ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Infektionen im Beruf: Weniger Hepatitis und HIV, mehr latente Tuberkulosen

STUDIEN

Infektionen im Beruf: Weniger Hepatitis und HIV, mehr latente Tuberkulosen

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [15]

Meyer, Rüdiger

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Ärzte und Pflegepersonal sind durch den Kontakt mit ihren Patienten einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Deutlich wurde dies während der kurzen SARS-Epidemie 2002/2003, in der mehr als die Hälfte der Erkrankungen beim Gesundheitspersonal auftraten. Weniger spektakulär, aber dafür häufiger, sind Infektionen mit HI-Viren, Hepatitis-B und C-Viren und die Tuberkulose. Eine US-Studie schätzt, dass auf eine Million Beschäftigte jedes Jahr neun bis 29 Todesfälle durch Infektionen kommen (1). Für Deutschland lässt sich das Risiko durch die Zahl der Berufskrankheiten abschätzen, die bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beantragt und bewilligt wurden.

Nach einer Analyse von Forschern des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg, ist die Rate der jährlichen Anträge in den letzten zwei Jahrzehnten um ein Drittel von 25,2 auf 15,4 pro 100 000 Angestellte gesunken. Den größten Rückgang (90 Prozent) gab es bei der Hepatitis B, vor der sich das Personal durch Impfungen schützen kann.

Auch Hepatitis-C-Infektionen werden seltener. Im Jahr 2017 wurden deutschlandweit nur noch 29 Anträge gestellt, von denen 15 bewilligt wurden. HIV-Infektionen, die in den 1990er-Jahren noch tödlich endeten, sind insgesamt selten. Das Risiko, sich bei einer Nadelstichverletzung zu infizieren, ist deutlich niedriger als bei der Hepatitis C. Es dürfte bei einer antiretroviralen Therapie der Infektionsquelle gegen Null tendieren und in den anderen Fällen kann eine Postexpositionsprophylaxe das Infektionsrisiko senken. Seit 1996 sind insgesamt nur 74 Fälle einer Berufserkrankung an HIV von der BGW akzeptiert worden. Immerhin 74 Berufserkrankungen durch MRSA (bei 805 Anträgen) wurden zwischen 2006 und 2017 anerkannt. Anerkannt werden nur Erkrankungen, nicht aber die asymptomatische Kolonisation. Die Zunahme von Tuberkulosen ist zwar in der Bevölkerung seltener geworden, die Anträge auf Berufserkrankungen haben sich seit 1996 von 173 auf 473 fast verdreifacht. Der Grund ist die leichtere Diagnose einer latenten Tuberkulose mit dem IGRA-Bluttest. Im Jahr 2017 wurde die latente Tuberkulose 251-mal beantragt und 201-mal anerkannt. Eine Influenza wurde während der gesamten 22 Jahre nur 124-mal als Berufserkrankung beantragt und 48-mal anerkannt.

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Rüdiger Meyer

  1. Nienhaus A: Infections in healthcare workers in germany-22-year time trends. Int J Environ Res Public Health 2018 Nov 26; 15 (12).

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