrage zur wissenschaftlichen Anerkennung der Gesprächspsychotherapie abschließend zu beantworten: Aus der Stellungnahme der beiden Berichterstatter, welche die von der GwG eingereichten Unterlagen, insbesondere die wissenschaftlichen Studien, im Detail überprüften, geht unter anderem hervor, dass die den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats im Juli zur Verfügung gestellte Dokumentation der GwG unvollständig und unrichtig sei. Außerdem konnten die Berichterstatter nicht ausschließen, dass aufgrund der unzureichenden Dokumentation andere relevante Studien nicht berücksichtigt worden seien. Diese Stellungnahme der beiden Berichterstatter wurde den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats erst in der Sitzung am 30. September 1999 als Tischvorlage zur Kenntnis gegeben. Die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats hatten somit keine Gelegenheit, die Unterlagen, insbesondere die Veröffentlichungen zu den wissenschaftlichen Studien (die den Berichterstattern allerdings erst wenige Tage vor der Sitzung am 29./30. September vorgelegt worden waren), einzusehen und sich auf diese Weise selber ein Urteil zu bilden.

2. Inhaltlich


In der Stellungnahme der Berichterstatter (und wohl auch in der vorgelegten Dokumentation) werden zur Beurteilung ausschließlich kontrollierte Wirksamkeitsstudien (im Sinne von efficacy) herangezogen. Dies steht nicht im Einklang mit den Kriterien des Wissenschaftlichen Beirats, wonach bei der Beurteilung der wissenschaftlichen Anerkennung auch andere Studien (zum Beispiel Einzelfallstudien, insbesondere aber effectiveness-Studien) berücksichtigt werden können. Das Mitglied Prof. Richter sah sich daher nicht in der Lage, die Anfrage nach der wissenschaftlichen Anerkennung der Gesprächspsychotherapie abschlägig zu beantworten; ein Antrag auf Vertagung wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.

Hamburg, den 4. Oktober 1999


Prof. Dr. Rainer Richter

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