ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Arbeitsbelastung: Warum Hausärzte in der Schweiz zufriedener sind

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Arbeitsbelastung: Warum Hausärzte in der Schweiz zufriedener sind

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [15]

Meyer, Rüdiger

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Foto: vinz897/stock.adobe.com
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Hausärzte sind in Europa die erste Anlaufstelle für Patienten, und eine hohe Berufszufriedenheit von Allgemeinmedizinern gilt als wichtige Voraussetzung für die Stabilität des Gesundheitswesens. Die Soziologin Katja Goetz von der Universität zu Lübeck hatte in einer früheren Untersuchung die Jobzufriedenheit in Allgemeinarztpraxen in Deutschland untersucht und überraschenderweise festgestellt, dass das Hilfspersonal zufriedener war als die Ärzte (1).

Auf der Warr-Cook-Wall-Skala, die auf einer Likert-Skala neun verschiedene Aspekte der Jobzufriedenheit mit 1 (total unzufrieden) bis 7 (sehr zufrieden) erfragt, vergaben die Ärzte im Durchschnitt 5,56 Punkte, das Personal jedoch 5,95 Punkte. Das Personal war in acht Aspekten mit dem Job zufriedener als die Ärzte. Selbst das Einkommen stellt Arzthelferinnen eher zufrieden – obwohl es deutlich niedriger ist als bei den Ärzten (allerdings wurde der Verdienst von beiden Berufsgruppen mit dem geringsten Score aller neun Aspekte der Jobzufriedenheit versehen).

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Kürzlich hat die Soziologin ihre Untersuchung an Schweizer Hausärzten wiederholt (2). Die Ärzte bewerteten ihre Jobzufriedenheit mit 6,16. Alle neun Aspekte stuften die Schweizer Ärzte besser ein als ihre deutschen Kollegen. Auch in der Schweiz werden Arbeitszeiten und Verdienst als Negativpunkte betrachtet, obwohl die Voraussetzungen zumindest bei den Arbeitszeiten günstiger sind. Die befragten Schweizer Ärzte arbeiteten im Durchschnitt 38,2 Stunden in der Woche, bei den deutschen Kollegen waren es 50,0 Wochenstunden.

Goetz vermutet, dass die geringere Arbeitsbelastung in der Schweiz zu einer höheren Zufriedenheit beiträgt. Die Mediziner seien dort weniger durch administrative Tätigkeiten belastet und auch die Zahl der Patientenkontakte sei deutlich niedriger. Rüdiger Meyer

  1. Goetz K, Campbell SM, Steinhaeuser J, et al.: Evaluation of job satisfaction of practice staff and general practitioners: an exploratory study. BMC Family Practice 2011; 12: 137.
  2. Goetz K, Jossen M, Szecsenyi J, et al.: Job satisfaction of primary care physicians in Switzerland – an observational study. Fam Pract 2016; 33: 498–503.

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