ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2019Praxisgründung: Gut abgesichert in die Niederlassung

MANAGEMENT

Praxisgründung: Gut abgesichert in die Niederlassung

Dtsch Arztebl 2019; 116(21): A-1078 / B-886 / C-874

Zoll, Ingo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wer eine Praxis gründet, hat viele Entscheidungen zu treffen und muss sich zu vielen Themen informieren. Versicherungen stehen dabei häufig nicht im Vordergrund. Dennoch sind sie zum Teil ein Muss, zum Teil sinnvolle Ergänzung, um sorgenlos den Praxisalltag zu meistern.

Foto: sumkinn/iStock
Foto: sumkinn/iStock

Die meisten Gründerinnen und Gründer denken in der Regel beim Thema Versicherungen in erster Linie an die eigene Krankentagegeld- und an die Berufsunfähigkeitsversicherung. Ohne Zweifel zwei existenzielle Absicherungen, sollte die Berufsausübung nicht mehr möglich sein oder vorübergehende Arbeitsunfähigkeit eintreten. Was ist aber mit der jungen Praxis, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder den Leasinggebühren? Denn trotz größter Sorgfalt können Fehler passieren, unerwartete Reparaturen anstehen oder Schadensfälle eintreten.

Anzeige

In den meisten Fällen helfen Sachversicherungen, und auch hier gibt es Pflicht und Kür. Zur ersten Kategorie gehört die Berufshaftpflichtversicherung: Ärztinnen und Ärzte haften ihren Patientinnen und Patienten gegenüber grundsätzlich mit ihrem Privatvermögen. Dass die Berufshaftpflichtversicherung für selbstständige Heilberufler in den meisten Bundesländern über die Berufsordnung verpflichtend ist, zeigt, wie wichtig diese Absicherung ist. Sie greift, wenn ein Patient durch einen Fehler, eine Nebenwirkung oder vielleicht unterlassene Behandlung einen Schaden erleidet. Dazu gehören zum Beispiel auch Dokumentationsfehler, die während der Patientenaufklärung digital falsch erfasst werden. Unabhängig davon, wie schwerwiegend oder beeinträchtigend der Schaden ist, können schnell mehrere Tausend Euro Aufwand ausgelöst werden, wenn zum Schadenersatz auch Honorare für Spezialanwälte und Gutachter hinzukommen.

Praxisinhaltversicherung für das Inventar

Ein „Basic“ innerhalb der Versicherungssparten ist die Praxisinhaltversicherung. Etwa 25 Prozent der Gesamtinvestitionen eines Hausarztes, der eine Einzelpraxis übernimmt, entfallen auf medizinischtechnische Geräte, Einrichtungen und sonstiges Inventar. Das hat die Existenzgründungsanalyse 2016 der Deutschen Apotheker- und Ärztebank ergeben. Diese Investitionen gilt es gegen Risiken wie Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Raub und Einbruchdiebstahl inklusive Vandalismus abzusichern. So können nach solchen Notfällen Praxisräume zügig wieder instand gesetzt oder die Ausstattung repariert beziehungsweise ausgetauscht werden.

Eine weitere Risikovorsorge im eigenen Interesse ist die Praxisausfallversicherung. Eine vorübergehende Praxisschließung über Wochen ist eher selten notwendig, aber nicht ausgeschlossen – beispielsweise aufgrund eines plötzlichen Unfalls, sei es beim Skilaufen oder beim Klettern. Laufende Kosten, die die Praxis verursacht, können über die entsprechende Versicherung gedeckt werden. Darunter fallen Ausgaben wie Miete, Stromkosten, Wassergebühren und Heizung, aber auch Versicherungsbeiträge, Mitarbeiterlöhne, Gerätekredite und Leasingkosten.

Zur Grundausstattung eines Praxischefs sollte auch die Rechtsschutzversicherung gehören. Für den Fall, dass man einmal mit Krankenkassen in Konflikt gerät oder es zu einer Auseinandersetzung mit Praxispartnern, Angestellten oder Vermietern kommt, unterstützt die Rechtsschutzversicherung bei der Durchsetzung der Interessen. Auch bei ausstehenden Patientenrechnungen oder Unstimmigkeiten wegen Datenschutzverletzungen bringt diese Versicherungsart willkommene Entlastung, indem sie die streitigen Fälle übernimmt.

Versicherungen gehören in den Businessplan

Der Praxisgründer muss im ersten Schritt der Gründungsphase wissen, welche Einnahmen er erwarten kann, aber auch, welche Ausgaben er kalkulieren muss. Je konkreter diese Positionen, desto aussagekräftiger der Businessplan. Der Posten „gewerbliche Sachversicherungen“ darf nicht fehlen. Er vervollständigt den detaillierten Businessplan, sodass im zweiten Schritt die individuelle Finanzierung erstellt werden kann.

Der Existenzgründer kann anhand einer solchen ausführlichen Übersicht erkennen, ob der umfängliche Versicherungsschutz im akzeptablen Verhältnis zu den Einnahmen und den übrigen Kosten steht. Geht man von durchschnittlichen Ausgaben einer hausärztlichen Praxis (Allgemeinmedizin und Innere Medizin) von 150 881 Euro pro Jahr* aus, so liegt der Anteil für die aufgeführten Sachversicherungen und Gebühren bei circa zwei Prozent.

Viel kleiner fällt allerdings der Wert aus, wenn er an den Praxiseinnahmen gemessen wird. Ein Rechenbeispiel für die ersten fünf Jahre nach der Praxisgründung ergibt folgende Situation: Die Summe der durchschnittlichen Praxiseinnahmen liegt hier bei 1 596 890 Euro (siehe Kasten). Im gleichen Zeitraum – also in den ersten fünf Jahren – fallen für Versicherungen im Schnitt 15 482,65 Euro an. Anteilsmäßig sind es nun lediglich 0,97 Prozent, die aus den gesamten Einnahmen für Versicherungsschutz ausgegeben werden.

Ein relativ kleiner Betrag also, aber mit großer Wirkung, wenn man in Bedrängnis kommt. Denn solche Absicherung beruhigt und minimiert den finanziellen aber auch zeitlichen Aufwand, wenn ein Schaden beziehungsweise ein Streitfall eintritt. Ingo Zoll

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Weiterführende Informationen

  • Die folgende Beispielrechnung gilt für ambulant (nicht operativ) tätige Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner und sichert die drei Bausteine Berufshaftpflicht, Praxisvielschutzversicherung und Praxisausfallversicherung ab. Grundlage der Rechnung sind Daten von 630 Hausärztinnen und Hausärzten sowie Allgemeinmedizinern ausgewertet worden. Aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse und Faktoren anderer Facharztrichtungen, können leider keine verallgemeinernden Zahlen genannt werden*.

Berufshaftpflicht
Versicherungssumme:
5 Millionen Euro pauschal für Personen- und Sachschäden
1 Million Euro für Vermögensschäden, zweifach maximiert

Jahresnettobeitrag
707,20 Euro (inklusive 15 Prozent für die Mitglieder der Lan­des­ärz­te­kam­mern, außer Rheinland-Pfalz)

Praxisvielschutzversicherung
inklusive Klein-Betriebsunterbrechung und Elementarschäden

Inventarversicherungssumme: 150 000 Euro
Elektronik: 20 000 Euro
Inventar und Klein-Betriebsunterbrechungs-Versicherung: 226,50 Euro
Elementargefahrenversicherung: 41,25 Euro
Elektronikpauschalversicherung: 80,00 Euro

Gesamtbeitrag netto: 347,75 Euro

Praxisausfallversicherung:
Versicherungssumme: 120 000 Euro

Jahresnettobeitrag: 1 128,55 Euro (inklusive 15 Prozent Schadenfreiheitsvorausrabatt)

  • Ein Online-Tool, mit dessen Hilfe sich Praxisgründer zu den im Zuge ihrer Niederlassung relevanten gewerblichen Versicherungsprodukten informieren, Angebote anfordern und Produktabschlüsse vornehmen können, bietet die Deutsche Apotheker- und Ärztebank gemeinsam mit der Deutsche Ärzte Finanz.

www.apobank.de/sachversicherung

  • Auf der Webseite von Operation Karriere gibt es eine Übersicht von Versicherungen, mit denen sich Assistenzärztinnen und -ärzte gegen Risiken beim Einstieg in das Berufsleben absichern können. Verpflichtend ist eine Sozialversicherung. Eine Berufshaftpflichtversicherung ist meist über das Klinikum abgedeckt, sie gilt aber nur während der Arbeitszeit im Krankenhaus und auf den Fahrtwegen. Eine private Berufshaftpflichtversicherung deckt ab, wenn man in der Freizeit Nothilfe leistet und jemandem einen bleibenden Schaden zufügt. Kann der Beruf aufgrund eines schweren Unfalls oder aus anderen Gründen nicht mehr ausgeübt werden, greift die Berufsunfähigkeitsversicherung.

http://daebl.de/RW44

* Quelle: Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung: ZI – Praxis-Panel, Stand: September 2018

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema