ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Gesundheitsmanagement im Krankenhaus: Die seelische Gesundheit stärken

POLITIK

Gesundheitsmanagement im Krankenhaus: Die seelische Gesundheit stärken

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [13]

Osterloh, Falk

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
„Unser Eindruck ist, dass weiche Faktoren im ärztlichen Arbeitsalltag als zunehmend wichtiger erkannt werden.“Harald Gündel, Universitätsklinikum Ulm (Referent auf dem 122. Deutschen Ärztetag)Foto: Universitätsklinikum Ulm
„Unser Eindruck ist, dass weiche Faktoren im ärztlichen Arbeitsalltag als zunehmend wichtiger erkannt werden.“
Harald Gündel, Universitätsklinikum Ulm (Referent auf dem 122. Deutschen Ärztetag)
Foto: Universitätsklinikum Ulm

In dem Verbundprojekt SEEGEN wird daran gearbeitet, die psychische Gesundheit von Klinikmitarbeitern zu stärken. Ziel ist unter anderem, Führungskräfte für das betriebliche Gesundheits-management zu sensibilisieren und Wege aus krank machenden Zwickmühlen zu finden.

Das berufliche Umfeld eines Menschen hat einen großen Einfluss sowohl auf dessen Gesundheit als auch auf die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten. Gesundheit kann zum Beispiel durch die Chance befördert werden, Anerkennung zu erfahren, kreativ und produktiv zu sein und soziale Kontakte zu knüpfen. Negativ kann die Gesundheit eines Arbeitnehmers beeinflusst werden, wenn die aus umfangreichen Anforderungen bestehende, modern verdichtete Arbeitswelt zum Beispiel Gefühle von Überforderung oder Entfremdung erzeugt. Zu einer solchen Arbeitsverdichtung haben in den vergangenen Jahren Kostendämpfungsmaßnahmen bei gleichzeitig steigenden Patientenzahlen geführt. So sind die Beschäftigten im Krankenhaus heute vielfältigen Belastungen ausgesetzt. Dennoch fehlt in den meisten deutschen Krankenhäusern ein systematisiertes Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Anzeige

Fünf Teilprojekte

Vor diesem Hintergrund hat sich der Forschungsverbund „Seelische Gesundheit am Arbeitsplatz Krankenhaus“ (SEEGEN) das Ziel gesetzt, die seelische Gesundheit von Beschäftigen in Krankenhäusern präventiv zu stärken. Der Verbund umfasst Teilprojekte der Universitätsklinika Ulm, Heidelberg, Düsseldorf, Tübingen sowie der Universitäten Düsseldorf und Duisburg-Essen und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über vier Jahren mit 2,6 Millionen Euro gefördert.

„In der ersten Projektphase entwickeln wir spezielle Interventionen für einzelne Themen und Zielgruppen“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. med. Harald Gündel, Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm. „In der zweiten Projektphase führen wir kombinierte komplexe Interventionen durch und evaluieren sie. Schließlich wollen wir die Ergebnisse und Erfahrungen aus diesem Verbundprojekt auch auf gesundheitspolitischer Ebene diskutieren und möglichst Veränderungen erreichen.“

In dem Verbund werden die Partner jeweils unterschiedliche Fragestellungen bearbeiten. Zwei Ulmer Teilprojektpartner setzen sich in der ersten Projektphase mit einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie an einem kommunalen Klinikverbund auseinander. Die Forscher in Düsseldorf und Duisburg-Essen widmen sich unter anderem der Sensibilisierung oberer Führungskräfte für das betriebliche Gesundheitsmanagement in der Klinik sowie der betriebswirtschaftlichen Analyse von Kennzahlen wie Arbeitgeberattraktivität oder Produktivität. Ebenfalls mit der Stärkung von Führungskompetenzen beschäftigen sich Tübinger Wissenschaftler.

In Heidelberg sind zwei Teilprojekte angesiedelt. Diese haben sich zum einen die Entwicklung eines Dilemmakompetenztrainings für Führungskräfte zum Ziel gesetzt, das helfen soll, Wege aus krank machenden Zwickmühlen zu finden. Zum anderen sollen Bausteine zur Förderung eines gesunden, erfolgreichen Alterns im Pflegeberuf entwickelt werden.

In der zweiten Projektphase sollen dann die einzelnen Interventionsbausteine kombiniert eingesetzt und in einem clusterrandomisierten Verfahren an drei Kliniken evaluiert werden. Mittelfristig soll das Verbundprojekt dazu beitragen, die Qualität der Arbeit im Krankenhaus zu verbessern, Personalmangel zu bekämpfen und die Behandlungsqualität zu steigern.

Die Kraft der Gruppe

„Unser Projekt zielt darauf ab, sowohl spezifisch Kenntnisse und Selbststeuerungsfähigkeiten bei den einzelnen Mitarbeitern zu unterstützen als auch insbesondere die Kraft der Gruppe, also Zusammenarbeit und gemeinsames Nachdenken über die Ausgestaltung des Arbeitsumfeldes, zu stärken“, erklärt Gündel. „Im Kern geht es darum, durch bessere Zusammenarbeit Arbeitszufriedenheit und Resilienz zu erhöhen und die Patientenbehandlung weiter zu verbessern.“

„Unser Eindruck ist, dass sogenannte weiche Faktoren im ärztlichen Arbeitsalltag als zunehmend wichtiger erkannt werden. Diesbezüglich ist aber auch noch ein Weg zu gehen, denn es braucht auch hier empirische Ergebnisse“, sagt Gündel. „Es ist einfach spannend und auch für mich persönlich besonders motivierend, in einer Zeit zu leben, in der Konzepte wie ‚Psychologische Sicherheit‘ immer mehr als ganz wesentliche Einflussfaktoren für eine erfolgreiche Arbeitstätigkeit erkannt und belegt werden.“ Falk Osterloh

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema