ArchivDeutsches ÄrzteblattSonderausgabe Arztgesundheit/2019Gender-Aspekte: Ärztinnen berichten häufiger über Depressivität und Burn-out als Ärzte

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Gender-Aspekte: Ärztinnen berichten häufiger über Depressivität und Burn-out als Ärzte

Dtsch Arztebl 2019; 116 (Sonderausgabe Arztgesundheit): [14]

Gießelmann, Kathrin

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Foto: picture alliance
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Ärztinnen und Ärzte unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Lebensgestaltung. Auch die berufliche Situation, die Gesundheit und das psychische Befinden sind von Gender-Aspekten gekennzeichnet. Das zeigt eine Querschnittsstudie bei fast 3 800 Ärzten aus drei Facharztrichtungen (1): Psychiater und Psychotherapeuten, Anästhesisten/Intensivmediziner und Zahnärzte. Ärztinnen aller drei Fachrichtungen waren bis zu doppelt so oft ledig als Ärzte. Sie hatten seltener Kinder. Männer gaben an, mehr zu arbeiten als ihre weiblichen Kolleginnen. In der Anästhesie war die Wochenarbeitszeit bei den Ärzten mit 58,1 Stunden (h) am höchsten (Ärztinnen: 51,6 h). In der Psychiatrie waren es im Mittel 52,6 versus 46,5 Wochenstunden und in der Zahnmedizin 46,5 versus 45,0 h. Ärztinnen arbeiten zudem weit häufiger in Teilzeit und besetzen seltener leitende Positionen. Sie waren häufiger emotional erschöpft und berichteten häufiger über Depressionen und Burn-out. Hier fallen vor allem Ärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie durch deutlich häufigere Arbeitsunfähigkeitszeiten aufgrund psychischer Überlastung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen auf (8,2 versus 16,1 Prozent). Sie gaben auch häufiger eine Depression in der Vorgeschichte an. Diese Angabe beruht allerdings auf einer retrospektiven Selbstbeurteilung. Dieses Ergebnis in der deutschen Ärzteschaft entspricht Daten aus der Allgemeinbevölkerung, die für Frauen eine doppelt so hohe Lebenszeitprävalenz belegen als für Männer.

Ursachen für psychische Probleme könnten die Belastung durch Familie und Beruf, Gender-Aspekte in Hierarchien, aber auch eine unterschiedliche Wahrnehmung der eigenen Symptome sein. Auffällig war, dass Depressionen selten fachärztlich diagnostiziert und psychotherapeutisch behandelt wurden. Die Autoren vom Universitätsklinikum Ulm halten daher niederschwellige Hilfsmaßnahmen für notwendig. Kathrin Gießelmann

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  1. Beschonder P, Braun M, Schönfeldt-Lecuona C, et al.: Gender-Aspekte bei Ärztinnen und Ärzten. Bundesgesundheitsblatt 2016; 59: 1343–50.

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