ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Akzidentelle Injektion des Daumens mit einem Epinephrin-Autoinjektor

WISSENSCHAFT

Akzidentelle Injektion des Daumens mit einem Epinephrin-Autoinjektor

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [40]

Fritz, Tobias; Pohlemann, Tim; Klein, Moritz

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Rechter Daumen mit auffälligem „Blanching“-Phänomen
Rechter Daumen mit auffälligem „Blanching“-Phänomen
Abbildung
Rechter Daumen mit auffälligem „Blanching“-Phänomen

Eine 45-jährige Patientin stellte sich nach akzidenteller Injektion mit einem Epinephrin-Autoinjektor vor. Ihr Daumen zeigte eine Minderperfusion mit blassem Hautkolorit („Blanching“) sowie eine verlängerte Rekapillarisierungszeit und war palpatorisch kalt. Wir behandelten die Patientin topisch, mit einer Cayenne-Pfeffer-haltigen Wärmecreme, Nitroglycerin-Spray und lokaler Wärme, ohne gesicherten Nachweis der Wirksamkeit einer solchen Behandlung in der Literatur. Nach vier Stunden zeigte der Daumen eine vollständige Reperfusion, sodass keine weiteren therapeutischen Maßnahmen, wie die in der Literatur beschriebene mehrfach angewendete Injektion von Phentolamin, durchgeführt wurden. Die Anzahl im Umlauf befindlicher Epinephrin-Pens nimmt stetig zu, somit handelt es sich bei einer versehentlichen Injektion um keinen Einzelfall. Jedoch führte auch in diesem Fall die hohe Epinephrin-Dosis nicht zu der gefürchteten Nekrose mit drohender Teil-/Amputation, wie in 99 % der in der Literatur beschriebenen Fälle. Nach aktuellem Stand der Literatur gibt es keine Evidenz für die klinische Notwendigkeit oder die gesicherte Wirksamkeit einer Therapie nach Epinephrin-Injektion eines Fingers. Es gibt keine Evidenz über die Wirksamkeit der therapeutischen Maßnahmen im hier beschrieben Fall. Hierzu sind weitere Studien künftig notwendig.

Dr. med. Tobias Fritz, Prof. Dr. med. Tim Pohlemann, Dr. med. Moritz Klein,
Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg, tobias.fritz@uks.eu

Anzeige

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Fritz T, Pohlemann T, Klein M: Accidental thumb injection with an epinephrine autoinjector. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 804. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0804

The English version of this article is available online: www.aerzteblatt-international.de

Rechter Daumen mit auffälligem „Blanching“-Phänomen
Rechter Daumen mit auffälligem „Blanching“-Phänomen
Abbildung
Rechter Daumen mit auffälligem „Blanching“-Phänomen

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema