ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Arbeitsstress: Neurologen und Internisten am meisten belastet

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Arbeitsstress: Neurologen und Internisten am meisten belastet

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [16]

Meyer, Rüdiger

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Foto: freshidea/stock.adobe.com
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Jeder Beruf hat seine eigenen Anforderungen. Dies gilt auch für ärztliche Tätigkeiten. Die einzelnen Fachdisziplinen waren in einer Umfrage im Journal of Occupational Medicine and Toxicology (1) unter 763 Klinikärzten höchst unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt.

Internisten stehen nach den von Grit Tanner, Universität Hamburg, und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen am stärksten unter Zeitdruck, und sie waren am meisten frustriert über die Anforderungen ihrer täglichen Arbeit.

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Gynäkologen, Psychologen/Psychotherapeuten und Kinderärzte gaben den geringsten Zeitdruck an. Den Anästhesisten bereiteten die Anforderungen, denen sie sich im Alltag ausgesetzt sehen, die geringsten Probleme. Auch Chirurgen finden sich leichter mit den täglichen Routinen zurecht als die meisten anderen Berufsgruppen. Die Tätigkeit im OP und die tägliche Visite scheinen den Tag gut zu strukturieren.

Neurologen belastet die Unsicherheit, der sie durch fehlende Informationen ausgesetzt sind, am meisten. Auch für Internisten und Anästhesisten ist dies ein Stressfaktor. Chirurgen und Pädiater finden sich im Dschungel der Befunde eher zurecht. Gynäkologen hatten hier die wenigsten Probleme.

Über Stress mit Patienten oder Angehörigen beklagten sich Neurologen am meisten. Aber auch Psychologen und Psychotherapeuten scheint die Kommunikation mit ihren Patienten häufiger Probleme zu bereiten. Radiologen und Anästhesisten, die eher selten Kontakt zu den Patienten haben, beklagten sich am seltensten über Stress mit Patienten oder Angehörigen.

Alle genannten Stressfaktoren belasten die Gesundheit der Ärzte. In der Umfrage zeigte sich dies in einer gesteigerten Irritation und einer vermehrten emotionalen Erschöpfung. Unter „Irritation“ verstehen Psychologen einen psychischen Erschöpfungszustand, von dem sich die Betroffenen im Schlaf oder in Freizeit nicht wieder erholen. „Emotionale Erschöpfung“ ist eine der drei Dimensionen des Burnout-Syndroms, das zu Depressionen und vermehrten Fehlern im Beruf führen kann. Rüdiger Meyer

  1. Tanner G, Bamberg E, Kozak A, Kersten M, Nienhaus A: Hospital physicians‘ work stressors in different medical specialities: a statistical group comparison. J Occup Med Toxicol 2015 Feb 25; 10: 7.

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