ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2019Public Health: Hohe Versterbensquote
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... Am Beispiel der S.-aureus-Bakteriämie (SaB) kommen die Autoren zur Schlussfolgerung, dass durch Einbeziehung von Infektiologen die Sterblichkeit auf bis zu 15 % gesenkt werden kann. Hier werden unserer Ansicht nach Erwartungen geweckt, die bei diesem Krankheitsbild wohl kaum zu erfüllen sind, wie sie unsere eigenen Daten belegen. Im Deutschen Ärzteblatt erschien in der Serie „Klug entscheiden … in der Infektiologie“ (1) eine Positivempfehlung zum leitliniengerechten Umgang mit Patienten mit einer SaB. Diesen Artikel nahmen wir zum Anlass, für alle 53 Verbund-Kliniken der Sana Kliniken AG eine verbindliche Regelung festzulegen, nach der jeder Patient mit dem Nachweis von S. aureus in der Blutkultur ein Konsil durch einen in allen unseren Kliniken vorhandenen ABS-Experten erhält, um das diagnostische und therapeutische Vorgehen bestmöglich umzusetzen. Alle Fälle werden einheitlich dokumentiert und zentral ausgewertet. In den Jahren 2017/18 wurden insgesamt 3 368 SaB-Fälle bei rund 1,2 Mio. stationären Patienten erfasst. Der Effekt der ABS-Beratung zeigte sich in der Zunahme der quartalsweisen Fallzahlen um 15 % vor allem durch eine Steigerung der Blutkulturfrequenz um nahezu 50 % auf 42 Blutkulturen/1 000 Patiententage. Die systematische Fokussuche (Steigerung der TEE- und MRT-Zahlen um über 50 %) und die konsequente Umsetzung der gezielten Antibiotikatherapie mit Flucloxacillin oder Cefazolin sind Ausdruck einer beeindruckenden Leitlinienadhärenz. Ein signifikanter Einfluss auf die Sterblichkeit – sie lag für die Gesamtpopulation bei 33,2 % – ließ sich allerdings nicht belegen, was auf folgende Gründe zurückzuführen ist: Erstens ist die SaB überwiegend eine Erkrankung des sehr hohen Lebensalters (mittleres Alter unserer Kohorte 79 Jahre) und somit mit einer Vielzahl von überlebenslimitierenden Komorbiditäten assoziiert. Zweitens kamen 63 % aller Patienten mit der SaB zur Krankenhausaufnahme, wovon wiederum 10 % innerhalb der ersten 48 Stunden nach Aufnahme verstarben. Dies war wohl am ehesten dadurch bedingt, dass die Schwere der Erkrankung außerhalb des Krankenhauses nicht erkannt wurde und die Einweisung ins Krankenhaus zu spät erfolgte. Drittens lag bei einem Viertel der verstorbenen Patienten eine Therapielimitation entweder auf Wunsch des Patienten oder wegen einer infausten Prognose vor. Berücksichtigt man nur die beiden letztgenannten Patientengruppen, so kommen wir hier bereits auf eine im Prinzip „unvermeidliche“ Versterbensquote von 14 %. Dem unwidersprochen bleibt aber dennoch die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit von ABS- und infektiologischer Beratung im Sinne der Verbesserung der Behandlungsqualität mit Vermeidung von Rezidiven oder SaB-bedingten Wiederaufnahmen.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Heinrich K. Geiss, 85737 Ismaning

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