ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Angestellte Ärzte: Burn-out-Syndrom in Gruppenpraxen häufiger

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Angestellte Ärzte: Burn-out-Syndrom in Gruppenpraxen häufiger

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [16]

Meyer, Rüdiger

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Ist der Hausarzt in seiner Seele doch ein Einzelkämpfer? Eine Umfrage unter Mitgliedern eines Praxisnetzes in PLoS One ergab, dass Ärzte, die in einer eigenen Praxis ohne weitere ärztliche Partner tätig sind, am seltensten über Symptome eines Burn-out-Syndroms klagen.

Die allermeisten der über 55 000 Hausärzte in Deutschland arbeiten in einer eigenen Praxis. Sie sind dabei nicht nur für die Behandlung ihrer Patienten verantwortlich, sondern auch für das wirtschaftliche Überleben ihrer Praxis. Viele Nachwuchsärzte meiden die damit verbundenen langen Arbeitszeiten. Als angestellter Arzt in einer Gruppenpraxis erwarten sie einen Gewinn an Lebensqualität. Die Zusammenarbeit mit anderen Kollegen und die „Fremdbestimmung“, die mit einer angestellten Tätigkeit verbunden ist, scheint jedoch nicht allen Kollegen zu bekommen.

In einer Umfrage wurden 214 Ärzte eines Praxisnetzes mit dem „Maslach Burn-out Inventory“ zu emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierter persönlicher Leistungsfähigkeit befragt (1). Wie Annegret Dreher von der Universität Bonn und Mitarbeiter berichten, hatten Ärzte, die in einer Gruppenpraxis tätig waren, in allen drei Dimensionen häufiger Symptome eines Burn-out-Syndroms als Ärzte in eigener Arztpraxis. Besonders gefährdet scheinen Ärzte zu sein, die als Angestellte in einer Gruppenpraxis tätig sind. Diese klagten besonders häufig über eine reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit (45,8 Prozent gegenüber 18,9 Prozent der Hausärzte in eigener Praxis). Dieser Unterschied war auch dafür verantwortlich, dass mehr angestellte Ärzte (20,8 Prozent) als die Besitzer der Gruppenpraxis (6,8 Prozent) und die Hausärzte mit eigener Praxis (3,8 Prozent) alle drei Dimensionen des Burn-out-Syndroms erfüllten.

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Die Gründe für den häufigen Burn-out der angestellten Ärzte kann die Studie nicht klären. Falls die Ergebnisse repräsentativ sind, dann leidet ein Drittel (34,1 Prozent) der Hausärzte unter emotionaler Erschöpfung, drei von zehn (29 Prozent) haben Zeichen einer Depersonalisierung und jeder fünfte Arzt (21,5 Prozent) lebt mit dem Gefühl, unter seinen beruflichen Möglichkeiten zu bleiben. Ein Burn-out-Syndrom war besonders häufig bei Ärzten, die ihren Job kein zweites Mal ergreifen würden. Auch eine fehlende „Work-Life“-Balance könnte für die Burn-out-Symptomatik verantwortlich sein. Über sie klagten am häufigsten Frauen, für die der Beruf als Hausärztin häufig nicht mit dem Wunsch nach einem erfüllten Familienleben vereinbar ist. Ärzte, die bereits eine Familie mit Kindern hatten, waren in der Studie übrigens weniger Burn-out-gefährdet. Rüdiger Meyer

  1. Dreher A, Theune M et al.: Comparison of physicians working in solo and group practices. PLoS One. 2019 Feb 6; 14 (2): e0211223.

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